Ratschläge an das "Volk von Seattle" von Missionar P. Piero Gheddo

"Jugendliche Demonstranten, setzt euch ein, folgt dem Vorbild der Missionare!"

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VATIKAN, 8. Juli 2001 (ZENIT.org-FIDES). Wenn man gegen den G8-Gipfel protestiert, sollte man vor allem auch den konsumorientierten Lebensstil der westlichen Welt ablehnen. Man sollte sich durch die konkrete Option für Sparsamkeit und Hingabe des eigenen Lebens einsetzen und Lebensmodell und Handlungsweise der in armen Ländern tätigen Missionare und freiwilligen Helfer nachahmen. Diese Ratschläge gibt der PIME-Missionar P. Piero Gheddo den jungen Teilnehmern von Protestaktionen gegen die Globalisierung, die auch als "Volk von Seattle" bekannt geworden sind. Gheddo hat vergangene Woche einen Aufruf konservativer italienischer Intellektueller mit unterschrieben, die sich als Katholiken von den katholischen Organisationen absetzen, die das G8-Treffen in Genua vom 17.-21. Juli mit kritischen Veranstaltungen begleiten wollen (Siehe ZENIT.org vom Donnerstag, 5. Juli und ZG01070805 ZENIT.org-FIDES in dieser Ausgabe.



"Eine in zwei Teile gespaltene Welt ist unvertretbar", betont P. Gheddo in einem Gespräch mit der vatikanischen Missionsagentur Fides. "Protest allein reicht aber nicht aus. Man muss auf verschiedenen Ebenen agieren: an erster Stelle über die Erziehung unter den armen Völkern; an zweiter Stelle muss man sich bewusst machen, dass man nicht weiterhin im Überfluß leben kann, so lange es Völker gibt, die nicht einmal das Notwendigste besitzen. Hierin liegt eine große moralische Verantwortung", bekräftigt der Missionar vom Päpstlichen Institut für die Außenmissionen. Seiner Ansicht nach "sollten sich nicht nur Vertreter des G8-Gipfels, Banken oder multinationale Unternehmen für den Übergang von einer Logik der Subventionierung zu einer Logik der Solidarität interessieren, sondern alle reichen Völker". "Notwendig ist in diesem Zusammenhang vor allem ein Wandel des Lebensstils, der Verzicht mit dem Ziel, armen Ländern zu helfen. Den jungen Menschen möchte ich sagen: seid bereit, euch einzusetzen. Geht für zwei oder drei Jahre nach Afrika und widmet euer Leben den anderen! Wir haben Regierungschefs, die unsere Kultur hervorgebracht hat; der Protest muss deshalb zwar einerseits den Führungskräften gelten, sollte sich aber auch an die Gesellschaft wenden und konkrete Lösungswege aufweisen: anfangen könnte man zum Beispiel mit dem Verzicht auf Mobiltelefone und Diskotheken!", schlägt P.Gheddo in aller Schlichtheit als Zeichen vor.

Im Zusammenhang mit dem Ungleichgewicht zwischen Nord und Süd weist P. Gheddo darauf hin, dass "das Problem zu oft vereinfacht wird und die Betrachtungsweise unter dem Einfluß marxistischer Ideologien steht: oft werden Ausbeutung der Rohstoffe und koloniale Vorgehensweisen hervorgehoben, was zum Teil gewiß zutrifft. Doch eine tiefgreifendere historische Analyse sollte auch den unterschiedlichen Entwicklungsgrad der Völker berücksichtigen: einige dieser Völker haben erst vor einem Jahrhundert die prähistorische Zeit hinter sich gelassen. Diese Situation kann man den G8-Ländern nicht zum Vorwurf machen. Die reichen Länder sind heute die Lokomotive des Fortschritts, das Problem liegt darin, dass man dafür sorgen muss, dass die armen Länder den Anschluß nicht verpassen. Bis gestern gab es nur die Dritte Welt, heute gibt es auch die "Vierte Welt", nämlich jene Länder, die aus dem Kreislauf der globalen Entwicklung ausgeschlossen sind wie zum Beispiel Nordkorea, Sierra Leone, Sudan, Afghanistan und Myanmar".

"Dies enthebt den G8-Gipfel nicht der eigenen Verantwortung", betont P. Gheddo, "doch auch andere Komponenten, wie zum Beispiel örtliche Regierungen in Afrika haben große Fehler begangen, indem sie unter anderem Städte und militärische Elite bevorzugt behandelten und die ländliche Bevölkerung sich selbst überließen. Heute gelingt es den afrikanischen Bauern nicht, die für die Versorgung des Landes notwendigen Lebensmittel zu produzieren, weshalb 30% des Lebensmittelbedarfs mit Importgütern gedeckt werden muss. In den ländlichen Gebieten wird den armen Menschen nur von Missionaren, freiwilligen Helfern und Nichtregierungsorganisationen geholfen."

Abschließend erinnert der Missionar auch an die christliche Sichtweise: "Grundlage ist der Sendungsauftrag der Kirche, die den Menschen Christus als Erlöser der Welt verkündet. Die Mission der Kirche besteht nicht nur in der Gründung von Schulen und Leprastationen. Sie bringt auch die Revolution des Evangeliums, das Menschen, Familien und ganze Völker von innen heraus verändern kann.