Ratschläge des heiligen Augustinus von Hippo über das christliche Zusammenleben

Herzstück: Denn jeder von euch ist sein Tempel

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ROM, 28. August 2008 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat gestern das Vorbild des Augustinus als Hilfe bezeichnet, „mit unermüdlicher Hoffnung auf Christus zu blicken, Licht in den Unwegigkeiten, Stütze in den Prüfungen des Lebens und in jedem Moment der menschlichen Existenz“.

Der heilige Augustinus (354 - 430 n. Chr.), dessen Fest wir heute feiern, ist weithin durch seine unermüdliche und beinahe verzweifelte Suche nach der Wahrheit bekannt. Nicht zuletzt durch seine bewegende Bekehrung, die ihn Gott gegenüber ausrufen ließ: „Spät hab ich Dich geliebt.“ Er hat die Kirche als leidenschaftlicher Theologe geprägt. Deshalb ist es spannend, in den Blick zu nehmen, was Augustinus, der Kirchenvater und Verfasser einer Lebensregel, über das Leben in Gemeinschaft zu sagen hat.

Das Leben in Gemeinschaft, das Miteinander, gehört zum Grundvollzug der christlichen Existenz und ist heute, wo vielerorts Spaltung und Vereinsamung das Glück der Menschen bedrohen, ein bedeutendes Zeichen und Zeugnis.

Augustinus lebte nach seiner Weihe in einer Klerikergemeinschaft, und aus diesem Zusammenleben entstand seine „Regula“, die sich aus Elementen geistlicher Vorträge zusammensetzt, die der Heilige seinen Mitbrüdern hielt. Auf biblisches Fundament gründend, entwickelte Augustinus seine Regel – die übrigens als die erste Klosterregel des Abendlandes betrachtet wird - aus der schon gesammelten Erfahrung in der „Vita communis“ und verband Spiritualität mit der konkreten Lebenspraxis.

Im Kern der Regula steht das theologische Motiv der Einwohnung Christi; die Überzeugung, dass Christus in jedem der Brüder wohnt. Ihn gelte es in der gegenseitigen Verantwortung füreinander zu ehren (Reg 4,6). „Sein Tempel sind wir alle zusammen und jeder für sich, weil er sowohl der Gemeinschaft aller, als auch den einzelnen einzuwohnen sich würdigt.“

Augustinus entwarf ein Gemeinschaftsmodell, das die Würde eines jeden Mitglieds zum Zentrum macht, und so Umsicht und Achtung, aber zugleich eine unbedingte Verpflichtung verlangt. Dies lässt eben auch nicht zu, die Augen vor der Tatsache zu verschließen, dass das Herz des Mitmenschen als verwundet zu betrachten ist, und man in Gemeinschaft um Heilung bemüht sein muss (Reg 4,8). „Wer immer aber in der Liebe erkaltet, der wird im Leib Christi krank“, so der Kirchenvater in einer seiner Predigten.

Der Einzelne und die ganze Gemeinschaft heilen und werden geheilt in der Fürsorge füreinander - eine Botschaft der Hoffnung und Herausforderung für Gesellschaft und christliche Gemeinschaft.

Von Dr. Katharina M. Karl