Realpräsenz Christi in der Eucharistie im Glaubensbekenntnis erwähnen?

Jeder liturgische Akt ist ein Glaubenszeugnis

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 819 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Könnten Sie mir erklären, warum wir in unserem Glaubensbekenntnis nicht auch bekennen, dass Jesus Christus unter den eucharistischen Gestalten mit Fleisch und Blut zugegen ist? -- D.K., Norwalk, Connecticut

P. Edward McNamara: Dies hat hauptsächlich historische Gründe, aber auch Gründe, die mit dem Sinn und Zweck der Liturgie selbst zusammenhängen.

Vom historischen Standpunkt aus betrachtet war das Glaubensbekenntnis, wie wir es heute kennen, zuerst in den Konzilen von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) entworfen worden, während es in seiner fertig entwickelten Gestalt zum ersten Mal in den Akten des Konzils von Chalcedon (451) erscheint.

Dieses Credo basiert wahrscheinlich auf einem Glaubensbekenntnis, das bei der Taufe verwendet wurde, und enthielt die der damaligen Auffassung nach wesentlichen Aussagen des Glaubens.

Insofern als es die Lehre von der Dreifaltigkeit sowie Christi wahre Gottheit und Menschheit verteidigte, war das Credo eine Antwort auf die Irrlehre des Arius und andere Irrlehren. Es war nie beabsichtigt, damit eine erschöpfende Darlegung aller Aspekte des Glaubens zu geben.

Da es also um die Verteidigung der Grundlagen des Glaubens selbst ging, zeichneten sich Fragen wie jene nach dem Wesen der Eucharistie auf dem theologischen Horizont einfach noch nicht ab, und dabei würde es dann auch noch für mehrere Jahrhunderte bleiben.

Außerdem begann man in dieser frühen Periode die Lehre über die Eucharistie im vollen Umfang oft erst nach der Taufe zu erklären –, somit also erst nachdem der frisch gebackene Christ öffentlich das Glaubensbekenntnis abgelegt hatte.

Gemeinhin schreibt man die Praxis, während der Messfeier das Glaubensbekenntnis abzulegen, dem Patriarchen Timotheus von Konstantinopel (511-517) zu. Das wurde in anderen Teilkirchen, die unter dem Einfluss von Byzanz standen, einschließlich jenes Teils Spaniens, der damals zum Kaiserreich gehörte, nachgeahmt.

Etwa im Jahre 568 ordnete der byzantinische Kaiser Justinian an, innerhalb seines Herrschaftsbereiches während allen Messfeiern das Credo zu sprechen. Zwanzig Jahre später (589) schwor auch Rekkared, der Westgotenkönig Spaniens, zugunsten des katholischen Glaubens dem Arianismus ab und ordnete an, dass bei jeder Messfeier das Glaubensbekenntnis zu sprechen sei.

Etwa zwei Jahrhunderte später war es in Frankreich Praxis geworden, das Credo zu verkünden, und so breitete sich in der Folge diese Gepflogenheit langsam auf andere Teile Nordeuropas aus.

Als 1114 Heinrich II. zu seiner Krönung zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nach Rom kam, war er überrascht, dass man hier das Credo nicht benutzte. Man erklärte ihm, die Römer hätten es nicht nötig, das Credo während der Messfeier zu rezitieren, weil Rom in Glaubensdingen nie geirrt hatte. Trotzdem wurde es aus Respekt vor dem Kaiser eingeführt und war seitdem so gut wie immer beibehalten worden, zwar nicht bei jeder Messfeier, aber zu Sonntagen und besonderen Festen.

In Ost und West benutzen die Christen das gleiche Glaubensbekenntnis, mit Ausnahme des in der lateinischen Version vorkommenden Ausdrucks „filioque“ (und dem Sohn), der jenem Artikel hinzugefügt wurde, der Bezug auf den Hervorgang des Heiligen Geistes nimmt, – ein Unterschied, der endlose und höchst komplexe theologische Diskussionen heraufbeschworen hat.

Trotz dieses Unterschieds besteht unter Christen ein gemeinsamer Konsens darüber, dass das Credo so belassen werden sollte, wie es ist, und dass weder das Credo, noch – man beachte! – die Messfeier selbst der passende Ort seien, um für jede Glaubensaussage eine technische Formel zu bieten.

Von einer anderen Warte aus betrachtet, ist die gesamte Messfeier in gewisser Weise ein Glaubensbekenntnis. Sie stützt sich auf jenen lebendigen Glauben, der in einem großartigen und erhabenen gottesdienstlichen Akt feierlich verkündet wird und der dann in der Weise Form annimmt, dass er jeden Aspekt des täglichen Lebensvollzugs mitbestimmt.

Auch wenn im Credo die Realpräsenz nicht ausdrücklich erwähnt wird, verkünden Katholiken dennoch ihren eucharistischen Glauben fast mit jedem Wort und jeder Geste, die sie bei der Messfeier zum Ausdruck bringen, besonders aber mit ihrem „Amen“ am Ende des Eucharistischen Hochgebets und zum Zeitpunkt des Kommunionempfangs.

Auf ähnliche Weise bringen sie in der Liturgie ihren Glauben an andere Dogmen, die nicht im Glaubensbekenntnis enthalten sind, zum Ausdruck. Indem man an Feiertagen wie den Hochfesten der Unbefleckten Empfängnis und der Himmelfahrt Mariens zur Messfeier geht, bekennt man seinen Glauben an diese Lehren.

Auch wenn man zur Beichte geht oder die Krankensalbung empfängt, bekräftigt man damit seinen Glauben an die sakramentale Struktur der Kirche und daran, dass Christus der Kirche die Vollmacht gegeben hat, Sünden zu vergeben.

Kurz gesagt, von Natur aus stellt jeder gottesdienstliche, liturgische Akt auch ein Glaubenszeugnis dar.

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Nachfolgeartikel: Das Credo 

P. Edward McNamara: Einige Leser haben gefragt, ob es erlaubt sei, das Glaubensbekenntnis an Sonntagen oder Hochfesten auszulassen.

Der Grundordnung des Römischen Messbuchs entnehmen wir:

„67. Das Credo oder Glaubensbekenntnis dient dazu, dass das ganze versammelte Volk auf das Wort Gottes, das in den Lesungen aus der Heiligen Schrift verkündet und in einer Homilie ausgelegt wurde, antwortet und dass es, indem es die Glaubensnorm in einer für den liturgischen Gebrauch approbierten Form vorträgt, der großen Mysterien des Glaubens gedenkt und sie bekennt, bevor deren Feier in der Eucharistie beginnt.

68. Das Glaubensbekenntnis ist an den Sonntagen und Hochfesten vom Priester gemeinsam mit dem Volk zu singen oder zu sprechen. Das kann auch bei besonderen Feiern von größerer Festlichkeit geschehen.

Wird es gesungen, stimmt es der Priester oder gegebenenfalls der Kantor beziehungsweise die Schola an. Gesungen wird es aber von allen gemeinsam oder vom Volk im Wechsel mit der Schola.

Wird es nicht gesungen, ist es von allen gemeinsam zu sprechen oder wechselweise von zwei Gruppen.“

An keiner Stelle also wird vorgesehen, dass das Credo an den Tagen, an denen es vorgeschrieben ist, ausgelassen werden kann. Kein Priester besitzt die Vollmacht, dies zu tun.

Allerdings gibt es Gelegenheiten, bei denen die liturgischen Bücher darauf hinweisen, dass das Glaubensbekenntnis ausgelassen werden darf, so zum Beispiel bei einer Messfeier mit Taufe, Weihe oder Ordensprofess.

In weiteren Zuschriften fragten Leser, ob man Worte weglassen oder hinzufügen dürfe, – indem man zum Beispiel beim Sprechen des Großen Glaubensbekenntnisses anstatt von „für uns Menschen“ einfach „für uns“ sagt.

Im Nachsynodalen Schreiben „Redemptionis Sacramentum“ heißt es unter Nr. 69: „Bei der heiligen Messe sowie bei anderen Feiern der heiligen Liturgie darf kein Glaubensbekenntnis zugelassen werden, das nicht in den rechtmäßig approbierten liturgischen Büchern enthalten ist.“

Daher sollte es sich besser niemand herausnehmen, an die Stelle der Kirche treten zu wollen und Mutmaßungen über geeignete Formulierungen, die bei der Messfeier benutzt werden sollten, anstellen. Das gilt auch angesichts der durchaus einleuchtenden Feststellung, dass die Kirche eine gegebene Übersetzung verbessern kann. Abgesehen vom Mangel an Vertrauen und Gehorsam, der in solchen Handlungsweisen zum Ausdruck kommen kann, besteht nämlich auch die Gefahr, unter den Gläubigen irrige Ansichten zu fördern.

In Bezug auf unser Beispiel [„für uns“ statt „für uns Menschen“] drückte es ein Leser aus New York auf treffende Weise so aus: „Das Wort „uns“ ist ein relativer Begriff. Es kann sich auf uns beziehen, die wir hier in der Kirche anwesend sind; auf uns, die Mitglieder der Pfarrei, des Bistums, des Landes; auf uns Katholiken; auf uns, die Erwählten – man kann sich alles Mögliche darunter vorstellen. Man könnte es also auch so auslegen, als ob damit der Standpunkt des Jansenismus vertreten würde.“

Selbst scheinbar harmlose Abänderungen können also weitreichende Folgen haben. Es liegt in der Verantwortung der Priester und besonders der Bischöfe, Hüter des Glaubens zu sein und sich in diesem Sinne solide zu erweisen.

Verschiedene Leser haben auch gefragt, welches Credo vorgeschrieben ist.

Im Allgemeinen sollte man das Credo von Nicäa [das Große Glaubensbekenntnis] verwenden. Das neue Römische Messbuch lässt auch die Option offen, gelegentlich statt des Credo von Nicäa das Apostolische Glaubensbekenntnis zu sprechen, vor allem während der geprägten Zeiten wie der Fasten- und Osterzeit.

Verschiedenen Ländern wurde Erlaubnis erteilt, stets das Apostolische Glaubensbekenntnis zu benutzen. Hierüber haben sich aber einige Bischöfe beklagt, weil so den Gläubigen ein Schatz der Kirche vorenthalten wird; sie rieten daher an, wieder zum Gebrauch beider Texte zurückzukehren.

[Im vom Apostolischen Stuhl am 10. Dezember 1974 bestätigten „Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets“ erscheint die Maßgabe: „Das Glaubensbekenntnis soll im Regelfall in seinem Wortlaut gesprochen oder gesungen werden. Ausnahmsweise darf es durch ein Credo-Lied ersetzt werden.“]

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus den englischen Originalartikeln Why the Creed Doesn't Mention the Eucharist und Sign of Peace