Redebeitrag von P. Julián Carrón, Präsident der Bruderschaft "Comunione e Liberazione" (Italien)

Wie kann man den Bruch zwischen dem Glauben und dem Leben überwinden?

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VATIKANSTADT, 15. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Bei der 9. Generalkongregation der Bischofssynode am 13. Oktober sprach der Präsident der Bruderschaft „Communione e Liberazione“ darüber, wie man den Bruch zwischen Glauben und Leben überwinden könnte, damit die Neuevangelisierung nicht nur eine Expertenfrage bleibt. 

[Wir dokumentieren den freien Redebeitrag in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]

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Wir können nicht damit fortfahren, „den Glauben immer noch als eine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens (zu) betrachten. In Wirklichkeit aber besteht diese Voraussetzung nicht nur nicht mehr in dieser Form, sondern wird häufig sogar geleugnet” (Porta fidei, 2).

Bei der Lektüre des Instrumentum laboris hat mich die folgende Beobachtung betroffen gemacht: „Der Mangel an Erstverkündigung im alltäglichen Leben ruft große Sorge hervor.” Alle Anstrengungen, die bisher gemacht wurden, bringen nur mit Mühe eine neue Art von Leben hervor, das so geartet ist, dass es Neugier am Leben der Getauften hervorruft. Wie kann man diesen Bruch zwischen dem Glauben und dem Leben überwinden, die es dem Glauben so schwer macht, auf vernünftige und folglich attraktive Weise gefunden zu werden? Wenn sie nicht die „kostbare Gabe, die der Glaube ist, wiederentdeckt” und wieder annimmt, läuft die Neuevangelisierung Gefahr, nur eine Expertenfrage zu werden.
Wir haben, um dieses Interesse zu erzeugen, einen Verbündeten im Herzen der Menschen aller Kulturen und Lebensumstände. Wir wissen, dass das Herz des Menschen fürs Unendliche geschaffen ist. Es ist in ihm angelegt, immer auf die Vollendung zu warten. Denn kein „falsches Unendliches vermag ihm Befriedigung zu verschaffen.” Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? (Mt 16,26).

Auf diese Erwartung kann keine Lehre, keine Sammlung von Regeln, keine Organisation antworten, wohl aber ein Ereignis. Wie Don Giussani auf der Synode des Jahres 1987 sagte: „Es fehlt nicht so sehr an einer verbalen oder kulturellen Wiederholung der Verkündigung. Der Mensch unserer Zeit erwartet vielleicht ganz unbewusst die Erfahrung der Begegnung mit Personen, für die die Tatsache Christi eine so gegenwärtige Realität ist, dass ihr Leben sich radikal geändert hat.” Ein Ort, an den jedermann eingeladen werden kann, um die Erfahrung zu machen, die die beiden am Ufer des Jordan machten: „Komm und sieh”, denn „ein Glaube, der nicht in der gegenwärtigen Erfahrung angetroffen und gefunden werden kann, von ihr bestätigt werden kann, der dabei hilft, auf ihre Bedürfnisse zu antworten, kann kein Glaube sein, der in der Lage ist, in einer Welt standzuhalten, wo alles, einfach alles das Gegenteil behauptet.