Reformen und Revolution im Vatikan

"Evangelii gaudium" - Pressestimmen aus Deutschland

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 373 klicks

Das Apostolische Schreiben „Evangelii gaudium“ wurde gestern im Pressesaal des Vatikans vorgestellt. In dem Schreiben stellt Papst Franziskus in sieben Punkten, die sich auf fünf Kapitel erstrecken, das Programm für die Neuevangelisierung und die Reform der Kirche vor. In der deutschen Presse wurde vor allem das Reformbegehren des Papstes hervorgehoben, das sich nicht nur auf innerkirchliche Bereiche erstrecke, sondern auch ein Überdenken des Wirtschaftssystems fordere.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete entsprechend gestern in einem Artikel über das Apostolische Schreiben von Papst Franziskus, „Evangelii gaudium“: „Papst kritisiert die Traditionalisten, will die Bischofskonferenz stärken und denkt an die ‚Reform des Papsttums‘. Eine Kirche, die auf die Straße gehe, sei ihm lieber als eine verschlossene, schreibt er in seiner ersten Lehrschrift.“ Im Folgenden wurden die einzelnen Punkte vorgestellt.

In einem gestrigen Artikel sprach die Süddeutsche Zeitung sogar von einer „Revolution im Vatikan“. „Seit mehr als 50 Jahren hat kein Papst so radikal Veränderungen gefordert wie jetzt Franziskus. In einer 180-Seiten-Schrift verpflichtet er die Kirche, mehr für Arme, Schwache und Sünder zu wirken.“ Besonders hob der Artikel die „geradezu linksradikal erscheinende Kapitalismus- und Reichtumskritik des Papstes hervor.

„Wirtschaftsystem in der Wurzel ungerecht“, titelte das Handelsblatt und legte im Folgenden die Reformbestrebungen des Papstes dar. Papst Franziskus übe harte Kritik am Wirtschaftssystem, das nur das Recht des Stärkeren kenne. „Der Mensch sei nur noch als Konsument gefragt, und wer das nicht leisten könne, der werde nicht mehr bloß ausgebeutet, sondern ausgeschlossen, weggeworfen.“

Die Zeit online erklärte, dass Papst Franziskus Reformen auf allen Ebenen anstrebe. In die Reformen sei auch das Verständnis von seinem eigenen Amt inbegriffen. Es gelte, das Papstamt den Anfordernissen der heutigen Zeit anzupassen.

Papst Franziskus wolle „die Kirche komplett reformieren“, berichtete schließlich der Spiegel online und hob besonders den Aspekt der Wirtschaftsreformen hervor. Der Papst übe eine „offensive Kapitalismus-Kritik“: „Längst gehe es nicht mehr nur um das Phänomen der Ausbeutung und der Unterdrückung, sondern um eine Kultur der Ausschließung derer aus der Gesellschaft, die nicht genug leisten.“