Regensburger Bischof Müller wird Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre

Ein deutscher Theologe wird Nachfolger von Kardinal Levada

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Von Anita Bourdin

ROM, 2. Juli 2012 (ZENIT.org). – Papst Benedikt XVI. ernennt einen deutschen Theologen zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre: Msgr. Gerhard Ludwig Müller, Bischof von Regensburg. Gleichzeitig erhebt er ihn in den Rang eines Erzbischofs.

Bischof Müller wird somit zum Nachfolger von Kardinal William Joseph Levada aus den USA, der dasselbe Amt seit dem 13. Mai 2005 innehatte und dessen Rücktritt aus Altersgründen der Papst angenommen hat. Kardinal Levada wurde am 15. Juni 1936 geboren, hat also vor Kurzem seinen 76. Geburtstag gefeiert. Er war Kardinal Ratzinger in diesem Amt nachgefolgt.

Bischof Müller wird damit ipso facto auch der Vorsitzende anderer Institutionen, die von der Kongregation für die Glaubenslehre abhängen, darunter die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei, aber auch die Päpstliche Bibelkommission und die Internationale Theologenkommission.

Man beachte, dass der Papst schon vergangene Woche einen neuen Vize-Präsidenten der Kommission Ecclesia Dei ernannt hat, die eine Schlüsselinstitution im Dialog mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist. Es handelt sich um Msgr. Augustine Di Noia.

Bischof Müller kam am 31. Dezember 1947 in Mainz zur Welt, ist also 64 Jahre alt. Seine Priesterweihe empfing er 1978 in der Diözese Mainz; seit dem 1. Oktober 2002 ist er Bischof von Regensburg und hat in dieser Eigenschaft Benedikt XVI. auch auf der Reise durch seine Heimat im September 2006 empfangen.

Bischof Müller promovierte 1977 in Theologie mit einer Arbeit über den lutherischen Theologen und Nazi-Oppositionellen Dietrich Bonhoeffer. Von 1986 an lehrte er Dogmatische Theologie an der Universität München.

Sein Bischofsmotto lautet „Dominus Iesus“, „Jesus ist der Herr“, entnommen aus dem Römerbrief (10,9). Dies ist auch der Titel eines Dokuments der Kongregation für die Glaubenslehre, deren Mitglied Bischof Müller ist. Außerdem ist er Mitglied der Römischen Kongregation für das Katholische Bildungswesen und der Päpstlichen Räte für die Kultur und zur Förderung der Einheit der Christen.

Im Rahmen der Deutschen Bischofskonferenz war er bislang Verantwortlicher der Ökumenekommission; außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland und erster Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Ostkirchlichen Instituts Regensburg.

Bischof Müller ist auch ein persönlicher Freund von Papst Benedikt XVI., und so wurde er  Herausgeber der Gesammelten Werke – „Opera Omnia“ – von Joseph Ratzinger-Benedikt XVI.

Er selbst ist Autor von etwa 400 Schriften in Dogmatischer Theologie und hat sich mit Ökumene, Offenbarung, Hermeneutik, Priestertum und Diakonat beschäftigt.

Er war auch Student – und Freund – von P. Gustavo Gutierrez, des „Vaters“ der Befreiungstheologie in Lateinamerika.

[Übersetzung des französischen Originals von Alexander Wagensommer]