Religion in Mittelmeerländern hat Brückenfunktion für Friedenssicherung

Im Zentrum „Saint-Etienne“ in „El Cairo“ geht es um das Herzstück des interreligiösen Dialogs: die Kultur

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KAIRO, 18. Februar 2009 (ZENIT.org).- Ein Treffen von hochrangigen Vertretern des Islams, der Koptischen Kirche und der verschiedenen katholischen Teilkirchen, die im Mittelmeerraum beheimatet sind, findet zusammen mit anderen Vertretern aus diesem Kulturraum derzeit im Zentrum „Saint-Etienne“ in „El Cairo“ statt.

Träger der Veranstaltung ist erstmals in dieser Form der Päpstliche Rat für die Kultur, dem als Präsident Erzbischof Gianfranco Ravasi vorsteht. Der Rat schließt bei seiner Arbeit grundsätzlich zwei Sektionen ein: Glaube und Kultur sowie den  Dialog mit den Kulturen.

Bei der Begegnung bezeichnete der Sekretär des Rates, P. Bernard Ardura O.Praem. aus Frankreich die Kirche des Mittelmeerraums als „eine Brücke zwischen Völkern und Kulturen“, berichtete die Tageszeitung des Vatikans, der Osservatore Romano, ihrer gestrigen Ausgabe. „Wir sind davon überzeugt, dass der Dialog der beste Weg ist, um sich dem jeweils anderen, dem Fremden, zu nähern.“ Durch den Dialog werde es möglich, dass man voreinander keine Angst mehr habe, sich annehme und zuhöre - „um Zeuge unseres Glaubens unter Wahrung ihres Glaubens zu werden".

Jedem Christen stellt sich nach Worten von P. Ardura „eine grundlegende Frage: Mit wem muss ich reden? Papst Paul VI. hat in seiner Enzyklika Ecclesiam Suam erklärt: Die Kirche muss bereit sein, den Dialog mit allen Menschen guten Willens... zu führen."

Der interkulturelle Dialog richte sich somit „an alle Menschen guten Willens, unabhängig von ihrer Nationalität, Kultur und Religion", und sein Ziel bestehe darin, eine „echte Kultur des Friedens" aufzubauen. Dies geschehe in erster Linie durch die „Formung des Gewissen, durch die Kultur“.

Dieser Dialog, so fügte er hinzu, „führt dazu, den tiefen Sinn von Menschsein und menschlicher Geschwisterlichkeit“ zu erfassen. Dazu gehöre auch „die Achtung der Heiligkeit des Lebens, die Anerkennung der Solidarität aller Menschen mit der geschaffenen Welt, die Einheit aller Menschen untereinander und mit Gott.“ Voraussetzung dafür sei, die Schlüsselfunktion zu erkennen, die der kulturelle Austausch zur Förderung dieses Dialogs habe.

„Der Dialog wird wesentlich durch das Ambiente von Kultur und Bildung, also Schule, Hochschule. Kulturzentren, Wissenschaft, kultureller Werke, Rituale und Bräuche mitbestimmt. Wir sehen ja selber, welche Bedeutung die Bildungs- und Aufklärungsarbeit für den kulturellen Dialog schon seit der Antike gehabt hat.“

Eine der Aufgaben des Päpstlichen Rates für die Kultur sei es, mit den Bischofskonferenzen zu kommunizieren, damit die ganze Kirche von den Forschungen und Initiativen, von Verwirklichtem und Erreichtem, profitieren könne. Das ermögliche den einzelnen Teilkirchen eine aktive Präsent in ihrer eigenen kulturellen Umgebung.

Der Rat weiß sich der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils verpflichtet. Im Konzilsdokument Nostra aetate über den interreligiösen Dialog heißt es unter anderem: „Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen" (2).