Religionsfreiheit ist eine Frage der Menschenwürde

Rechtsstaatliche Grundlagen wurzeln in erheblichem Maß in religiösen Traditionen

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ROM, 16. März 2012 (ZENIT.org). - Seit 60 Jahren seien durch die Woche der Brüderlichkeit immer wieder neue Signale „mit aktualisierten Impulsen des christlich-jüdischen Zusammenlebens an die politischen, kulturellen und religiösen Kräfte gesetzt worden“, erklärte Uwe Michelsen, Mitglied des Rates der EKD, in seinem Grußwort anlässlich einer Diskussionsveranstaltung in Leipzig im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“, wie die Deutsche Bischofskonferenz berichtet. Gemeinsam mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK) und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) hob sie bei dieser Gelegenheit die Rolle der Religion in der Öffentlichkeit hervor. Unter dem Leitwort „Religion in der demokratischen Öffentlichkeit“ hatten Kirchenvertreter und Rabbiner im Alten Rathaus die Bedeutung der Religionsfreiheit auch im öffentlichen Raum diskutiert.

In ihrem Vortrag betonte Rabbinerin Elisa Klapheck von der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, dass die demokratischen und rechtsstaatlichen Grundlagen in einem nicht geringen Maße in den religiösen Traditionen selbst wurzelten. Heute sei es die Aufgabe der Religionen, dieses Erbe neu zu erschließen.

In seinem Grußwort hob Rabbiner Steven Langnas von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland hervor, dass Religion und moderne Demokratie sich wechselseitig herausforderten.

Bischof Heinrich Mussinghoff (Aachen) betonte, dass sich das deutsche Verhältnis der Kooperation und Koordination von Kirche und Staat bewährt habe und auch offen für nicht-christliche Religionsgemeinschaften sei. Ausdrücklich setzte er sich für die Präsenz von Religion im öffentlichen Raum ein und plädierte für „vernünftige Ausnahmeregelungen“, die die Religionsfreiheit von Minderheiten schützen. „Denn die Religionsfreiheit schützt nicht irgendwelche Präferenzen oder Wünsche“, so der Bischof weiter, „sondern die Identität und moralische Integrität der Person. Religionsfreiheit ist eine Frage der Menschenwürde.“

Einerseits stelle sich die Frage, „wie eine Demokratie diversen Religionsgemeinschaften und ihren unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden kann“; andererseits müssten wir uns fragen, „wie innerhalb einer liberalen Demokratie religiöse Werte auf eine effektive Art und Weise vermitteln können.“

Der öffentlichen Veranstaltung war ein internes Gespräch vorausgegangen, in dem sich Rabbiner und Kirchenvertreter über Fragen des Umweltschutzes aus jüdischer und christlicher Sicht ausgetauscht hatten.

Seit 2006 treffen sich Vertreter der Allgemeinen Rabbinerkonferenz und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland einmal jährlich zu einem ausführlichen Meinungsaustausch. Alle zwei Jahre führen sie gemeinsam mit dem Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit eine öffentliche Veranstaltung durch.