Religionsunterricht an Berufsschulen Beitrag zur sozialen und personalen Kompetenz

Religionsunterricht ist kein Fremdkörper

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ROM, 16. November 2012 (ZENIT.org/PM DBK). - Der Vorsitzende der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn), hat heute den Religionsunterricht an Berufsschulen als unverzichtbaren Beitrag zur Ausbildung sozialer und personaler Kompetenzen gewürdigt. Aus Anlass des „Zukunftskongresses zum Berufsschulreligionsunterricht“ in der Hochschule St. Georgen (Frankfurt) sagte Erzbischof Becker, dass der Religionsunterricht vor allem dazu beitrage, „die Werte und Normen, an denen die Auszubildenden sich im Beruf und im Privatleben orientieren, bewusst zu machen und auf der Grundlage des christlichen Glaubens zu reflektieren. Der Religionsunterricht ist der Ort, an dem die Auszubildenden lernen können, ihre eigenen Lebensorientierungen ebenso wie gesellschaftliche Anforderungen ins Wort zu setzen und im Lichte des christlichen Glaubens zu beurteilen. Wenn dem Religionsunterricht dies gelingt, dann hat er wirklich Beachtliches geleistet“, so Erzbischof Becker.

Während die Ausbildung eines Berufsethos in erster Linie Aufgabe der betrieblichen Ausbildung sei und nicht an den Religionsunterricht delegiert werden könne, müsse der Religionsunterricht die transzendente Dimension und damit die Beziehung von Gott und Mensch zur Sprache bringen. Erzbischof Becker: „Ist es nicht die Aufgabe des Religionsunterrichts, die Auszubildenden religiös sprach- und auskunftsfähig zu machen, ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, ihre religiösen Überzeugungen zu artikulieren und verständlich zu machen? Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten den Glauben so sehr ins Private und Subjektive gedrängt, dass viele bis in den Binnenraum der Kirche hinein die Sprache verloren haben, über ihren Glauben zu sprechen.“

Erzbischof Becker bezeichnete den Religionsunterricht an Berufsschulen als Ort, „an dem die Auszubildenden als Subjekte mit ihren Fragen, Erfahrungen und Überzeugungen ernst genommen werden“. Gleichzeitig müsse der Religionsunterricht sich den Fragen und Problemen stellen, auf die Auszubildende in der Berufswelt stoßen: „Im Religionsunterricht geht es um die einfache, in ihren Konsequenzen aber keineswegs triviale Unterscheidung von Personen und Sachen, also um die Einsicht, dass Menschen nicht zum Gegenstand eines strategischen Kalküls gemacht werden dürfen, dass sie auch in der Berufswelt nicht nur als Mittel, sondern immer auch als Zweck behandelt werden sollen … Der Religionsunterricht würde seinen Namen nicht verdienen, wenn in ihm die elementaren Einsichten des christlichen Glaubens nicht mehr zur Sprache kämen. Den Auszubildenden sollte deutlich werden, dass die christliche Rede von Schöpfer und Geschöpf, von Schuld und Vergebung, von Leid und Erlösung Einsichten und Erfahrungen vermittelt, ohne die unser persönliches und unser gesellschaftliches Leben ärmer wären“, so Erzbischof Becker.

Der Zukunftskongress zum Berufsschulreligionsunterricht wird vom Katholischen Institut für berufsorientierte Religionspädagogik (KIBOR) an der Universität Tübingen und den beiden evangelischen Instituten für berufsorientierte Religionspädagogik an den Universitäten Bonn und Tübingen veranstaltet.