Religiöse Diskriminierung, eine Wunde: Bischof Farrell an die OSZE-Mitgliedsstaaten

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BUKAREST, 21. Juni 2007 (ZENIT.org).- Diskriminierung gegenüber Religionen sei eine „offene Wunde“ der Gesellschaft, erklärte Bischof Brian Farrell, Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, bei der Eröffnungssitzung der Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der rumänischen Hauptstadt Bukarest.



Der Kurienbischof betonte vor den Vertretern der 56 Mitgliedsstaaten, dass der Begegnung von Religionen und Kulturen angesichts der gegenwärtigen Weltlage „größte Bedeutung“ zukomme. Keineswegs handle es sich hierbei nur um eine „Aufgabe für die Theologie“, hob er hervor.

„Das Problem der Interaktion von Kulturen und die Frage des Friedens und der Achtung von Religionen spielen heute eine äußerst wichtige Rolle, was die Entscheidung für politische Richtlinien und sicherheitspolitische Maßnahmen angeht“, betonte Bischof Farrell. Letztendlich gehe um die Frage, „wie wir friedlich miteinander umgehen und wie wir zur Bildung und zum Fortschritt der Menschheit beitragen“.

Der Vertreter des Heiligen Stuhls verurteilte den Antisemitismus als einen „tragischen Verstoß gegen die Menschenwürde“ und den Holocaust als „ein Verbrechen, dass die Geschichte der Menschheit befleckt hat“. Auch die Diskriminierung von Muslimen stelle eine „schwerwiegende Missachtung der Menschenwürde“ und der „Ausübung ihres Rechts auf Religionsfreiheit“ dar.

Der 63 Jahre alte Bischof verwies darauf, dass Papst Benedikt XVI. sich immer wieder „sowohl gegen die Einzelerscheinungen als auch gegen die andauernde Abfolge von Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Christen“ ausgesprochen habe.

Der Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ermutigte die Mitgliedsstaaten der OSZE, eine Hierarchiebildung unter den drei „offenen Wunden“ – Diskriminierung gegen Juden, gegen Muslime und gegen Christen – mit allen Mitteln zu vermeiden. „Jede von ihnen schmerzt Männer und Frauen, setzt ihre menschliche Würde herab und muss daher fürsorglich geheilt werden.“

Der Einsatz der internationalen Gemeinschaft verspreche allerdings nur dann erfolgreich zu sein, wenn er in allen drei genannten Bereichen mit der gleichen Entschlossenheit ausgeführt werde.

„Wenn die Organisation und ihre Mitgliedsstaaten sich nicht dazu verpflichten, alle notwendigen Maßnahmen einzuführen, um den Christen die volle Ausübung ihrer Religionsfreiheit zu gewähren, dann werden sie paradoxerweise bei ihrem Kampf gegen die Diskriminierung diskriminiert werden!“

Bischof Farrell wertete es als einen Fehler, „das Erbe des Glaubens der drei monotheistischen Religionen aus einer relativistischen Mentalität heraus zu beurteilen und auf sie die heiklen und sich stets verändernden Parameter eines politischen Gleichgewichts anzulegen, anstatt den zeitlosen Maßstab der Wahrheit und der zentralen Stellung der Menschenwürde“.