Religiöse Minderheiten besser schützen

Gottgeweihtes Leben ein Geschenk

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 441 klicks

Um 17.15 Uhr Ortszeit traf Papst Franziskus heute im Auditorium der „School of Love“ in Kkottongnae Vertreter von religiösen Gemeinschaften Koreas. Zu der Begegnung kamen etwa 5000 Gläubige, die im pastoralen Dienst in Korea tätig sind. Nach den Begrüßungsworten der höheren Ordensoberen männlicher und weiblicher Ordensinstitute, Pater Hwang Seok-mo und Schwester Scholatica Lee Kwang-ok, betete der Papst mit ihnen ein Ave Maria (statt wie geplant die Vesper zu feiern).

„Wenn wir nicht rechtzeitig mit dem Helikopter abheben, dann laufen wir Gefahr gegen den Berg zu prallen“, so erklärte der Papst mit Humor die Programmänderung. Nach dem Ave Maria, wandte der Heilige Vater sich an die Anwesenden und dankte ihnen für ihre Arbeit und die freundliche Begrüßung.

In Bezug auf den Psalm „Auch wenn mein Leib und mein Herz verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig" (Ps 73,26) lud er die Anwesenden ein, über das eigene Leben nachzudenken. Bei allen Schwierigkeiten, die verhindern, dass man im Leben immer Freude zum Ausdruck bringen könne, gebe es doch immer die Gewissheit, „jenseits von allem grenzenlos geliebt zu sein“. Die Überzeugung, von Gott geliebt zu werden sei der Mittelpunkt der Berufung. Aus diesem Grund sei es wichtig, anderen ein freudiges Zeugnis zu vermitteln, um sie so für Gott begeistern zu können. Das Gebets- und Gemeinschaftsleben sei ein Geschenk Gottes, das die Freude nähre. Der Papst warnte vor Schwierigkeiten, wenn man dies nicht beachte.

Er sagte zu den gottgeweihten Männern und Frauen: „Ganz gleich, ob das Charisma eures Instituts mehr auf die Kontemplation oder mehr auf das aktive Leben gerichtet ist, seid ihr aufgefordert, besonders durch euer Gemeinschaftsleben ‚Experten‘ der göttlichen Barmherzigkeit zu werden.“ Papst Franziskus zeigte sich verständnisvoll, dass das Ordensleben nicht immer einfach sei, es gebe mit Sicherheit Auseinandersetzungen, aber es sei „ein günstiges Übungsgelände für das Herz“. Man müsse im Gemeinschaftsleben in Barmherzigkeit, Langmut und vollkommener Nächstenliebe wachsen.

Er appellierte an die Anwesenden, die Erfahrung von Gottes Barmherzigkeit müsse all dem, was sie machen, Gestalt geben. Keuschheit, Armut und Gehorsam seien ein „freudiges Zeugnis für Gottes Liebe“. Der Papst gebrauchte ein eindringliches Bild und sagte zu den Anwesenden, sie würden „auf dem Felsen der Barmherzigkeit stehen“. Er unterstrich, dass es keine Einschränkungen gebe und sagte: „Gott verlangt vollständig unsere Herzen und das bedeutet, dass wir „uns selbst loslassen“ und immer mehr „aus uns herausgehen“ müssen.

Auch bezüglich der Keuschheit zeigte sich Papst Franziskus verständnisvoll und sagte, dass „wir alle wissen, was für ein persönliches und anspruchsvolles Engagement das zur Folge hat.“ Er fuhr fort, Versuchungen seien durch demütiges Gottvertrauen, Wachsamkeit und Ausdauer auszugleichen.

Der Papst sagte weiter, die Barmherzigkeit Gottes sei nicht nur eine Quelle der Kraft, sondern auch ein Schatz, denn in Zeiten der Schwäche und der Hilflosigkeit könne man darauf bauen. Er mahnte die Anwesenden, sich nicht ablenken zu lassen. Im geweihten Leben sei die Armut eine „Mauer“, weil das geweihte Leben schütze, und eine „Mutter“, weil sie entlang des richtigen Weges führe. Er sagte: „Die Heuchelei jener gottgeweihten Männer und Frauen, welche die Gelübde der Armut versprechen, dann aber wie Reiche leben, verwundet die Seelen der Gläubigen und schadet der Kirche.“ Der Papst warnte davor, eine „weltliche Mentalität“ anzunehmen, da sie das Zeugnis der Armut zerstöre.

Abschließend erinnerte er die Anwesenden daran, dass das gottgeweihte Leben ein „kostbares Geschenk für die Kirche und für die Welt sei“, das verteilt werden müsse, um andere zu formen. Er sagte: „Ganz gleich ob ihr mehr dem kontemplativen oder dem apostolischen Leben zugehört – seid eifrig in eurer Liebe zur Kirche in Korea und eurem Wunsch, durch euer eigenes, besonderes Charisma zu ihrer Sendung beizutragen, das Evangelium zu verkünden und das Volk Gottes in Einheit, Heiligkeit und Liebe aufzubauen.“

Dann erteilte er allen den Segen und stellte sie unter den Schutz der Fürsorge Marias.

Die deutsche Übersetzung der Ansprache des Papstes kann man hier nachlesen.