Renaissance in Rom: eintauchen in eine vollkommene Begegnung

Ausstellung folgt den Spuren Michelangelos und Raphaels

| 1330 klicks

Von Elisabeth Lev*

ROM, 12. Dezember 2011 (ZENIT.org). - Wenn man die neue Ausstellung „Die Renaissance in Rom: auf den Spuren Michelangelos und Raphaels“ im Pallazzo Sciarra besichtigt, ist es so, als ob man auf eine Super-Party zur Feier dieser goldenen Zeit in Rom ginge. Nicht nur Michelangelo und Raphael sind anwesend, sondern auch gefeierte Denker, Prälaten und Patrone, die diese folgenschwere Zeit prägten.

Beim Betreten des Palastes aus dem 16. Jahrhundert an der Via del Corso fühlt man sich selber in das Heim eines der prestigereichen Adligen eingeladen, der einst die künstlerischen Genien seiner Zeit bewirtete. Das erste Gesicht, das einen begrüßt, ist das Raphaels: Sein Selbstportrait an der Tür scheint wie ein Gastgeber, der einen willkommen heißt. Einen Augenblick später sieht man sich einem ungewöhnlich gesellig wirkenden Michelangelo gegenüber, in einem Portrait von Sebastian del Piombo, der über dessen Schulter schaut, als würde er um die Meinung zu seinen Gemälden bitten.

Eine wunderbare Karte von Rom aus dem späten 16. Jahrhundert führt uns in die Kulisse der Handlung ein. Die aurelianische Mauer umschloss ein Gebiet mit einem Umfang von 17,7 Kilometern, aber die Größe des unentwickelten Gebiets zeigt, wie viel Arbeit noch ausstand, um Rom zu seiner früheren Größe zurückzuverhelfen. Glücklicherweise gab es Patrone mit Visionen, die Roms Wiedergeburt vorantrieben: Papst Julius II. und Leo X., portraitiert in Kopien ihrer berühmten Portraits aus der Hand Raphaels. Julius sieht müde aus; die Projekte des Wiederaufbaus der Petersbasilika, der Vollendung der Sixtinischen Kapelle, des Baus von Straßen und die immer währende Verteidigung päpstlichen Territoriums scheinen ihn ausgelaugt zu haben. Der luxusliebende Leo X., der immer einen Blick für das feine Detail besaß, wird Rom seine exquisitesten Werke schenken, wie die Raphael-Loggia im Vatikan.

Aber Rom wurde nicht allein von Päpsten gestaltet. Viele andere, die niemals auf dem Thron von St. Peter saßen, leisteten ihren Beitrag für die Stadt. Kardinal Alessandro Farnese, der den Bau der Kirche Il Gesù finanzierte, und Bischof Tommaso Inghirami, von dem man annimmt, dass er das Bildprogramm für die Stanzen des Raphael entwarf, scheinen auf den jeweiligen Portraits des produktiven Künstlers in Gedanken versunken.

Es war eine dynamische Zeit voller Pläne, Projekte und Entdeckungen. Elegante Paläste wuchsen in der ganzen Stadt empor, Seite an Seite mit monumentalen Kirchen; die römische Erde gab antike Schätze so schnell frei, wie die römischen Adligen sie erstehen konnten. Humanisten entdeckten, übersetzten und interpretierten zunehmend obskure Mythologien und bestellten gleichzeitig eine endlose Anzahl von Gemälden der Heiligen Familie zur privaten Anbetung.

Die Spur der konkurrierenden Atmosphäre ist allgegenwärtig. Abgesehen von den Giganten der Kunst, die die römische Szene dominierten, gab es Dutzende anderer Künstler, die nach ihrem großen Durchbruch strebten. Ein Korridor fühlt sich wie ein Begrüßungskomitee an, mit dem Spanier Alfonso Berruguete, dem Sieneser Baldassare Peruzzi und anderen, die in ihren mannigfaltigen Bildsprachen ihren Gruß senden.

Plötzlich geht die luxuriöse rote Wandtäfelung in eine schwarze über, und die Räume werden klein und stickig. Das verkündet die Zeit der lutherischen Reform, auf die die Plünderung Roms im Jahr 1527 folgte und die das goldene Zeitalter jäh beendete. Die Bevölkerung Roms verringerte sich um die Hälfte, und Papst Clemens VII. war gezwungen, für ein Jahr nach Orvieto zu fliehen. Eine Gegenüberstellung von Portraits Clemens VII. vor und nach dieser Zeit von Sebastiano del Piombe (der dem Papst treu ins Exil folgte) offenbaren in erstaunlicher Weise einen einst stolzen Mann und einen später müden, vorzeitig gealterten Pontifex.

Wenn man nah an die Glasvitrine darunter herangeht, wird man sehen, dass antikirchliche Agitation keine moderne Erfindung ist. Jedes Spiel braucht seinen Spielverderber; Lukas Cranachs Gravierung des Papstes als Antichrist und Roms als Hure Babylons sind eindeutig Vorfahren der ermüdenden Stereotypen in Romanen und dem Fernsehschund der heutigen Zeit.

Rom wurde bei der Plünderung verwüstet, aber die Stadt blieb nicht lange auf den Knien. Die römische Ausstellung muss weitergehen. Dass Papst Paul III. eine schwierige Amtszeit als Papst hatte, wird in einem überraschend einfachen Holzschnitt mit einem von Wellen hin und her geworfenen Schiff offensichtlich; unerschrocken rief dieser Papst das Konzil von Trient zusammen, bei dem er die Jesuiten anerkannte und die in Rom verbliebenen künstlerischen Talente zur Wiederaufrichtung der Stadt bündelte. Das Ergebnis? Das letzte Gericht von Michelangelo (es gibt eine frühe Kopie in der Ausstellung zu sehen, die die um 1564 um der Sittsamkeit willen hinzugefügten Draperien vordatiert).

Die Show pausiert für einen Moment, um die Spiritualität Michelangelos in dieser Zeit zu betrachten. Gezeigt werden zwei Werke, die er für Kardinal Reginald Pole und seinen geliebten Freund Vittoria Colonna anfertigte. Das Gemälde der Pietà und die überwältigende Kreuzigung enthüllen einen Mann, der dem Glauben seiner Zeit tief verbunden war.

Die Ausstellung endet mit der Zeit des Manierismus, dem Vermächtnis der großen Errungenschaften der Hochrenaissance. Groß und dramatisch, aber auch laut und fröhlich wie eine Party, die etwas zu lange andauerte. Nach den Genüssen der Hochrenaissance bereitet dieser letzte Raum einen bittersüßen Abschied.

*Elizabeth Lev unterrichtet christliche Kunst und Architektur auf dem italienischen Campus der Duquesne University und am katholischen Studien Programm von St. Thomas. Ihr Buch „The Tigress of Forlì: Renaissance Italy's Most Courageous and Notorious Countess, Caterina Riario Sforza de' Medici“ wurde diesen Herbst von Harcourt, Mifflin Houghton Press herausgegeben.

[Übersetzung aus dem Englischen von Anna Finkbeiner]