Renovierung des Pfarrhauses "Mutter aller Pfarreien von Amman"

Die erste Pfarrei der jordanischen Haupstadt liegt im ärmsten Viertel der Innenstadt von Amman

Jerusalem, (Lateinisches Patriarchat) | 374 klicks

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem hat gerade vor ein paar Monaten die Renovierungsarbeiten des Pfarrhauses der ältesten und größten Pfarrei in Amman in Misdar dank der Spenden des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem abschließen können. Werfen wir einem genaueren Blick auf die Christkönigskirche, „die Mutter aller Pfarreien von Amman“.

Die Pfarrei Al Misdar ist die erste und einer der größten Pfarreien in Amman. Sie wurde 1924 gegründet. Ihre Kirche, Christkönig gewidmet, wurde 1928 erbaut und das aktuelle Pfarrhaus, das sich im hinteren Teil befindet, geht auf das Jahr 1952 zurück. Laut des aktuellen Pfarrers, Riad Hejazin, wurde das Haus seither nie ernsthaft renoviert und so war dies nun dringend notwendig geworden. Die Bauarbeiten, die sich um sechs Monate verzögerten, konnten zum Jahresende 2012 abgeschlossen werden. Dank der Hilfe des Ritterordens vom Heiligen Grab konnte das Team des Lateinischen Patriarchats das gesamte Pfarrhaus, innen und aussen, samt der Erneuerung des Elektro- und Heizung-Systems, eines neuen Wasser-Versorgung-Systems, des Baus eines neuen Schlaf- und Badezimmers im zweiten Stock, Wartungsarbeiten und kompletter Erneuerung des Bodenbelags sanieren. Das Pfarrhaus kann nun auch Gäste beherbergen, die zu Besuch in die aus mehr als 800 Familien bestehende Pfarrei kommen.

Fast 90 Jahren seit ihres Bestehens

Amman, bekannt aus der Bibel als Ammon, war im alten Testament für seine Quellen berühmt. Und gerade wegen dieser Süß- wasserquellen waren die Christen in diese Region gekommen. 1890 kam Pater Youssef, ein maronitischer Priester, aus Salt (westlich von Amman), um den Kindern während ihrer religiösen Erziehung die Grundlagen von Lesen und Schreiben beizubringen. Zu dieser Zeit gab es noch kein Gebäude.Die erste offizielle Pfarrgemeinde wurde 1924 gegründet, die Kirche und die Schule entstanden vier Jahre später im Jahre 1928. Mit der Gründung der Pfarrei und dem Bau der Kirche schlossen sich andere lokale Christen aus benachbarten Regionen an. Nach 1948 und 1967 vergrößerte sich die Pfarrei, um Platz für die vielen Flüchtlinge – Christen aber auch Muslime- , die in die Region kamen, aufnehmen zu können. Dies führte zu einer großen Pfarrei, die im Laufe der Jahre wuchs und zu einem beliebten Einwanderungsgebiet bzw. Zwischenstopp, um hier auf die nötigen Dokumente für die Auswanderung in andere Länder zu warten, geworden ist.

Das Pfarrhaus der Christkönigskirche war bis Ende 1960 der Sitz des Vikariats, bis dieses dann nach Webdeh zog. Später dann, mit dem Bau des neuen Bischofssitzes, der Kathedrale und der Büros im Jahr 1998, zog das Vikariat nach Sweifyeh um. Misdar ist aber auch heute noch die Mutterkirche von Amman, die zum Enstehen zwölf neuer Pfarreien beigetragen hat.

Eine multikulturelle Gemeinschaft im ärmsten Stadtteil von Amman

Heute besteht die Gemeinde von Misdar aus einer Bevölkerung von katholischen und orthodoxen Christen (Lateiner, Maroniten, Melkiten, Syrer, Armener, Kopten, Griechischen, Chaldäer) und von einer wachsenden Anzahl von Muslimen, die die Mehrheit sein werden.

Laut Pfarrer Riad Hejazin „gibt es derzeit ca. 2500 Gemeindemitglieder.“ „Aber“, fügt er hinzu, „diese Nummer sinkt aufgrund interner Migration. Die Pfarrei liegt im ärmsten Viertel der Innenstadt von Amman, mit alten Häusern und niedrigen Löhnen; die Mehrheit der Bevölkerung von Misdar lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Mehrheit der Mittelschicht verlässt diesen Stadtteil, sobald sie genug gespart haben, um in andere Stadtteile im westlichen Teil von Amman oder nach Fuheis zu ziehen. Die Armut bleibt „eines der größten Probleme unserer Pfarrei“ bedauert der Pfarrer. „Diese kann dazu führen, die christliche Moral zu verlieren oder auch dazu, die Religion zu wechseln“, sagt er mit Sorge.

Seit 1991 lassen sich auch viele Einwanderer aus dem Irak in Misdar nieder. „Es gibt jetzt eine beträchtliche Anzahl von Personen aus dem Irak und aus Syrien“. So gibt es inzwischen auch einen irakisch chaldä-ischen Priester in der Pfarrei, der sie Sonntagsmesse in der Pfarrkirche hält.

Amélie de La Hougue 

(Quelle: Lateinisches Patriarchat von Jerusalem, 11/06/2013)