Richeza (um 1000-1063)

Klostergründerin

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 333 klicks

Richeza wurde Ende des 10. Jahrhunderts geboren. Sie war eine Tochter des Pfalzgrafen von Lothringen Ezzo (954-1034) und mit dem ottonischen Kaiserhaus verwandt. 1013 wurde sie mit Miesko, einem Sohn des polnischen Königs Boleslaw (965/976-1025) verheiratet. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, die wie Richeza eine umfassende und religiös ausgerichtete Erziehung erhielten. Richezas Mann, Miesko II., starb bereits 1034. Innenpolitische Streitigkeiten zwangen die junge Witwe schließlich zur Flucht ins Heilige Römische Reich.

1048 ließ Richeza Kloster und Kirche der Abtei Brauweiler errichten. Die Abtei Brauweiler geht auf eine Stiftung ihrer Eltern, dem Pfalzgrafen Ezzo und seiner Frau Mathilde (979-1025), einer Tochter Ottos II. (955-983), im Jahr 1024 zurück. Die von ihren Eltern gestiftete Kirche war den Heiligen Nikolaus und Medardus geweiht. Die von Richeza in Auftrag gegebenen Arbeiten wurden 1061 vollendet. 1135 wurden weitere Baumaßnahmen vorgenommen, die bis 1200 andauerten und der Abtei ihr heutiges Aussehen verliehen. Weitere Veränderungen erfolgten in der Barockzeit.

Richeza starb am 21. März 1063 auf ihrem Gut in Saalfeld, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbracht hatte. Eigentlich hätte sie in der Familiengrablege in Brauweiler ihre letzte Ruhestätte finden sollen, doch wurde sie im Kölner Stift Maria ad gradus. 1817, als das Stift aufgelöst wurde, wurden ihren sterblichen Überreste in den Kölner Dom überführt, wo sie heute noch in der Johanneskapelle in einem schlichten Holzsarkophag ruhen.

Die von Richeza zeitlebens geförderte Abtei Brauweiler wurde 1547 zur Reichsabtei ernannt. Im Zuge der Säkularisation wurde sie 1802 aufgehoben. Seit 1809 dienten die Gebäude auf Beschluss Napoleons als Bettleranstalt, ab 1815 als Arbeitsanstalt. 1873 wurde die Abtei Teil des heutigen Landschaftsverbandes Rheinland. 1933 wurden die Räumlichkeiten, die seit 1920 von der Kölner Justizverwaltung angemietet waren, für ein Jahr als Konzentrationslager genutzt. 1941 diente das Zellengebäude der Kölner Gestapo als Gefängnis. Von 1945 bis 1949 wurden in dem Komplex verschleppte Ausländer untergebracht. Nach dem Krieg folgten weitere Umwidmungen: 1949 richtete sich die „Rheinische Landesarbeitsanstalt“ in dem ehemaligen Kloster ein, 1969 eine Fachklink für Psychiatrie und Neurologie, die 1979 geschlossen wurde. In den folgenden Jahren wurden umfassende Renovierungsmaßnahmen an dem Baubestand durchgeführt. Seit 1985 wird die Abtei Brauweiler als Sitz des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, des Rheinischen Archiv- und Museumsamtes mit Restaurierungswerkstätten und der Rheinland-Verlags- und Betriebsgesellschaft genutzt.