"Rogito": Zum heiligen Gedächtnis an Johannes Paul II.

Zusammenfassung seines Lebens und Wirkens auf Pergament

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ROM, 11. April 2005 (ZENIT.org).- Wir dokumentieren den "Rogito"-Text, der das Leben und Wirken von Johannes Paul II. zusammenfasst und als Grabbeigabe die Nachwelt von seinen Taten unterrichten wird. Der lateinische Originaltext wurde zusammen mit einer italienischen Übersetzung vom Heiligen Stuhl am Begräbnistag (8. April) herausgegeben. ZENIT veröffentlicht eine deutsche Übersetzung und das Original.



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HEIMGANG, AUFBAHRUNG UND BEGRÄBNIS
JOHANNES PAULS II. SELIGEN ANGEDENKENS




Im Licht Christi, der von den Toten auferstandenen ist, ging unser vielgeliebter Hirte der Kirche, Johannes Paul II., am 2. April im Jahre des Herrn 2005 um 21.37 Uhr abends, während sich der Samstag dem Ende zuneigte und bereits der Tag des Herrn, Osteroktav und Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, angebrochen war, von dieser Welt zum Vater über. Die ganze Kirche begleitete seinen Übergang im Gebet, insbesondere die Jugendlichen.

Johannes Paul II. war der 264. Papst. Sein Gedächtnis ruht im Herzen der Kirche und der ganzen Menschheit.

Karol Wojtyła wurde am 16. Oktober 1978 zum Papst gewählt. Er wurde am 18. März 1920 in Wadowice, einer 50 km von Krakau entfernt gelegenen Stadt, geboren und erhielt zwei Tage später aus den Händen des Priesters Francesco Zak in der Pfarrkirche die Taufe. Im Alter von 9 Jahren empfing er die erste heilige Kommunion, mit 18 Jahren das Sakrament der Firmung. Da die nationalsozialistische Besatzungsmacht die Universität geschlossen hatte, musste er sein Universitätsstudium abbrechen und in einem Steinbruch arbeiten, anschließend in der Chemiefabrik Solvay.

Ab dem Jahr 1942 besuchte er, da er in sich die Berufung zum Priestertum verspürte, die Bildungskurse im geheimen Seminar von Krakau. Am 1. November 1946 erhielt er aus den Händen von Kardinal Adam Sapieha die Priesterweihe. Danach wurde er nach Rom gesandt, wo er mit einer Doktorarbeit mit dem Titel "Doctrina de fide apud Sanctum Ioannem a Cruce" das Lizenziat und das Doktorat in der Theologie erwarb.

Er kehrte nach Polen zurück, um sich verschiedenen seelsorglichen Aufgaben und dem Unterricht der heiligen Glaubenslehre zu widmen. Am 4. Juli 1958 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Weihbischof von Krakau. 1964 wurde er von Paul VI. zum Erzbischof von Krakau bestellt. Als solcher nahm er am II. Vatikanischen Konzil teil. Paul VI. kreierte ihn am 26. Juni 1967 zum Kardinal.

Auf dem Konklave wurde er am 16. Oktober 1978 von den Kardinälen zum Papst gewählt und nahm den Namen Johannes Paul II. an. Am 22. Oktober, dem Tag des Herrn, trat er sein Petrusamt feierlich an.

Das Pontifikat von Johannes Paul II. war eines der längsten in der Geschichte der Kirche. In vielerlei Hinsicht war diese Periode von vielen Veränderungen geprägt. Man erfuhr einen Regime-Zusammenbruch, zu dem er selbst beigetragen hatte. Zur Verkündigung des Evangeliums unternahm er viele Reisen in verschiedene Nationen.

Johannes Paul II. versah den Petrusdienst mit unermüdlichem Missionseifer und setzte all seine Kräfte ein zur "sollicitudo omnium ecclesiarum" ["Sorge um alle Kirchen/Gemeinden", Anm. d. Redaktion] und zur Caritas, die für alle Menschen offen ist. Mehr als seine Vorgänger kam er mit dem Volk Gottes und den Regierungsvertretern bei Feierlichkeiten, General- und Privataudienzen und Pastoralvisiten zusammen.

Seine große Liebe zur Jugend führte ihn dazu, die Weltjugendtage ins Leben zu rufen, zu denen er Millionen von Jugendlichen aus verschiedenen Teilen der Welt zusammenrief.

Erfolgreich trieb er den Dialog mit den Juden und den Vertretern der anderen Religionen voran, indem er unter anderem Gebetstreffen für den Frieden einrief, unter anderem in Assisi.

Er vergrößerte das Kardinalskollegium, indem er 231 Kardinäle (und einen Kardinal "in pectore") kreierte. Er berief 15 Versammlungen der Bischofssynode, davon 7 ordentliche und 8 besondere. Er errichtete zahlreiche Diözesen und Verwaltungsbezirke, besonders in Osteuropa.

Er reformierte den Kodex des Kanonischen Rechts in West und Ost, errichtete neue Institutionen und reorganisierte die Römische Kurie.

Als "sacerdos magnus" übte er in vollkommener Treue zum II. Vatikanischen Konzil seinen liturgischen Dienst in der Diözese Rom und auf der ganzen Welt aus. Auf beispielhafte Weise förderte er das liturgisches Leben und die liturgische Spiritualität sowie das kontemplative Gebet, vor allem die eucharistische Anbetung und das Gebet des heiligen Rosenkranzes (vgl. Apostolisches Schreiben "Rosarium Virginis Mariae").

Unter seiner Führung ging die Kirche dem dritten Jahrtausend entgegen und feierte das Große Jubiläum des Jahres 2000 gemäß den Leitlinien seines Apostolischen Schreibens "Tertio millennio adveniente", in dem er den Gläubigen den Weg in die Zukunft wies.

Mit dem Jahr der Erlösung, dem marianischen Jahr und dem Jahr der Eucharistie förderte er die spirituelle Erneuerung der Kirche. Er gab den Selig- und Heiligsprechungen einen außerordentlichen Impuls, um durch unzählige Vorbilder der Heiligkeit der Gegenwart die Menschen der heutigen Zeit anzuspornen. Die heilige Theresa vom Kinde Jesu erklärte er zur Doktorin der Kirche.

Das Lehramt von Johannes Paul II. ist sehr reich. Als Bewahrer der Glaubenslehre setzte er sich weise und mutig ein, um die katholische Lehre auf dem Gebiet der Theologie, der Moral und der Spiritualität zu fördern und während seinem ganzen Pontifikat den Strömungen, die der authentischen Tradition der Kirche widersprechen, entgegenzuwirken.

Zu seinen wichtigsten Schreiben gehören 14 Enzykliken, 15 Apostolische Exhortationen, 11 Apostolische Konstitutionen, 45 Apostolische Schreiben sowie die Katechesen der Generalaudienzen und seine Ansprachen in der ganzen Welt. Mit seinem Lehrberuf bestärkte und erleuchtete Johannes Paul II. das Volk Gottes in der theologischen Lehre (vor allem in den ersten drei großen Enzykliken "Redemptor hominis", "Dives in misericordia" und "Dominum et vivificantem"), in der Anthropologie und der Soziallehre (Enzykliken "Laborem exercens", "Sollicitudo rei socialis", "Centesimus annus"), in der Morallehre (Enzykliken "Veritatis splendor", "Evangelium vitae"), der Ökumene (Enzyklika "Ut unum sint"), der Mission (Enzklika "Redemptoris missio") und der Mariologie (Enzyklika "Redemptoris Mater").

Im Licht der Tradition promulgierte er den "Katechismus der Katholischen Kirche", eine maßgebliche Interpretation des II. Vatikanischen Konzils. Er veröffentlichte außerdem einige Bücher als Privatgelehrter.

Sein Lehramt findet im Jahr der Eucharistie in der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" und im Apostolischen Schreiben "Mane nobiscum Domine" seinen Höhepunkt.

Johannes Paul II. hinterließ allen ein wunderbares Zeugnis der Frömmigkeit, des heiligen Lebens und der universalen Vaterschaft.

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(Unterschriften der Bestattungszeugen)

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CORPUS IOANNIS PAULI II P.M.
VIXIT ANNOS LXXXIV, MENSES X DIES XV

ECCLESIAE UNIVERSAE PRAEFUIT
ANNOS XXVI MENSES V DIES XVII

Semper in Christo vivas, Pater Sancte!



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[Deutsche Übersetzung des italienischen Originals durch ZENIT]

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OBITUS, DEPOSITIO ET TUMULATIO
IOANNIS PAULI PP II SANCTAE MEMORIAE



In lumine Christi a mortuis Resurgentis, die II mensis Aprilis anno Domini MMV, hora vicesima prima, triginta septem momentis elapsis, vesperi, cum dies sabbati ad finem vergeret atque ingressi essemus diem Domini, Octavam scilicet Paschalem necnon Dominicam Divinae Misericordiae, Ecclesiae dilectus Pastor, Ioannes Paulus II de hoc mundo ad Patrem demigravit. Eius transitum tota orans Ecclesia est comitata, Iuvenes potissimum.

Ioannes Paulus II ducentesimus sexagesimus quartus fuit Pontifex. Eius memoria in totius Ecclesiae omniumque hominum cordibus manet.

Carolus Wojtyła, qui die XVI Octobris anno MCMLXXVIII Summus Pontifex electus est, Wadowice, in urbe scilicet quae quinquaginta kiliometra abest a Cracovia, die XVIII mensis Maii anno MCMXX natus est atque duobus post diebus in paroeciali Templo a presbytero Francisco Zak baptizatus est.

Novem annos natus Primam Communionem recepit atque duodevicesimum agens annum confirmatus est.

Quibus incumbebat, studiis intermissis, quia nationalis socialismi obsidentes potestates studiorum universitatem clauserant, in lapidicinis ab anno MCMXL ad annum MCMXLIV, et postea in fabrica chemica Solvay opus fecit.

Ab anno MCMXLII, cum se ad sacerdotium vocari sentiret, seminarium clandestinum adiit Cracoviense. Die I mensis Novembris anno MCMXLVI per Cardinalis Adami Sapieha manuum impositionem sacerdotalem ordinationem Cracoviae recepit. Romam posthac missus est, ubi primum licentiam, exinde doctoratum in sacra theologia est consecutus, thesim scribens, cuius titulus Doctrina de fide apud Sanctum Ioannem a Cruce.

Poloniam postea repetiit, ubi quaedam sustinuit officia pastoralia et quasdam disciplinas sacras docuit. Die IV mensis Iulii anno MCMLVIII a Pio XII Episcopus Auxiliaris Cracoviensis constitutus est atque eidem Sedi a Paulo VI Archiepiscopus anno MCMLXIV est destinatus. Ut Archiepiscopus Cracoviensis Concilio Oecumenico Vaticano II interfuit. Paulus VI die XXVI mensis Iunii anno MCMLXVII in Patrum Cardinalium Collegium eum rettulit.

In Conclavi die XVI mensis Octobris anno MCMLXXVIII Summus Pontifex a Patribus Cardinalibus electus est atque ipse sibi nomen imposuit Ioannem Paulum II. Subsequenti die XXII, Dominico die, sollemniter suum Petrinum ministerium incohavit.

Pontificatus Ioannis Pauli II unus ex longissimis in Ecclesiae historia exstitit. Hoc temporis spatio multa sunt commutata variis in provinciis. In his communistarum quarundam nationum regiminum dissolutiones annumerantur, ad quam rem multum contulit ipse Summus Pontifex. Evangelii nuntiandi causa innumera quoque itinera varias in nationes suscepit.

Ministerium Petrinum strenuo suo missionali animo gessit, omnes impendens suas vires, cum sollicitudo omnium Ecclesiarum itemque in cunctos homines caritas eum tenerent. Magis quam antea unquam Dei Populum ac Nationum Potestates, in Celebrationibus, in generalibus peculiaribusque Audientiis atque pastoralibus Visitationibus ipse convenit.

In iuvenes dilectio eum compulit ut Dies Mundiales Iuventutis ediceret, innumeris undique gentium convocatis iuvenibus.

Dialogum cum Hebraeis multisque ceterarum religionum sectatoribus promovit atque earum asseclas nonnumquam convocavit causa pro pace precandi, Asisii potissimum.

Cardinalium Collegium valde auxit, cum eligerentur ab eo ducenti triginta et unus cardinales (et unus in pectore). Quindecim Congressiones Synodorum Episcoporum, scilicet septem generales ordinarias et octo speciales convocavit. Complures Dioeceses ecclesiasticasque Circumscriptiones, praesertim in Europa orientali, constituit. Codicem Iuris Canonici et Codicem Canonum Ecclesiarum Orientalium reformavit Romanamque Curiam denuo composuit.

Sicut “sacerdos magnus” in Romana Dioecesi totoque terrarum orbe sacrae liturgiae ministerium exercuit, erga Concilium Vaticanum II plena servata fidelitate. Peculiarem in modum vitam spiritalitatemque liturgicam necnon comtemplativam orationem, eucharisticam potissimum adorationem sanctique Rosarii precationem promovit (cfr Ep. ap. Rosarium Virginis Mariae).

Summi Pontificis ductu Ecclesia tertio millennio se appropinquavit ac Magnum Iubilaeum anni bismillesimi celebravit, secundum normas ab ipso latas Litterarum apostolicarum Tertio millennio adveniente. Exinde novum aevum eadem est ingressa consilia propositaque recipiens in Litteris apostolicis Novo millennio ineunte significata, quibus futuri temporis iter fidelibus ille demonstrabat.

Per Redemptionis Annum, Marialem Annum et Eucharistiae Annum effecit ut Ecclesia spiritaliter renovaretur. Multum dedit operae beatificationibus et canonizationibus, ut innumera sanctitatis exempla hodiernae aetatis ostenderet, quae incitamento essent qui nunc sunt hominibus. Teresiam a Iesu Infante Ecclesiae Doctorem declaravit.

Doctrinae magisterium luculenter Ioannes Paulus II exercuit. Fidei depositi custos, prudenter animoseque ad catholicam doctrinam, theologicam, moralem spiritalemque provehendam operam navavit et ad arcenda quae verae Ecclesiae traditioni sunt adversa toto Pontificatus tempore sollicite incubuit.

Inter praecipua documenta quattuordecim Litterae encyclicae, quindecim Adhortationes apostolicae, undecim Constitutiones apostolicae, quadraginta quinque Litterae apostolicae, praeter catecheses in generalibus Audientiis ac adlocutiones ubique terrarum habitas, annumerantur. Suam per docendi operam Ioannes Paulus II Dei Populum confirmavit eique theologicam doctrinam (tribus potissimum praecipuis Litteris encyclicis, scilicet Redemptor hominis, Dives in misericordia, Dominum et vivificantem), anthropologicam socialemque (Litteris encyclicis Laborem exercens, Sollicitudo rei socialis, Centesimus annus), moralem (Litteris encyclicis Veritatis splendor, Evangelium vitae), oecumenicam ( Litteris encyclicis Ut unum sint), missiologicam (Litteris encyclicis Redemptoris missio), mariologicam (Litteris encyclicis Redemptoris Mater) tradidit.

Catechismus Ecclesiae Catholicae, sub Revelationis lumine, quam Concilium Vaticanum II insigniter collustravit, ab eo est promulgatus. Quaedam etiam volumina uti privatus Doctor edidit.

Eius magisterium in Litteris encyclicis Ecclesia de Eucharistia et Litteris apostolicis Mane nobiscum Domine, Eucharistiae Anno, attigit fastigium.

Mirabiles pietatis, sanctitatis vitae universalisque paternitatis cunctis hominibus testificationes reliquit Ioannes Paulus II.

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Celebrationum tumulationisque testes

CORPUS IOANNIS PAULI II P.M.
VIXIT ANNOS LXXXIV, MENSES X DIES XV

ECCLESIAE UNIVERSAE PRAEFUIT
ANNOS XXVI MENSES V DIES XVII

Semper in Christo vivas, Pater Sancte!



[Lateinisches Original, herausgegeben vom Heiligen Stuhl]