Rom-Besuch der mexikanischen Bischofskonferenz im Zeichen der Beziehung zwischen Kirche und Staat

Religionsfreiheit ist nach wie vor Hauptanliegen

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ROM, 31. August 2005 (ZENIT.org).- Anlässlich des am Montag begonnenen "Ad-limina"-Besuchs der mexikanischen Bischöfe strahlte "Radio Vatikan" am Dienstag eine Sendung über die Situation der Kirche in Mexiko aus, in der vor allem auf die äußerst delikate Geschichte ihrer Beziehungen mit den staatlichen Behörden eingegangen wurde. Heute blicke die mexikanische Kirche auf eine von "Dramen, Verfolgungen und Märtyrern" geprägte Zeit zurück, hieß es unter anderem.



Die Beziehungen zwischen Kirche und Staat seien seit der von Katholiken und Nicht-Katholiken gleichermaßen befürworteten Unabhängigkeit Mexikos von Spanien im Jahr 1821 problematisch gewesen, denn "die liberalen Revolutionäre ließen nichts unversucht, um den Einfluss der katholischen Kirche in ihrem Land einzudämmen", berichtete "Radio Vatikan".

"Zum offiziellen, unüberwindbaren Bruch kam es 1917, als Mexiko eine Verfassung verabschiedete, die eine Reihe von Unrechtmäßigkeiten begründete: Ordensfrauen, Priestern und Seminaristen wurden die Bürgerrechte aberkannt, die den Katholiken bis dahin gewährte Erziehungs- und Meinungsfreiheit wurde aufgehoben." Als Reaktion auf diese kirchenfeindlichen Maßnahmen formierten sich junge Arbeiter und Studenten und riefen zum Widerstand gegen die Regierung auf.

Krieg der Cristeros (1926-29)

Die bewaffneten Zusammenstöße zwischen katholischen Demonstranten und der Polizei nahmen insbesondere in den Bundesstaaten Bajío, Jalisco und Michoacán an Heftigkeit zu, und im Jahr 1926 eskalierte der Konflikt: Es kam zu einem dreijährigen Krieg zwischen den Regierungstruppen und den so genannten Cristeros, die mit dem Ruf "Viva Cristo Rey" ("Es lebe Christus, unser König") für die Religionsfreiheit kämpften. An die 100.000 Menschen kamen beim Guerillakrieg ums Leben, einige getötete Priester und Laien verehrt die Kirche heute als Märtyrer.

Papst Pius XI. reagierte auf die Kirchenverfolgung in Mexiko mit seiner Enzyklika "Iniquis Afflictisque" vom 18. November 1926, mit der er die "traurigen und ungerechten Umstände", unter denen die mexikanischen Katholiken zu leiden hatten, scharf verurteilte.

Im Jahr 1929 schlossen der Heilige Stuhl und die mexikanische Regierung ein Abkommen, "nachdem man bereits Tausende Opfer zu beklagen hatte – auch unter den Anhängern der Kirche, die ohne jede gesetzlichen Garantien, allein auf die Güte der staatlichen Autoritäten angewiesen, zu überleben suchten", erklärte "Radio Vatikan".

Große Wende im Jahr 1991

Mit Johannes Paul II. kehrte ein frischer Wind in die staatlich-kirchlichen Beziehungen Mexikos ein: Zum Ziel seiner ersten Auslandreise wurde Puebla, eine Stadt nicht unweit von Mexiko Stadt. Dort nahm der Vorgänger von Benedikt XVI. im Januar 1979 an der dritten Generalkonferenz des lateinamerikanischen Episkopats teil. "Radio Vatikan" kommentierte die damals angebrochene Aufbruchszeit folgendermaßen: "Nach Jahrzehnten bitteren Leidens war für die Kirche in Mexiko die Zeit gekommen, um ihre Stimme zu erheben und die gesellschaftliche Problemen beim Namen zu nennen, mit denen das Land inmitten einer schweren wirtschaftlichen und finanziellen Krise zu kämpfen hatte."

Die große Wende ließ allerdings noch bis zum Jahr 1991 auf sich warten, als die mexikanische Verfassung einer Revision unterzogen wurde und die Kirche wieder mit jenen verfassungsmäßig verankerten Rechten ausgestattet wurde, die ihr mehr als ein Jahrhundert lang versagt geblieben waren. Außerdem kam es zu einer Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Mexiko und dem Heiligem Stuhl.

Kirche fordert authentische Religionsfreiheit und bekämpft die Armut

"Die größere Handlungsfreiheit hat es der Kirche in Mexiko trotz einiger noch existierenden Einschränkungen bis heute erlaubt, vor allem in den Bereichen sozialer und individueller Armut tätig zu werden, wie sie für Länder so typisch ist, die ihre Entwicklung mit einer sehr großen, alles durchdringenden Armut in Einklang bringen müssen", so "Radio Vatikan".

Am 10. August dieses Jahres veröffentlichte die mexikanische Bischofskonferenz ein Schreiben, dessen Titel bereits eine der Hauptforderungen der Bischöfe an den heutigen mexikanischen Staat zum Ausdruck bringt: "Für eine echte Religionsfreiheit in Mexiko". In dem Dokument wird betont, dass ein Staat, "dessen Ziel es ist, wahrhaft demokratisch zu sein, nicht ohne den vollen Respekt vor der Religionsfreiheit seiner Bürger auskommen kann". In Mexiko sei die Religionsfreiheit zwar öffentlich anerkannt, "aber mit eindeutigen und ausgeprägten Entbehrungen". Insbesondere kritisieren die Bischöfe diesbezüglich die eingeschränkten Möglichkeiten, den Glauben und generell religiöse Vorstellungen und Überzeugungen zu vermitteln, da der Kirche der Zugang zu bestimmten Medien verwehrt sei. Außerdem verweisen die Bischöfe auf Mängel bei der Erziehungs- und Bildungsfreiheit und fordern die volle Freiheit zur Errichtung religiöser Vereinigungen sowie das Recht, aus Gewissensgründen bestimmten Vorschriften nicht nachkommen zu müssen.

Zu den großen Herausforderungen, denen sich die Kirche in Mexiko heute zu stellen hat, zählen gemäß "Radio Vatikan" die Krise der Familie, die Welt der Jugend und der Rückgang bei den Berufungen, die intensiven Werbefeldzüge von Sekten, die Einwanderung und der Drogenhandel.

90% der 106 Millionen Mexikaner sind Katholiken.