Rom ehrt Papst Pius XII.

Zum 50. Todestag des „Pastor Angelicus”

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ROM, 1. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Am 9. Oktober 1958 verstarb nach einer Krankheit, die seine physischen Kräfte immer mehr aufgezehrt hatte, Papst Pius XII., der „Pastor Angelicus“, der die Kirche in einer Zeit der schwersten Prüfung und des schlimmsten Offenbarwerden des Bösen mutig zu schützen verstand und die Verteidigung der Würde des Menschen in den Mittelpunkt seines Wirkens setzte. Papst Benedikt XVI. wird am Donnerstag, dem 9. Oktober, um 11.30 Uhr in der Petersbasilika einer heiligen Messe zum Gedenken an Pius XII. vorstehen.

Anlässlich seines 50. Todestages werden im Vatikan mehrere wichtige Veranstaltungen organisiert. Die erste in diesem Reigen war die Tagung der jüdischen Stiftung „Pave the Way“ (15.-17. September), in der die Rolle untersucht wurde, die Papst Pius XII. bei der Rettung von Tausenden von Juden gespielt hatte.

Die Organisatoren erhoben ihre Stimme gegen die „schwarze Legende“ über den „Papst Hitlers“ und „Antisemiten Pius XII.“ Veröffentlicht wurde im Rahmen der Tagung eine beeindruckende Dokumentation, die Fotokopien der Dankesschreiben sowie der privaten und öffentlichen Zeugnisse zahlreicher Juden enthält, die dank des Eingreifens des Papstes der Vernichtung entgangen waren („Examining the Papacy of Pope Pius XII“, Pave the Way, New York 2008). Das Buch macht auch einen Artikel Albert Einsteins vom 23. Dezember 1940 aus dem „Time Magazin“ zugänglich, in dem der Physiker schreibt: „Nur die Kirche blieb aufrecht stehen, um den Kampagnen Hitlers zur Unterdrückung der Wahrheit den Weg zu versperren.“ Einstein bekennt, dass er nie ein besonderes Interesse für die Kirche gehegt habe, jetzt aber „große Zuneigung und Bewunderung“ empfinde, da „allein die Kirche den Mut und die Hartnäckigkeit gehabt hat, um auf der intellektuellen Wahrheit und der moralischen Freiheit zu bestehen.“ Und er fügt hinzu: „Ich muss sagen, dass ich das, was ich einst verachtete, jetzt bedingungslos lobe.“

Beim Tod Pius XII., den Golda Meir als einen „großen Diener des Friedens“ bezeichnet hat, schlossen sich der Trauer der Kirche die jüdischen Zeitungen „Zionist Record“, „Jewish Chronicle“, „Canadian Jewish Chronicle“, „Jewish Post“ sowie „American Hebrew“ zusammen mit den Rabbinern von London, Rom, Jerusalem, Frankreich, Ägypten, Argentinien und dem Großteil der jüdischen Vereinigungen an.

Vom 4. November 2008 bis zum 6. Januar 2009 wird man im „Braccio di Carlo Magno“ (Kolonnaden des Peterplatzes) eine vom Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften organisierte und ausgerichtete Fotoausstellung besichtigen können. Sie steht unter dem Thema: „Pius XII.: Der Mensch und das Pontifikat“.

Die Ausstellung präsentiert in chronologischer Form die entscheidenden Schritte im Leben Eugenio Pacellis, angefangen mit seiner Geburt, seiner schulischen und universitären Ausbildung, seiner Priesterweihe und seiner Tätigkeit im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls bis hin zu den entscheidenden Augenblicken seines Pontifikats. Die Schau zeigt auch bisher nicht veröffentlichte Fotografien und Gegenstände aus dem Leben des Papstes.

Die Ausstellung wird im kommenden Jahr zunächst nach Berlin übersiedeln, einst Hauptstadt des Deutschen Reiches, deren Schicksal in besonderer Weise mit Pacelli verbunden ist, und dannach weiter nach München, der ersten Wirkstätte Eugenio Pacellis als Nuntius auf deutschem Bode. Der Katalog zur Fotoausstellung mit weiterführenden wissenschaftlichen Aufsätzen wird zu diesem Anlass auch in deutscher Sprache zur Verfügung stehen.

In Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften organisieren die Päpstlichen Universitäten Gregoriana und Lateranense darüber hinaus einen internationalen Kongress über das Lehramt von Pius XII. Besonders beleuchtet werden seine Vorarbeiten und sein Einfluss auf das Zweite Vatikanische Konzil.

Anliegen dieses Fachkongresses ist es, die reichen Lehren Pius XII. mit den Themen des Konzils in Beziehung zu setzen, um die Kontinuität der Lehre des Konzils mit der Lehre Pius XII. sichtbar zu werden zu lassen. Es soll herausgearbeitet werden, dass der Fortschritt in der kirchlichen Lehre nicht durch „Diskontinuität“ erfolgt, sondern vielmehr durch eine erneuerte Kontinuität. Der Kongress wird vom 6. bis 8. November in Rom stattfinden.

Der Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, Prälat Prof. Dr. Walter Brandmüller, erklärte, dass die Arbeiten seines Komitees darauf abzielten, die wahre Dimension des Petrusamtes Pius XII. in den Mittelpunkt zu stellen. Sie bestehe darin, „oberster Hirte“ zu sein – in der Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums und der geistlichen Führung der Kirche. Dies entspreche dem Selbstverständnis Pius XII.

Das Pontifikat des Pacelli-Papstes ist nach Worten Brandmüllers durch die Ausübung des kirchlichen Lehramtes charakterisiert gewesen. Es habe sich sowohl durch seine Bandbreite und thematische Aktualität, als auch durch die Tiefe seines theologischen Denkens ausgezeichnet.

Von Armin Schwibach