Rom: Kapelle „San Silvestro“ im Gebäudekomplex der „Scala Santa“ erstrahlt in neuem Glanz

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ROM, 20. Juni 2007 (ZENIT.org).- Am 12. Juni wurde die restaurierte Kapelle „San Silvestro“ im Gebäudekomplex der „Heiligen Stiege“ (Scala Santa) neben der Lateranbasilika der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich dabei um den ersten wichtigen Schritt, um den wertvollen sixtinischen Fresko-Zyklus in der Scala Santa von neuem in seinem alten Glanz leuchten zu lassen.



Bei der Vorstellung der Restaurierungsarbeiten kam unter anderem auch der Direktor der Vatikanischen Museen, Dr. Francesco Buranelli, zu Wort.

Das Heiligtum der Scala Santa entwickelte sich neben der Basilika des heiligen Johannes im Lateran, der Bischofskirche von Rom, nach der Bekehrung Kaiser Konstantins im vierten Jahrhundert und der Schenkung seines Palastes an die Kirche von Rom als deren Bischofssitz. Zwischen 1585 und 1590 ließ Papst Sixtus V. das alte Gebäude abreißen und gab ein eindrucksvolles Neubauprojekt in Auftrag, das von Domenico Fontana verwirklicht und mit einem Fresko-Zyklus ausgestattet wurde, um die Bedeutung für die Frömmigkeit und die Kunst des „Sancta Sanctorum“, der ersten päpstlichen Kapelle des Mittelalters, hervorzuheben, das die wertvolle Ikone mit dem „Christus Acheropita“ beherbergt. Ein „Acheiropoíeton“ ist ein Kultbild oder eine besondere Ikone, die der Überlieferung nach nicht von Menschen geschaffen sein soll, sondern von Gott zum Geschenk gemacht wurde.

Im Heiligtum wird der Überlieferung nach die „Heilige Stiege“ aufbewahrt. Dabei handelt es sich um jene Treppe des Palastes von Pontius Pilatus, auf der Jesus nach seinem Prozess vor dem Hohen Rat zum römischen Statthalter hinaufgegangen ist und die von der heiligen Helena, der Mutter Konstantins, nach Rom gebracht wurde. Heute gehen die Pilger die Stiege auf Knien und ins Gebet vertieft hinauf, um Buße zu tun und von Gott Gnaden zu erbitten. In die mit Holz verkleidete Stiege sind an bestimmten Stellen Glasfenster eingelassen, durch die jener Marmor zu sehen ist, der vom Blut Christi genässt wurde.

Das Restaurierungsprojekt wurde von der römischen Spezialistengruppe „Studio 3 Restauro Opere d’Arte“ geleitet und von der „Getty Foundation“ finanziert. An dem Projekt arbeiteten die Vatikanischen Museen sowie die Passionistenpatres mit. Ihrer Kongregation hatte der selige Papst Pius IX. die Verantwortung für das Heiligtum der Scala Santa übertragen.

Der Fresken-Zyklus des Heiligtums wurde im Jahr 1590 vollendet und stellt das letzte große Kunstwerk des 16. Jahrhunderts in Rom dar. Er wurde von Carlo Nebbia und Giovanni Guerra ausgeführt. Seine Verwirklichung in nur zwei Jahren ist der Mitarbeit einer großen Gruppe von Künstlern zu verdanken. Unter ihnen befand sich auch der Flame Paul Bril. Bril führte durch seinen Beitrag das Genre der Landschaftsmalerei in einem sakralen Raum in die römische Malkunst der damaligen Zeit ein.

Nach einem seit dem Jahr 2002 durchgeführten Plan, entsprechend dem alle bemalten Oberflächen analysiert wurden, kam es dazu, dass die Priorität eines Eingriffs in der Kapelle „San Silvestro“ erkannt wurde. Nach 13 Monaten intensiver Restaurierungsarbeiten der Wanddekorationen, des Marmorportals sowie der Stucke konnte ihr endlich der ursprüngliche Glanz wiedererstattet werden.

Im Lauf der Jahrhunderte hatten sich Staub und die von der Kerzenbeleuchtung hervorgerufene schwarze Patina stratifiziert und die Fresken fast unsichtbar gemacht. Dazu kam, dass während einer vorhergehenden Restaurierung im 19. Jahrhundert Materialien verwendet wurden, die die Fresken zunächst belebten, sich dann aber mit dem Kerzenruß vermischten und die Bilder fast gänzlich darunter verbargen.

In den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts beschloss eine Gruppe von Historikern, sich näher mit der Malerei des päpstlichen Roms des 16. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Dies führte dann zu dieser neuen außerordentlichen Restaurierungsarbeit, der es zu verdanken ist, dass die ursprünglichen Farbschattierungen wieder sichtbar wurden.

Die Restaurierung fand ihren Abschluss mit einem Eingriff auf das hölzerne Chorgestühl und auf die Ausstattung der „Cappellina dell’Addolorata“.

Der Rektor des Heiligtums der Scala Santa, P. Constantino Pablo Lorenzo, bekräftigte, dass die Kapelle der wichtigste Ort im Leben des Heiligtums ist. Für die Ordensmänner der Gemeinschaft sei sie Stätte des Gebets, wo das Stundengebet gebetet werde. Nach der Restaurierung müsse allerdings über die künftige Funktion der Kapelle entschieden werden. Sie soll zum einen weiterhin den Passionisten dienen; gleichzeitig müsste es den Gläubigen ermöglicht werden, die außerordentlichen Kunstwerke zu bewundern.