Rom und Moskau waren sich noch nie so nah

Patriarch Kyrill betont gemeinsames Eintreten der katholischen und orthodoxen Kirche für die Verteidigung von christlicher Kultur und ethischen Werten

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MOSKAU, 24. Juli 2012 (ZENIT.org) – Die römisch-katholische und die russisch-orthodoxe Kirche hätten gemeinsame Werte, und man müsse zur Kenntnis nehmen, dass sich die Beziehungen zwischen den beiden Kirchen erheblich gebessert hätten.

So äußerte sich der Patriarch von Moskau, Kyrill, am vergangenen Sonntag bei seinem Treffen im Danilow-Kloster mit dem italienischen Premierminister Mario Monti, der sich derzeit auf einem amtlichen Besuch in Moskau befindet.

Die traditionell guten Verhältnisse zwischen Italien und Russland seien in erster Linie auf „unsere gemeinsame Angehörigkeit zum christlichen Wertesystem“ zurückzuführen, „welches die Basis der Gesetze und der Kultur unserer Länder bildet“, so der Moskauer Patriarch.

„Ich glaube, dass diese Quelle unserer Kultur, unserer Philosophie und unseres Sozialwesens weitgehend die Denkweisen der Russen wie der Italiener geprägt hat“, fügte Kyrill hinzu.

Der oberste Vorsteher der russischen Kirche erwähnte auch den wachsenden Strom von russischen Pilgern, die Jahr für Jahr Wallfahrtstätten in Italien besuchen. „Indem sie die Heiligtümer und Kultstätten Italiens besuchen, lernen die orthodoxen Russen die Spiritualität des italienischen Volkes und seine religiöse Kultur kennen. Dabei spüren sie eine geistige Verwandtschaft. Ich vermute, dass Italien nach dem Heiligen Land das meistbesuchte Ziel der russischen Pilger ist“.

Zur internationalen Wirtschaftskrise äußerte der Patriarch seine Überzeugung, dass „neben den rein fachlichen Ursachen für die Krise auch wichtige moralische Ursachen bestehen. Diese ethische und geistige Dimension der heutigen Krise ist es, die uns am meisten Sorgen bereitet“. Ein weiteres Thema, zu dem sich der höchste Würdenträger der russisch-orthodoxen Kirche äußerte, ist die Anwesenheit zahlreicher orthodoxer Christen in Italien, wo das Moskauer Patriarchat 55 Pfarreien besitzt. Patriarch Kyrill brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass diesen Gemeinden die größtmögliche seelsorgerische Aufmerksamkeit zuteilwerden könne und dass ihnen der Platz anerkannt werde, der ihnen neben den anderen Glaubensgemeinschaften Italiens zukomme.

Der Moskauer Patriarch erwähnte die Besserung der ökumenischen Beziehungen mit der katholischen Kirche. „In vielen Punkten stimmen unsere Ansichten überein, besonders in den seelsorgerischen Fragen, die den modernen Menschen betreffen.“

Kyrill betonte erneut seine Unterstützung für den gerichtlichen Kampf, den Italien für den Verbleib des Kreuzes in den Schulen und in anderen öffentlichen Gebäuden führt: „Es freut uns sehr, dass der Europäische Gerichtshof in Straßburg das Urteil ersten Grades annulliert hat, das die religiösen Gefühle so vieler Menschen verletzte.“

Der Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche sei nach wie vor wichtig, um die gemeinsamen ethischen Prinzipien zu verteidigen, ohne die jede menschliche Zivilisation zerbrechlich werde.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]