Rosafarbene Messgewänder am dritten Adventssonntag

Aufhellung der violetten Farbe als Signal für die "Halbzeit"

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 345 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Ich habe immer gesehen, dass der Priester am Gaudete-Sonntag, dem dritten Adventssonntag, ein rosa Messgewand trug. Doch unser Pfarrer hat uns informiert, dass diese Praxis abgeschafft worden sei und dass es deshalb im Advent keine rosa Messgewänder oder Kerzen in dieser Farbe mehr gebe. Ein Priester, der bei uns am darauffolgenden Sonntag zu Besuch war, trug sie aber doch, und als ich ihn daraufhin angesprochen habe, bestand er darauf, dass die Praxis nie geändert worden sei. -- RL, Frederick, Maryland (USA)

P. Edward McNamara: Von unserem Leser aus Maryland und von anderen Lesern haben uns Fragen in Bezug auf das rosa Messgewand erreicht, das am Gaudete-Sonntag im Advent und am Laetare-Sonntag in der Fastenzeit getragen wird. Die ausschlaggebenden Vorschriften zum Gebrauch liturgischer Farben findet man in der Grundordnung des Römischen Messbuchs (Nr. 346). Dort heißt es:

„Was die Farbe der liturgischen Gewänder betrifft, ist der überlieferte Brauch beizubehalten:

a) Die weiße Farbe wird gebraucht in der Tagzeitenliturgie und in den Messen der Oster- und Weihnachtszeit; darüber hinaus an den Feiern des Herrn mit Ausnahme jener seines Leidens; an den Feiern der seligen Jungfrau Maria, der heiligen Engel, der Heiligen, die nicht Märtyrer sind; an den Hochfesten Allerheiligen (1. November) und des heiligen Johannes des Täufers (24. Juni), an den Festen des heiligen Johannes des Evangelisten (27. Dezember), der Kathedra Petri (22. Februar) und der Bekehrung des heiligen Paulus (25. Januar).

b) Die rote Farbe wird gebraucht am Palmsonntag und am Freitag der Heiligen Woche (Karfreitag), am Pfingstsonntag, in den Feiern vom Leiden des Herrn, an den Festtagen der Apostel und Evangelisten und bei den Feiern der heiligen Märtyrer.

c) Die grüne Farbe wird gebraucht in der Tagzeitenliturgie und in den Messen der Zeit im Jahreskreis.

d) Die violette Farbe wird gebraucht in der Advents- und Fastenzeit. Sie kann auch in der Tagzeitenliturgie und in den Messen für die Verstorbenen genommen werden.

e) Die schwarze Farbe kann, wo es Brauch ist, in den Messen für die Verstorbenen verwendet werden.

f) Die rosa Farbe kann, wo es Brauch ist, am Gaudete-Sonntag (3. Adventssonntag) und am Laetare-Sonntag (4. Fastensonntag) verwendet werden.

g) An Tagen von besonderer Festlichkeit können festliche oder edle liturgische Gewänder verwendet werden, auch wenn sie nicht in der Tagesfarbe sind.“

Wir können zwei Anmerkungen aus der Instruktion Redemptionis Sacramentum hinzufügen.

Unter Nr. 121 heißt es dort: „Die verschiedenen Farben der sakralen Gewänder sollen den besonderen Charakter der jeweils gefeierten Glaubensmysterien und den Weg des christlichen Lebens im Verlauf des liturgischen Jahres auch äußerlich wirksam verdeutlichen. Die Verschiedenheit der Dienste wird in der Feier der Eucharistie äußerlich durch verschiedene sakrale Gewänder verdeutlicht. Diese sakralen Gewänder sollen zugleich den festlichen Charakter der heiligen Handlung hervorheben.“

Unter Nr. 127 wird hervorgehoben: „In den liturgischen Büchern wird die besondere Befugnis gegeben, an den höchsten Feiertagen besonders festliche und prunkvolle sakrale Gewänder zu verwenden, auch wenn sie nicht der Tagesfarbe entsprechen. Diese Befugnis, die sich auf Gewänder bezieht, welche vor vielen Jahren hergestellt wurden und zum Gut der Kirche gehören, das bewahrt werden muss, wird aber in unangebrachter Weise auf neue Gewohnheiten ausgeweitet, so dass die überlieferten Bräuche abgelegt werden, Formen und Farben nach eigenem Geschmack zur Anwendung kommen und der Sinn dieser Norm zum Schaden der Tradition entstellt wird. Wenn es angebracht ist, können an einem Festtag goldene oder silberne sakrale Gewänder jene mit einer anderen Farbe ersetzen, nicht aber solche, die violett oder schwarz sind.“

All das zeigt, dass die Gewohnheit, nach der an den Sonntagen Gaudete und Laetare Messgewänder in rosa Farbe benutzt werden, wo immer dies möglich ist, beibehalten wird.

Wenn eine Pfarrei nicht über Messgewänder in rosa Farbe verfügen sollte, wird üblicherweise die Farbe violett benutzt.

Die Worte „Gaudete“ und „Laetare“ sind der traditionellen Eingangsantiphon entnommen, die bei diesen Messen gesungen wird. Beides kann man mit „Freuet euch“ übersetzen. Man verweist so auf die Bedeutung des Themas der christlichen Freude, die auch in Zeiten, die einen gewissen Bußcharakter aufweisen, ihren Platz hat, was sich in den Gebetsformeln und den Lesungen dieser beiden Sonntage widerspiegelt (in der Adventszeit handelt es sich eher um eine Zeit der inneren Vorbereitung und nicht so sehr – wie in der Fastenzeit – um eine Zeit der Reue).

Es gibt aber in Bezug auf die liturgischen Farben Raum für gerechtfertigte Ausnahmen. So kann zum Beispiel die Bischofskonferenz den Heiligen Stuhl um Erlaubnis bitten, andere liturgische Farben zu wählen, sofern der Symbolismus der traditionellen Farben missverstanden werden könnte – was vor allem in Missionsgebieten möglich ist.

Zum Beispiel ist in einigen asiatischen Ländern Weiß die traditionelle Farbe der Trauer und besitzt dort, wie das in der westlichen Welt vorherrschend der Fall ist, keine feierliche Konnotation. In solchen Fällen können die Bischöfe den Vorschlag machen, an Festtagen die für die dortige Kultur traditionell festlichen Farben zu verwenden.

Obwohl Blau nicht zu den offiziellen liturgischen Farben gehört, besitzen einige Länder wie Spanien sowie verschiedene marianische Wallfahrtsorte das Privileg, an marianischen Festen wie der Unbefleckten Empfängnis blaue Messgewänder zu verwenden. Es handelt sich dabei um Gewänder, die aus blauem Stoff hergestellt sind, und nicht etwa um weiße oder silberfarbene Gewänder, auf die blaue Einsätze oder Marienmotive appliziert sind (weswegen letztere überall benutzt werden dürfen).

Historisch betrachtet, scheint es, dass alle Messgewänder bis zum siebten Jahrhundert weiß gewesen sind. Um die Zeit Papst Innozenz III. (gestorben 1216) gab es dann schon die vier Hauptfarben (rot, weiß, schwarz und grün) sowie die drei Farben von sekundärer Bedeutung (gelb, rosa und violett). Doch bis ins Jahr 1550, als der gegenwärtige Usus zur Norm wurde, gab es keine allgemeinen Richtlinien für den Gebrauch der verschiedenen Farben.

Wie es in der Instruktion „Redemptionis Sacramentum“ heißt (siehe oben: Nr. 121), will man mit dem Gebrauch der unterschiedlichen Farben den besonderen Charakter der verschiedenen Glaubensgeheimnisse ausdrücken. Außerdem weisen die Farben in pädagogischer und symbolischer Weise auf die verschiedenen liturgischen Feste und Zeiten hin.

Die weiße Farbe ist demnach ein Symbol für das Licht und die Reinheit; Farben wie Gold und Silber sind als besonders festliche Variante der weißen Farbe zu verstehen. Die rote Farbe ist Abbild für das Feuer des Heiligen Geistes sowie für das Blut der Passion und des Martyriums. Grün ist die symbolische Farbe der Hoffnung und der Gelassenheit.

Die violette Farbe steht für Trauer und eine Haltung der Reue. Sie hat die schwarze Farbe, die bei Beerdigungen üblich war und auch weiterhin benutzt werden darf, größtenteils ersetzt. Die rosa Farbe, die von jeher selten benutzt wurde, soll durch die Signalwirkung einer ungewohnten Farbe daran erinnern, dass in der Zeit der Vorbereitung und Reue die „Halbzeit“ erreicht ist.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem italienischen Artikel http://www.zenit.org/it/articles/i-paramenti-rosa-nella-terza-domenica-di-avvento