Rosenregen im Pantheon

Feuerzungen ließen sich nieder

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 587 klicks

Sieben Säcke feuerroter Blütenblätter rieselten aus der 43 Meter hohen Lichtöffnung im Zenit der Kuppel auf die Gläubigen herab. Wie rote Feuerzungen tanzten sie im Strahl des Sonnenlichts: Mit lautem Beifall wurde auch in diesem Jahr der Beginn des Rosen-Regens im römischen Pantheon begrüßt. Während die extra für dieses Spektakel herbeigeströmten Zuschauer dichtgedrängt und mucksmäuschenstill in der Kirche das Ende der Pfingstmesse abgewartet hatten, gab es jetzt kein Halten mehr: Entzückt wurden die Millionen von Blütenblättern begrüßt, photographiert und natürlich aufgesammelt.

Die Klänge des „Veni creator spiritus“, dem Heilig-Geist-Hymnus, der an dieser Stelle ertönt, gehen in der allgemeinen Bewegung unter.

Feuerzungen symbolisieren diese Rosenblüten, die sich am Pfingstfest auf den Aposteln verteilten: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geiste erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab" (Apg 2,3-4).

Dem Kaplan der Kirche, Msgr. Don Antonio Tedesco, der seit 1995 diese mittelalterliche Tradition wiederbelebt hat, ist es zu verdanken, dass man die eindrucksvolle Zeremonie hier wieder alljährlich am Pfingstsonntag erleben kann.

Der einstmals allen Göttern gewidmete heidnische Tempel, seit 608 in kirchliches Eigentum übergegangen und von Papst Bonifatius IV. am 13. Mai 609 Maria und allen Märtyrern geweiht, bietet mit seiner 43 Meter hohen und ebenso breiten Kuppel den kirchlichen Rahmen für dieses Ritual, der großartiger und angemessener nicht sein könnte.

Mit der Spende in Höhe von 5000 langstieligen Rosen und sieben Säcken Blütenblättern, die aus einer Baumschule im Picentino Tal stammen, hält die Heimatstadt Don Tedescos, Giffoni Valle Piana in der Provinz Salerno, ihm hierfür seit 1995 die Treue: Um diese Rosenblätter liefern zu können, ist in der Kommune fast die ganze Bevölkerung an der Ernte der Rosen und dem Auseinanderpflücken der Blüten beteiligt. Ehrensache ist es für die Einwohner, nach Kräften zu helfen, und sie sind stolz darauf, dass einer „von ihnen“ in der italienischen „Nationalkirche“ mit den Gräbern italienischer Könige diese wunderschöne religiöse Tradition wiederbelebt hat.

Am Ende der feierlichen Messe zum hohen Pfingstfest, wo in der Sequenz gesungen wurde:„Veni, Sancte Spiritus, et emitte caelitus lucis tuae radium (Komm, o Geist der Heiligkeit, aus des Himmels Herrlichkeit, sende deines Lichtes Strahl"), war es dann so weit: Der Himmel öffnete sich und Millionen von Blütenblättern segelten langsam zu den Klängen des gregorianischen „Veni creator spiritus“ (Komm, Schöpfer Geist“) durch die Öffnung in der Kuppelmitte auf die Gläubigen herab, blieben auf Köpfen und Kleidung liegen und bedeckten bald auch den Marmorboden mit einem dicken Blütenteppich.

Rot war nun auch der Fußboden, so flammendrot wie die Gewänder der Kleriker, die mit dem Bischof der Provinz Salerno in langer Prozession auszogen.