Roswitha von Gandersheim

Dichterin und Mystikerin der ottonischen Renaissance

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1046 klicks

ROM, 5. September 2012 (ZENIT.org). - Roswitha von Gandersheim ist eine der bedeutendsten Protagonistinnen der ottonischen Renaissance.

Die Verfasserin von Heiligenlegenden und Dramen religiösen Inhalts wurde um 938 geboren. Über ihr Leben sind kaum Informationen überliefert. Schon in jungen Jahren trat sie in das der Familie der Ottonen nahestehende Kloster Gandersheim ein. Hier erhielt Roswitha eine umfassende Ausbildung, zu der auch die Lektüre lateinischer Autoren zählte. In ihren eigenen Schriften berichtet Roswitha von Gandersheim über ihre Lehrerinnen Rikkardis und Geberga. Letztgenannte war die Tochter des Herzogs Heinrich von Bayern und stand dem Stift Gandersheim seit 949 als Äbtissin vor.

Die Entstehungszeit der Schriften Roswithas, deren Todesdatum man nach 973 vermutet, wird auf den Zeitraum von 950 bis 970 datiert.

Nach ihrem Tod geriet das Werk der Dichterin und Mystikerin in Vergessenheit. Erst im Jahr 1501 erschien eine mit Illustrationen aus der Werkstatt Albrecht Dürers versehene Neuauflage ihrer stets in lateinischer Sprache abgefassten Schriften unter dem Titel „Opera Hrotsvite“.

In der Bayerischen Staatsbibliothek München wird ein Manuskript ihrer Schriften im Codex Clm 14485 aufbewahrt. Das Manuskript entstand im Stift Gandersheim gegen Ende des 10., Anfang des 11. Jahrhunderts. Nachdem die Handschrift im Regensburger Kloster Sankt Emmeram von dem Humanisten Conrad Celtis gegen Ende des 15. Jahrhunderts wiederentdeckt worden war, kam es schließlich zu der bereits genannten Edition im Jahr 1501.

Die Bedeutung und die Vorreiterrolle Roswitha von Gandersheims verdeutlicht nicht zuletzt der Umstand, dass sie als erste deutsche Dichterin und als erste Verfasserin von Dramen seit der Antike gilt.

Die insgesamt acht von Roswitha in Prosa geschriebenen Heiligenlegenden beschreiben zum Beispiel die Vita des Gondolf oder des Pelagius. In den Dramen, die zu den ersten des Mittelalters in Deutschland zählen, werden Gestalten des Glaubens sowie der Widerstreit zwischen christlichen Tugenden und Lastern behandelt. Neben dem Legenden- und dem Dramenbuch ist als drittes das historische Buch mit den „Gesta Ottonis“, einer Schrift über die Geschichte der Ottonen, und den „Primordia coenobii Gandeshemensis“, einer Schrift über das Kloster Gandersheim, zu nennen.

Roswitha von Gandersheim wird am 5. September gedacht. [bd]