Rückblick auf die Tätigkeiten des Heiligen Stuhles bei der UNO im Jahr 2001

Interview mit "Botschafter" des Papstes bei den Vereinten Nationen

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VATIKAN, 8. Januar 2002 (ZENIT.org).- Im Jahr 2001 hat der Heilige Stuhl verschiedene Debatten und Projekte in der UNO geführt. Es war nicht nur das Jahr der Terroranschläge des 11. Septembers sondern etwa auch der Debatte über das menschliche Klonen und über den Rassismus auf der Konferenz von Durban in Südafrika.



In diesem Interview mit Radio Vatikan antwortet Erzbischof Renato Martino, ständiger Beobachter des Vatikans bei den Vereinten Nationen in New York. Er zieht Bilanz über ein Jahr entscheidender Tätigkeiten auf der internationalen Bühne.

FRAGE: Wie ist das Klima heute in der UNO in New York nach den Attentaten in Amerika?

ERZBISCHOF MARTINO: Der Sitz der UNO befindet sich im Herzen New Yorks. Es ist also nicht verwunderlich, wenn die Ereignisse vom 11. September starke Auswirkungen hatten. Die Anschläge auf das World Trade Center haben eine Art Unsicherheit hervorgerufen, die alle befällt, die täglich in der UNO ein und aus gehen.

FRAGE: Würden wir Bilanz ziehen über die Aktivitäten der UNO im Jahr 2001, welche Ergebnisse könnte man da nennen, und was meinen Sie, welche Ergebnisse werden positive und dauerhafte Wirkungen zeitigen?

ERZBISCHOF MARTINO: Das UNO-Programm kann nicht von einem Jahr auf das andere realisiert werden. Doch in diesem Zusammenhang zu nennen wäre hier besonders die Verpflichtung der Staatschefs auf dem Gipfel 2000, die Armut bis zum Jahr 2015 um 50 Prozent zu senken. Und das war auch das ganze Jahr hindurch Mittelpunkt der Tätigkeiten seitens der Delegierten. Das ist etwas positives. Leider wurde aufgrund der Ereignisse vom 11. September und der derzeitigen Rezession bekanntgegeben, dass dieses Ziel nicht vor 2030 erreicht werden kann.

FRAGE: Welches sind die bedeutendsten Themen der UNO, an denen auch der Heilige Stuhl mitbeteiligt ist?

ERZBISCHOF MARTINO: Auch dieses Jahr hat die Delegation des Heiligen Stuhles wie jedes Jahr an allen Handlungsfeldern der UNO teilgenommen. Ich habe offiziell in verschiedenen Themen die Position des Heiligen Stuhles vertreten. Nennen möchte ich hier unter anderem als besonders wichtig die Beseitigung der Armut, die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Wirtschaftsentwicklung insbesondere in Afrika, die Abrüstung, der Flüchtlingsschutz, die Aufwertung der Frauen, Schutz der Kinderrechte, Schutz alter und behinderter Menschen, Fragen bezüglich der Menschenrechte und insbesondere der Religionsfreiheit und die Ablehnung menschlichen Klonens.

Hinsichtlich der Aktivitäten des Heiligen Stuhles möchte ich das Seminar hervorheben, das am 5. Juni zum Thema Kindersoldaten in der UNO einberufen wurde. Dieses wichtige Ereignis organisieren wir in Zusammenarbeit mit dem Büro des Vertreters des UNO-Generalsekretärs für Kinder in Konfliktsituationen, Olara Otunno. An diesem Seminar nahmen ehemalige Kindersoldaten aus dem Kosovo, Uganda und Kolumbien teil. Sie legten ein lebendiges und dramatisches Zeugnis über ihre Erfahrungen ab. Herr Otunno sagte, dass er in allen Konfliktsituationen stets in erster Linie das Engagement der katholischen Kirche, der Missionare, Priester und Ordensleute sowie der katholischen Laien feststgeellt hat, die sich einsetzen, damit diesen Kriegsopfern Recht geschieht.

Zu den wichtigsten Ereignissen der UNO im Jahr 2002 ist die zweite Weltversammlung über alte Menschen im Frühling in Madrid hervorzuheben sowie die Sondersitzung der Generalversammlung über Kinder im Mai in New York. Im August wird schließlich im südafrikanischen Johannesburg das Gipfeltreffen über Umweltfragen und Entwicklung für eine Bilanz der Weltsituation in den letzten zehn Jahren und die Konferenz in Rio de Janeiro stattfinden.