Ruf zur Messe verhindert Soldatenmord

Priestererlebnis von Francisco Alejandro Bernal Vel, Kolumbien

Wien, (ZENIT.org100Wunder) | 1098 klicks

In meinen ersten Jahren als Priester war ich Kaplan in einer großen Militärbasis Kolumbiens namens Tolemeida. Wir befanden uns in einem Gebiet, in dem es immer sehr heiß ist. Meine Arbeit unter den Soldaten erwies sich als eintönig und unergiebig: Die Soldaten waren in ihrem Glauben sehr nachlässig, und wenn sie die heilige Messe besuchten, zeigten sie dabei wenig Interesse oder Begeisterung. Daher war ich ziemlich niedergeschlagen und fühlte mich nutzlos. Ich wünschte mir eine andere Aufgabe und wollte nicht mehr in der Kaserne leben. Ich wollte ein Leben wie alle meine Mitbrüder führen, die in den Städten und Dörfern der Welt verstreut waren. Lieber wäre ich in einer weniger heißen Stadt gewesen, mit Menschen, die meinen Dienst mehr schätzten und an der Messe andächtiger teilnahmen.

Aber eines Freitagnachmittags erhielt ich einen Gnadenbeweis vom Heiligen Geist. Nach der heiligen Messe, bei der ich besonders stark die Gegenwart Gottes gespürt hatte, kam ein einfacher Soldat auf mich zu und bat mich um ein privates Gespräch. Ich nahm mir sehr gerne Zeit dafür, denn ich war glücklich darüber, dass endlich einmal ein Soldat etwas mit mir, einem Priester, besprechen wollte.

Als wir alleine waren, zog er eine Gewehrkugel Kaliber 762 aus seiner Tasche und gab sie mir. Ich verstand nicht sofort, was das zu bedeuten hatte, und brachte ihm deshalb einen fragenden Blick entgegen.

Daraufhin sagte er mir: „Padre, gerade heute hatte ich beschlossen, einen Kameraden, über den ich mich immer ärgere und den ich nicht mehr ertragen kann, umzubringen. Aber als ich dabei war, die Patrone in mein Gewehr zu stecken, um ihm damit in den Kopf zu schießen, wurden wir alle zur heiligen Messe gerufen. So habe ich die Sache aufschieben müssen.

Ich habe Ihre Predigt gehört, wie Sie sagten, man müsse seinen Brüdern ‚siebenundsiebzigmal‘ verzeihen. Deshalb habe ich beschlossen, Ihnen die Patrone zu geben und meinen Kameraden weiter zu ertragen. Ich betrachte ihn jetzt als Bruder. Dadurch hoffe ich, demütig zu werden, genauso wie Sie es mich heute gelehrt haben. Danke, Padre! Wenn Sie nicht hier gewesen wären, hätte ich den größten Fehler meines Lebens begangen und ich hätte die restlichen Tage meines Lebens wohl im Gefängnis verbracht, mit einer schweren Last auf dem Gewissen.“

Diese Worte haben mich aufgeweckt und ließen mich verstehen, wie wertvoll mein Dienst war. Ich verstand, dass ich damit aufhören musste, meine persönlichen Vorstellungen verwirklicht sehen zu wollen, und dass ich stattdessen darüber nachdenken sollte, dass jede Eucharistie die Möglichkeit bietet, nicht nur Seelen, sondern auch Menschenleben zu retten.

Jetzt weiß ich, dass mein Leben als Priester eine große und tiefe Bedeutung hat und dass ich mich jeden Tag dafür einsetzen muss, mein Priestertum mit mehr Liebe zu leben.

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