Rumänien: Rückgabe einer griechisch-katholischen Kirche führt zu ökumenischer Krise

Orthodoxe brechen mit Gewalt in einer katholische Kirche ein

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BUKAREST, 22. März 2002 (ZENIT.org).- Die Griechisch-Katholische Kirche in Rumänien hat öffentlich ihren Unmut über die gewalttätigen Angriffe Orthodoxer auf katholische Gemeinden kundgetan.



Die Lage spitzt sich nach vereinbarten Teilrückgaben der von den Kommunisten der Rumänisch-Orthodoxen Kirche zwangseinverleibten griechisch-katholischen Kirchengebäude zu.

Dies erschwert der katholischen Kommunität, die besonders in Transsylvanien ansässig ist und seit 1989 aus dem Untergrund wiederaufgetaucht ist.

Die letzten Gewaltakte fanden in Okna-Mures in Transsilvanien am 15. März statt, als gegen drei Uhr morgens etwa 40 Orthodoxe in ein zurückgegebenes Kirchengebäude eindrangen.

Metropolitanerzbischof Lucian Muresan von Blaj sagte Zenit gegenüber, die Kirche sei ihnen per endgültigen Gerichtsbeschluss vom 7. Februar 2002 offiziell zugesprochen worden. Allerdings habe sich ein Gericht von Aiud dagegen gestellt.

Als Reaktion auf diese Entscheidung drangen am 8. März eine Gruppe von Orthodoxen, angeführt von zwei Priestern mit Eisenstangen in einer katholische Kirche ein, in der gerade ein Gottesdienst stattfand.

Die Gläubigen wehrten sich und konnten die Eindringlinge im Vorhof aufhalten. Sie verbarrikadierten sich in der Kirche und waren trotz anwesender Polizei gezwungen, sich Stunden lang aus Sicherheitsgründen dort aufzuhalten.

Am 14. März untersuchte das Gericht die Forderung der Katholiken ihre Situation endlich zu legalisieren. Bislang ist jedoch noch kein Ergebnis bekannt.

Am 15. März um drei Uhr morgens drangen Orthodoxe unter der Leitung derselben Priester in die Kirche ein, während dort eine Vigil gehalten wurde.

Die Polizei versäumte nicht nur ihre Aufsichtspflicht, sondern ließen die Kirche räumen und übergaben sie den orthodoxen Eindringlingen ohne dies zu rechtfertigen.

"Die Lage in Okna-Mures, die sehr an die Zeit von 1948 erinnert, zeigt, dass die Religionsfreiheit und das demokratische Prinzip in Rumänien noch allzu oft verletzt werden", so der griechisch-katholische Bischof.

Der griechisch-katholische Bischofsrat von Rumänien hat einer Erklärung erlassen, in der die "Ansprüche der orthodoxen Kirche, die gerichtlichen Prozeduren des Gerichts von Aiud auf unrechtmäßige Weise zu verlängern" als "ungerechtfertigt" bezeichnet werden.

Der Rat drückt auch seine "Entrüstung hinsichtlich der Haltung der orthodoxen Hierarchie aus, deren falsche und illegale Beschwerden die in den letzten zehn Jahren geschaffenen ökumenischen Beziehungen schwer schädigen".

Doch der orthodoxe Erzbischof Andrej erklärte: "Die Präsenz der griechisch-katholischen Kirche ist 300 Jahre lang für die Christen Transsylvaniens ein Grund zur Zwietracht, Trennung und Verbitterung gewesen".