Russland: Ausweitung des "Agentengesetzes" auf christliche Kirchen

Alle NGOs, die Finanzierungen aus dem Ausland erhalten, müssen sich als "ausländische Agenten" registrieren lassen.

Moskau, (APD) | 527 klicks

Die staatliche Überprüfung von Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Russland sei inzwischen auch auf religiöse Organisationen ausgedehnt worden, berichtete William Yoder (Moskau), Medienreferent der „Russischen Evangelischen Allianz“ (REA). 

Laut dem sogenannten „Agentengesetz“ müssen sich alle Nichtregierungsorganisationen, die Finanzierungen aus dem Ausland erhalten, als „ausländische Agenten“ registrieren lassen. Einige NGOs lehnen dies ab, weil sie befürchten, als Spione bezeichnet zu werden. Im Rahmen des „Agentengesetzes“ sind laut Medienberichten Ende März in Russland auch ausländische Stiftungen von den Behörden durchsucht worden darunter die Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Petersburg sowie die Ebert- und Böll-Stiftung in Moskau. 

An der halbjährlichen Sitzung des Rates der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB) vom 27.-29. März in der Hauptstadt habe Anatoli Ptschelinzew, Leiter des Moskauer „Slavic Legal Centre“, den Ratsteilnehmern nahegelegt, ihre Gemeinden durch eine genaue Lektüre der geltenden Gesetze auf unangemeldete Besuche staatlicher Gremien vorzubereiten. Alle relevanten Gesetze sollen demnach auf der Webseite der RUECB veröffentlicht werden. Der Rechtsanwalt habe betont, dass Gemeinden gesetzlich nicht verpflichtet seien, persönliche Angaben über deren Mitglieder an Staatsbehörden weiterzuleiten. 

Russische Evangelikale grenzen sich gegen westliche Einflussnahme ab

Nach Angaben des REA-Medienreferents habe Tom Holladay, Schwager von Rick Warren, der leitender Pastor der kalifornischen Megakirche „Saddleback Church“ ist, die RUCEB-Sitzung in Moskau als Gast besucht. In Russland habe die amerikanische „Saddleback Church“ bisher am stärksten mit der überkonfessionellen sowie evangeliumschristlichen und pfingstlerischen „WSECH“-Bewegung („All-Russische Gemeinschaft der Evangeliumschristen“) des Moskauer Geschäftsmannes Alexander Semtschenko kooperiert. Es bestünden Sorgen, dass die „Saddleback Church“ versuchen könnte, ein in Kalifornien entwickeltes Programm in Russland einzuführen. Eine Moskauer Filiale von „Saddleback Church“ mit Live-Übertragungen aus Kalifornien oder das Auftreten eines neuen westlichen Pastors auf der Moskauer Bühne würde von den Einheimischen als nicht hilfreich angesehen. Die gegenwärtige politische Stimmung nötige die protestantischen Kirchen in Russland, die Tatsache, dass sie weder ausländische noch ferngesteuerte „Agenten“ seien, unter Beweis zu stellen.