Russland im Licht der Erscheinungen von Fatima (Zweiter Teil)

Interview mit Pater Mario Piatti ICMS, Direktor der Zeitschrift Maria di Fatima

Rom, (ZENIT.org) Luca Marcolivio | 376 klicks

Maria ist auch die „Friedenskönigin“. Glauben Sie, dass die Ereignisse in Russland entscheidend zur Sicherung des Friedens beitragen werden, vor allem im Nahen Osten?

Pater Mario Piatti: Jedes aufrichtige Friedenszeichen ist ein gutes Zeichen, das man nur mit guter Hoffnung aufnehmen kann, auch mit Hinblick auf die jahrhundertealten Probleme im leidgeplagten Heiligen Land. „Cova da Iria“, der Name der großen Bodenmulde, in der die Jungfrau Maria 1917 erschien, bedeutet, sei es ein Zufall oder nicht, „Friedensmulde“. Im weit gespannten Netzwerk der Symbole, die mit Fatima verbunden sind, ist der Hinweis auf den Frieden sehr präsent. Auch der Engel, der 1916 dreimal den drei Hirtenkindern erschien, stellte sich als der „Friedensengel“ vor und forderte die drei Kinder auf, sich hinzuknien und mit ihm zusammen das undurchdringliche Mysterium Gottes zu verehren. Die Jungfrau Maria sprach über den Krieg, der damals wütete, den Ersten Weltkrieg, und versicherte, dass Gebet und Opfer das Ende des Krieges schneller herbeiführen würden. Gerade in diesen Tagen – am 7. September dieses Jahres – hat Papst Franziskus uns wieder einmal die „harmlose Macht“ der geistigen Waffen bewiesen: Sein weltweiter Aufruf an alle Menschen guten Willens hat faktisch die Bomber aufgehalten, die schon bereit standen, um noch mehr Tod und Zerstörung über Syrien zu bringen. Kaum einen Monat später, am 12. Und 13. Oktober, hat der Heilige Vater auf dem Petersplatz die Marienstatue empfangen, die in der Kapelle von Fatima verehrt wird. Ich glaube kaum, dass das ein Zufall ist.

Wir alle müssten mehr Vertrauen in die Macht des Gebetes setzen: Die Logik Gottes verwirrt die Pläne der Menschen und der Weg der Liebe erweist sich immer wieder als der siegreiche, auch wenn er unweigerlich über das Kreuz führt. Deshalb glaube ich, dass auch der Nahe Osten, mit all seinen ungelösten Problemen und den wiederkehrenden Spannungen, die wir nur zu gut kennen, aus der Hilfe aller, aus dem Gebet aller, Nutzen ziehen kann.

Das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis ist eng mit den Marienerscheinungen in Lourdes verbunden. Gibt es auch eine Verbindung mit Fatima?

Pater Mario Piatti: Jede echte Erscheinung, die von der Kirche überprüft und anerkannt wurde, hat ihren eigenen geistigen Charakter, ihre eigene Schönheit. Persönlich ziehe ich es vor, auf allzu leichtfertige und manchmal etwas gekünstelte Vergleiche zwischen verschiedenen Marienerscheinungen zu verzichten, obwohl zweifellos ein „roter Faden der Gnade“ all diese Ereignisse durchzieht und verbindet, die an weit auseinanderliegenden Orten und Zeiten stattgefunden haben.

Ich will nur auf ein paar wenige Aspekte hinweisen, obwohl ich mir bewusst bin, dass man noch zahlreiche andere aufzeigen könnte: die einfachen Verhältnisse, aus denen die Seher stammten; die gemeinsamen Aufrufe zu einem festen Geistesleben und einer konkreten Ausübung des Glaubens; die Schwierigkeiten und zum Teil die offene Feindschaft, die Bernadette und den drei Hirtenkindern entgegengebracht wurde. Das scheinen mir die auffälligsten Gemeinsamkeiten zu sein.

Sowohl in Lourdes als auch in Fatima wird auf die Macht des kirchlichen Lehramts hingewiesen: Die Jungfrau bestätigt selber das Dogma der Unbefleckten Empfängnis, das Papst Pius IX. erst vier Jahre zuvor verkündet hatte. Und in Fatima ist es die wiederholte Erwähnung des Heiligen Vaters, die die kirchliche Autorität betont. Dieses Thema sollte vielleicht im weiten Rahmen der Marienerscheinungen mehr vertieft werden.

Außerdem spricht die Muttergottes in Fatima mehrmals von ihrem Unbefleckten Herzen: Sie zeigt es den drei Kindern, von Dornen umgeben; fordert Sühne für jene Sünden, die es verletzen und beleidigen; ruft dazu auf, sich ihm zu weihen; kündigt seinen letztlichen Triumph an, gerade indem sie über das Übel spricht, das durch die Bosheit der Menschen über die Welt hereinbrechen wird. Es ist, als ob das Dogma der Unbefleckten Empfängnis, das 1854 von der Kirche verkündet und 1858 in Lourdes bestätigt wurde, in Fatima seine letzte Verdeutlichung gefunden hätte, in diesem Bild des „Herzens“, das reich an biblischen Anspielungen ist und zugleich wegen der Emotionen, die es weckt, leicht von allen verstanden werden kann. Die Unbefleckte Jungfrau ist eine Mutter, die uns alle zärtlich liebt, deren Herz lebt und schlägt, leidet und sich für uns, ihre Kinder, hingibt.

[Der erste Teil des Interviews mit Pater Mario Piatti erschien gestern, am Montag, dem 16. Dezember]