„Sacramentum Caritatis“ in den Blick genommen

Interview mit Kardinal Angelo Scola

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ROM, 16. März 2007 (ZENIT.org).- Das kürzlich vorgestellte Nachsynodale Apostolische Schreiben von Papst Benedikt XVI. über die Eucharistie dient in den Augen von Kardinal Angelo Scola dem Ziel der christlichen Einheit.



Sacramentum Caritatis („Das Sakrament der Liebe“) enthält die Ergebnisse der 11. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode, die vom 2. bis zum 23. Oktober 2005 in Rom stattfand, und wurde am Dienstag veröffentlicht.

ZENIT sprach mit Kardinal Scola, Generalrelator der Synodalversammlung, über die Form der Eucharistiefeier, die Frage der Kultusfreiheit und die Ökumene.

ZENIT: Eure Eminenz, glauben Sie nicht, dass es im Apostolischen Schreiben eine gewisse Unausgewogenheit gibt? Auf der einen Seite wird dazu ermutigt, die Liturgie mehr in den Blick zu nehmen, damit die Gläubigen aktiver und mit mehr Gewinn an ihr teilnehmen können, und auf der anderen Seite wird für internationale Feiern der Gebrauch des Lateinischen angeraten und zum Gregorianische Gesang ermutigt, während andere religiöse Ausdrucksformen, die vielleicht volksnäher sind, beiseite gelassen werden – beispielsweise afrikanischer Tanz und Gesang.

-- Kardinal Scola: Wir müssen die Logik verstehen, die dem gesamten Apostolischen Schreiben zugrunde liegen. Der Heilige Vater möchte alle konkreten Merkmale übersichtlich darstellen, damit die Eucharistie als der eine eucharistische Akt Gottes in Jesus Christus wahrgenommen wird, der alle Gläubigen mit einbezieht, ganz gleich, ob sie sich nun in Sydney, Mailand, Buenos Aires oder Kampala aufhalten. Aber darüber hinaus sind darin auch Hinweise für jene enthalten, die an diesen Orten dafür Sorge tragen, dass der eine Ritus entsprechend umgesetzt wird.

Die Tatsache, dass es einen sehr wichtigen Paragraphen über die Inkulturation gibt, und dass er besagt, dass die Bischofskonferenzen weiterhin mit den involvierten Dikasterien zusammenarbeiten sollen, antwortet gerade auf diesen Bedarf.

Klarerweise liegt die Aufgabe eines Nachsynodalen Apostolischen Schreibens darin, sich auf alles Einende zu konzentrieren; es wäre eine Anmaßung seitens des Papstes, wenn er erklären würde, wie die Inkulturation in Afrika oder Indien aussehen sollte. Der Heilige Vater empfiehlt, dass das die Bischöfe machen, die dort sind, in Verbindung mit den jeweiligen Dikasterien. Deshalb gibt es meines Erachtens keine Unausgewogenheit.

ZENIT: In Bezug auf die Frage der Kultusfreiheit hat es den Anschein, dass nicht genau darauf eingegangen wird, wie die Feier der Eucharistie in jenen Gemeinden gefördert werden soll, „die in Situationen der Minderheit leben oder denen sogar die Religionsfreiheit völlig aberkannt wird“ (vgl. 87). Wie denken sie darüber?

-- Kardinal Scola: Auch hier gilt es zu erkennen, was ein Nachsynodales Schreiben als Dokument, das an alle Ortskirchen in der Welt gerichtet ist, vollbringen kann. Es kann nur die Einhaltung von Prinzipien verlangen und Vorschläge geben. Es hat seinen Grund, dass die Kirche immer in zwei Dimensionen lebt, in der universellen und der partikulären.

Aus diesem Grund fällt denen, die vor Ort sind, die Aufgabe zu, die bestmöglichen Wege zu finden, damit dieses Prinzip der Kultusfreiheit als Ausdruck der Religionsfreiheit, was kraftvoll unterstrichen worden ist, verstanden und angenommen wird.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass die gewöhnlichen Tätigkeiten des Heiligen Vaters und des Heiligen Stuhls in solchen Situation unterstützend wirken. Wenn es nicht so wäre, müssten die Dokumente so ins Detail gehen, dass wir wohl 2.000 Seiten benötigten, um alles abzudecken.

ZENIT: Wie kann die eucharistische Ekklesiologie, die in „Sacramentum Caritatis“ dargelegt wird, die Bemühungen um die volle und sichtbare Einheit aller Christen begleiten und anleiten?

-- Kardinal Scola: Ich bin davon überzeugt, dass das Apostolische Schreiben einen unglaublichen ökumenischen Wert besitzt, weil die innere Verbindung zwischen dem eucharistischen Geheimnis, der liturgischen Handlung und dem neuen geistlichen Dienst so gut verstanden wird (vgl. beispielsweise Abschnitt 5). In diesem Punkt stimmt es weitgehend mit dem orthodoxen Verständnis überein, geht aber gleichzeitig auch unseren protestantischen Brüdern und Schwestern entgegen.