Sakrale Kunst: Auf den Dialog mit den Liturgikern kommt es an - Tagung im Vatikan

Von Armin Schwibach

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ROM, 4. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Am 1. Dezember fand unter dem Thema: „Hoheit und Schönheit in Seinem Heiligtum. Die Kunst im Dienst der Liturgie“ die jährliche Studientagung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung statt. Die Ausgabe des „Osservatore Romano“ vom 3./4. Dezember berichtete ausführlich.



Der Moderator der Diskussion und Sekretär der Kongregation, Erzbischof Malcom Ranjith, betonte die große Herausforderung für die Kunst, die im Kirchengebäude zum Ausdruck kommt. Diese Herausforderung müsse angenommen und geklärt werden, um sich nicht in Lösungen zu verlieren, die – statt in den Werken des Menschen die Herrlichkeit Gottes sehen lassen – diese Herrlichkeit verdunkeln oder deren Wahrnehmung verhindern. Es dürfen nach Worten Ranjiths nicht nur funktionale Lösungen gesucht werden. Der Kirchenraum müsse in einem erkennbaren und korrekten Kontext von Zeichen und Symbolen das Wesen eines Raumes offen legen, der für die Feier der heiligen Geheimnisse konzipiert ist.

Erzbischof Ranjith forderte die Teilnehmer der Arbeitstagung dazu auf, in erster Linie Überlegungen über die „theologischen Prinzipien anzustellen, auf denen die Räume und Orte aufbauen, sowie zu den Implikationen, die deren geistliche Nutzung erleichtern oder erschweren“. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Mahnung des vormaligen Kardinal Ratzingers, dass das unzugängliche Mysterium Gottes, das die liturgische Feier zugänglich macht, auch eine lesbare Transparenz durch die Formen, die Örtlichkeiten und die liturgischen Räume finden muss.

Erzbischof Mauro Piacenza, Sekretär der Kongregation für den Klerus, verwies auf ein „merkwürdiges Paradox“, zu dem es in den Jahren unmittelbar nach dem II. Vatikanischen Konzil bis heute gekommen sei. Die Weisungen der Konzilsväter hinsichtlich des Themas Kunst, Liturgie und Kirchenraum seien allzu oft nicht beachtet worden, und zwar unter dem Vorwand eines „vermeintlichen und falsch verstandenen ‚Konzilsgeistes‘“. In seinem Vortrag betonte der Erzbischof, dass der „kirchliche Stil“ aus Gleichgewicht bestehe, nicht aus „Fanatismen und Polemiken“.

Aus diesem Grund müssen, so Piacenza, die von der Kirche festgelegten Prinzipien wieder zur Geltung kommen und eindeutig geklärt werden. Auf dieser Grundlage sei die Auseinadersetzung zu führen, nicht auf der Basis von einseitigen Interessen.

Der Bischof von León (Spanien) und Präsident der bischöflichen Liturgiekommission, Julián López Martín, hob hervor, dass der liturgische Raum nicht als konfuser und abstrakter religiöser Raum konzipiert werden darf, der für alle Zwecke gut ist. Er müsse von der Dimension der Feier bestimmt sein. „Alle Elemente der Kirche müssen im Dienst der Feier des Mysteriums stehen. Sie müssen das Ostern des Herrn zum Ausdruck bringen“ und wirklich Teil der „Mystagogie zum Geheimnis“ sein.

Erzbischof Piacenza betonte diesbezüglich, dass es hinsichtlich der Vergebung von Bau- und Ausstattungsaufträgen der Klarheit bedürfte. Von bestimmten Grenzsetzungen dürfe nicht abgesehen werden, angefangen bei der Struktur einer Kirche: „Um dem ‚intellektualistischen‘ Positionen gewisser Architekten nachzukommen, dürfen wir nicht die Kirche, den Kirchturm verstecken.“ Gleiches gelte für den inneren Aufbau, der auf den Altar hin ausgerichtet sein müsse; der Tabernakel müsse sofort sichtbar sein; auch auf Kniebänke sei zu achten, um die „Dimension der Anbetung zu erleichtern“. Diese Elemente sind „nicht der freien Wahl überlassen“, sondern gehörten zum Wesen der Kirche als Raum des Feierns und Betens.

Der Kunstgeschichtler Heinrich Pfeiffer stellte das Problem der Interpretation des „Sacrum“ aus der Sicht der zeitgenössischen Künstler vor. Der Jesuitenpater diagnostizierte der zeitgenössischen künstlerischen Sensibilität eine Durchdringung von sakraler und profaner Welt, die nicht mit der theologischen Sensibilität übereinkommt. „Zu diesem Kampf zwischen dem „Sacrum“ und dem Profanen gehört das Problem des Schönen in den Kirchen. Die Kunst der Kirche muss von der Liturgie ausgehen und in die ganze Welt ausstrahlen.“ Gleichzeitig müsse der Künstler neue Ausdrucksformen finden. Pfeiffer war eindeutig: Wenige seien in den letzten Jahren auf der Höhe gewesen, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Erzbischof Piacenza betonte am Schluss einen nicht zu vernachlässigenden Aspekt: „Alles Schöne und Gute hat seinen Preis“ – der gute Wille allein genüge nicht.

Um gute Ergebnisse zu erreichen, sei es notwendig, Ressourcen zu investieren, und das vor allem in der Ausbildung des Klerus. „Wir müssen Priester haben, die in der Lage sind, Förderer der sakralen Künste zu sein“, bekräftigte der Erzbischof. Des Weiteren sei es nötig, den Künstlern eine solide Kenntnis aus dem Bereich der Liturgie und der Theologie zu geben. Richtiggehende „Schulen für sakrale Kunst“ seien hierzu von großem Nutzen.