Sakralmusik, vergessene Kleinodien

Festival In signo Domini Sakralmusik in den römischen Basiliken

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Rom, 5. April 2011 (ZENIT.org). - Die Sakralmusik hat eine „universale, vor allem aber eine tiefgehende Sprache in einer Gesellschaft, die von Konsum und Wohlleben" durchtränkt ist. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Liturgie, den wir wiederentdecken müssen und der vor allem die Jugend erreicht, die eine unmittelbarere Sprache hat". Dies sagte Msgr. Libero Andreatta, der Vizepräsident des römischen Pilgerwerks „ Opera Romana Pellegrinaggi" (ORP), am Montag gegenüber ZENIT zum Anlass der Präsentation des Festivals „In signo Domini - Sakralmusik in den römischen Basiliken" in Rom, das von der Europäischen Musikakademie gefördert wird.Die Initiative, die an drei Tagen im April mittwochs - am 13. und am 27. in der Lateranbasilika und am 20. in der Basilika der Hl. XII Apostel- stattfinden wird, will den Zuhörer auf dem geistlichen Weg auf Ostern hin begleiten und reiht sich in die Ereignisse rund um die Seligsprechung Johannes Paul II. ein. Die künstlerische Leitung hat Daniela De Marco.

Msgr. Andreatta stellte fest, dass „der Mensch in einer Situation der Desillusionierung angekommen ist, der Einsamkeit und der Leere. Er hat alle Beziehungspunkte verloren." „ In dieser Situation", fügte er hinzu, „glaube ich, dass „die Sakralmusik ein Instrument und eine Sprache sein kann, um das Heimweh wiederzuentdecken, ein Heimweh, das auf seinen Ursprung und Ziel hinweist, das Heimweh nach Gott."

Der Vizepräsident des ORP erinnerte gegenüber ZENIT auch daran, dass „die Symbole eine ursprüngliche Sprache sind: Der Kuss, die Umarmung, der Blick haben wahre Bedeutung, haben einen Sinn. Wenn der Kuss die wahre Bedeutung der Liebe hat, dann hat er einen Sinn, aber wir erinnern uns auch daran, dass Judas mit einem Kuss verraten hat; also kann man Zeichen auch ihrem Sinn entgegengesetzt benutzen."

„Wir müssen", so fügte er hinzu, „die Bedeutung der Zeichen und der Sprachen wiederentdecken, die im Inneren des Menschen vorhanden sind, und die Jugend hat hier eine instinktive Fähigkeit, da sie noch nicht davon korrumpiert und verdorben ist, was die spätere Lebenserfahrung macht, die darüber hinaus das Risiko birgt, der Sprache mehr Sinn einzuräumen."

„Die Musik", unterstrich er, „ist ein grundlegender Bestandteil der Liturgie. Es genügt, an David mit seiner Zither zu denken. Aus dem Alten Testament wissen wir, dass es vor dem Allerheiligsten sakrale Musik gab. Es war der tiefe Ausdruck einer Sprache, die nicht mehr menschlich, sondern göttlich war."


„Heute", so betonte er, „wo die Sakralmusik verdrängt wird, haben wir etwas von der göttlichen Sprache der Liturgie weggeschnitten." Zu diesem Punkt präzisierte er später, dass es verzerrte Interpretationen des 2. Vatikanischen Konzils gebe, die der liturgischen Feier einen rein gemeinschaftlichen Charakter gäben, und in denen der Sinn für Christus als Zelebrant verloren gehe. „Eine Gemeinschaft ohne Christus hat keinen Sinn", kommentierte er.

„Oft", so erklärte er weiter, „werden Gesänge mit der Gitarre begleitet, oder es wird improvisiert, was eher eine Frucht der Moderne ist, als dass es der tiefen Tradition der Kirche entspricht, die nach zweitausend Jahren ein Erbe hat, das auf diese Art verzerrt wird."

„Aber auch in den Prozessionen", sagte er, „haben wir die Zeichen entfernt, die uns äußerlich nichts mehr sagen, weil wir innerlich den Sinn und die Bedeutung dieser Sprachen verloren haben."

Er erinnerte schließlich daran, dass wir „Gott sei Dank mit Benedikt XVI. diesen Weg wiederentdecken, den wir in gewisser Weise verloren hatten", und er hoffe, „dass auf diese Weise die Priester und die Jugendlichen unser außergewöhnliches Erbe wiederbeleben können". Er lud auch die Pfarrer dazu ein, „die Sakralmusik unserer Vorfahren wiederzuentdecken, vor allem den gregorianischen Choral."

Die Konzerte des Festivals seien „Johannes Paul II. gewidmet, einem sehr beliebten Papst, der den Schleier des Leidens aufgedeckt hat", so Msgr. Andreatta.

Sie sind in Zusammenarbeit mit der Europäischen Musikakademie entstanden, die jedes Jahr einen internationalen Wettbewerb für Sakralmusik organisiert, und der Kunstagentur „A Voce Solal".

[Übersetzung des italienischen Originals von Jan Bentz]