Sakrament als Quelle der Freude

Impuls zu Fronleichnam 2012

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 6. Juni 2012 (ZENIT.org). - Am 1.1.1638 wurde in Kopenhagen Niels Stensen geboren. Er war ein leidenschaftlicher Sucher nach der Wahrheit. Zunächst auf dem Gebiet der Naturwissenschaft, wo einige wichtige Entdeckungen auf ihn zurückgehen.

Von Haus aus Protestant trat er 1667 in Italien zum römisch katholischen Glauben über. Es wird berichtet, dass er zum katholischen Glauben fand, als er eine Fronleichnamsprozession in Florenz sah und sich angesichts der vielen Menschen, die vor dem Allerheiligsten das Knie beugten, sagte: entweder sind alle diese Menschen nicht bei Sinnen oder es ist wahr, was sie sagen.

Das Fronleichnamsfest, das wir wenige Tage nach dem Dreifaltigkeitsfest feiern, will das unglaubliche Geschenk des Herrn an die Menschheit mit Freude und Jubel feiern. Zwar unter dem Schleier des Sakraments, aber doch real, will der Herr wahr machen, was er durch den Heiligen Geist in der Schrift sagt: „Meine Wonne ist es, unter den Menschen zu sein“ (Spr 8,23 ff).

Aber, so könnten wir fragen, hätte da nicht das Fest Gründonnerstag genügt, an dem wir ja die Einsetzung der Eucharistie begehen? Dass die katholische Kirche im Jahre 1264 ein neues Fest einrichtete, das fern von der Trauer der Karwoche die Eucharistie als einen besonderen Grund zur Freude feiern wollte, zeigt, neben dem eigentlichen Sinn dieses Festes, wie sehr der Kirche die Freude der Menschen am Herzen liegt. Und vor allem, wie sehr es zur Ehre Gottes beiträgt, wenn sich die gebotene Dankbarkeit der Christen in der Freude ausdrückt. Der christliche Glaube ist grundsätzlich auf Freude gestimmt, und jedes in Gott begründete Frohsein will die Kirche den Menschen weitergeben, nach dem Wort des hl. Paulus: „Freut euch allezeit im Herrn!“ (Phil 4,4). Der Zusatz ist allerdings entscheidend: „im Herrn“!

Das größte Hindernis, das uns begegnet, wenn wir Andersgläubigen die Eucharistie im allgemeinen und das Fronleichnamsfest im Besonderen nahebringen wollen, liegt nicht so sehr im Begreiflichmachen des Geheimnisses, dass nämlich in diesem unscheinbaren Gebilde, das wie Brot aussieht, Christus der Herr ist, als vielmehr in der Gleichgültigkeit und Lauheit der Katholiken. Würden alle, oder wenigstens eine große Zahl von Teilnehmern in ihrem Verhalten zeigen, dass sie an das Geheimnis glauben, würde sicher manch einer diesem Glauben näher treten. Schön und traditionsreich ist z.B. die Prozession in Köln, die Mutter aller Fronleichnamsprozessionen, und sicher sind viele der Teilnehmer bei allem Traditionsdrumunddran sehr mit dem Herzen dabei. Wenn aber der unvoreingenommene Zuschauer sieht, wie der Zug an Restaurantterrassen vorbeizieht, wo die Gäste in gelöster Stimmung bei Schweinshaxen und Bier sitzen und sich unterhalten, und dann gerade noch mit einem vielleicht gönnerhaften Lachen wahrnehmen, wie der Herr des Himmels und der Erde an ihnen vorüberzieht, ohne dass sie das im geringsten berührt, dann kann die beste Glaubensbereitschaft rasch dahinschwinden.  

Dabei gibt es eine nicht geringe Anzahl von Menschen, die dem katholischen Glauben aufgeschlossen gegenüber stehen, speziell auch dem Glauben an die Eucharistie. Es berührt einen schmerzlich, wenn man gelegentlich von evangelischen Mitchristen hört, dass sie sich danach sehnen, an der katholischen Eucharistie teilzunehmen, aber respektieren, dass es nicht geht (noch nie habe ich übrigens gehört, dass Katholiken einen besonderen Wunsch geäußert hätten, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen).

Sagen wir es einmal deutlich, wir haben da einen gewaltigen Schatz in Händen, der vielen Katholiken wenig oder gar nichts bedeutet. Gerade dann, wenn der Sonntagsgottesdienst sich primär auf das Mitmenschliche konzentriert, kommt es oft vor, dass der eigentliche Mittelpunkt, der eucharistische Herr kaum beachtet wird. Woran liegt das? Ist uns die Eucharistie zu selbstverständlich geworden?

Und wenn alle zur Kommunion gehen und keiner beichtet, möchte man sich eigentlich wünschen, dass die Kirche heute noch einmal ein neues Fest einführt, eines, das in besonderer Weise das Beichtsakrament herausstellt.

Freude garantiert.

Und zwar eine Freude aufgrund einer sehr persönlichen Beziehung zum Herrn, denn Christus will durch sein Erlösungswerk, das sich in den Sakramenten niederschlägt, nicht die Menschheit froh machen, sondern jeden einzelnen Menschen, und Sie und mich. So persönlich sah es der hl. Niels Stensen, wenn er betete: „Jesus, sis mihi Jesus. Jesus, sei mir Jesus“.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“.