Säkularisierung: Das Miteinander der Christen ist die einzige Chance, die Europa bleibt

Generalsekretäre der 34 Bischofskonferenzen Europas beraten über Strategien

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ROM, 3. Juli 2008 (ZENIT.org).- Die Säkularisierung könne eine großartige Gelegenheit darstellen, „um die christliche Vision der Wirklichkeit zu verkünden". Allerdings erfordere dies „eine Vertiefung der Bande und Gemeinschaft zwischen den Bischofskonferenzen, den Bischöfen in Europa und den christlichen Gemeinschaften". Zu diesem Ergebnis kamen die Generalsekretäre der 34 Bischofskonferenzen Europas während ihrer jüngsten Tagung.

Dieses neue Miteinander müsse sich dem aggressiven Atheismus und schismatischen Fundamentalismus entgegenstellen, die als neue Gefahren am Horizont der pluralistischen globalen Gesellschaft lauerten. Um das zu erreichen, müsse man mutig die christliche Identität stärken und die verschiedenen Kräfte bündeln, mit dem Blick auf die Stärke des Evangeliums.

Die Generalsekretäre der verschiedenen Bischofskonferenzen hatten sich vom 26. bis 30. Juni im nordspanischen Wallfahrtsort Covadonga versammelt. Dort fand im Jahr 722 die historische Schlacht von Cadovanga statt. In dieser Schlacht, so heißt es, habe ein himmlisches Eingreifen das Marienheiligtum geschützt und den Sieg über die heranstürmenden muslimischen Truppen herbeiführt. Zu Ehren der „Jungfrau von Covadonga“ wurde eine Basilika errichtet.

Hauptthema der vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) organisierten Tagung war die Analyse der religiösen Situation Europas, die man mit dem Stichwort „Zwischen Säkularisierung und Spiritualitäts- und Sinnsuche" zusammenfassen lasse. In einem ersten Schritt wurde beim Treffen die Lage des Glaubens in den einzelnen Ländern in den Blick genommen, um anschließend über die Kernprobleme und Zukunftsperspektiven nachzudenken.

Wie im abschließenden Kommuniqué verlautete, sei in Europa „ein wachsendes Interesse und eine Offenheit gegenüber der religiösen Dimension spürbar. Viele junge Menschen suchen ihren Weg zur Überwindung eines enttäuschenden Materialismus und entdecken die Realität der Transzendenz: Wahrheit, Schönheit und Güte."

Die Situation sei allerdings komplex, betonen die Generalsekretäre, denn mit diesem neuen Interesse an Religion entwickle sich auch ein wachsender religiöser Pluralismus, der in die Stoßrichtung des Säkularismus gehe und eine Schwächung des christlichen Glaubens herbeiführe.

Weitere Themen, die im Rahmen der Tagung besprochen wurden, waren verschiedene bioethische Fragen, darunter die Legalisierung von Euthanasie und embryonale Stammzellenforschung.

Ein besonderes Probleme bereite nach Angaben des CCEE die zunehmende Fragmentisierung in der Reflexion ethischer und religiöser Fragestellungen. Die Tatsache, dass Glaube und Moral - jenseits von der Suche nach einem „objektiven und nachprüfbaren Glauben“ - auf subjektive Erfahrungen gegründet werden, führe zur „Zersplitterung und Schwächung der Wahrheit“, die so eine „leichte Beute für totalitären Mächte“ werde.

Bedenklich sei außerdem, dass die Antwort auf vielfach aufgeweichte religiöse und ethische Positionen „die Gefahr im Sinne der raschen Reaktion eines starren Fundamentalismus heraufbeschwört, der für neue Schismen anfällig ist“, mahnen die Generalsekretäre des CCEE in ihrer Schlusserklärung.

Bei der Tagung wurden auch Überlegungen zum Religionsunterricht und zur Situation des Islams in Europa abgestellt. Sorgen im Hinblick auf die vermehrte Präsenz des Islams bereite vor allem die Tatsache, dass in der öffentlichen Meinung „vor allem aufgrund des Terrorismus nicht mehr davon ausgegangen wird, dass der Islam in sich eine gute Sache ist".

Des Weiteren tauschten sich die Generalsekretäre über die Erfahrungen mit dem ständigen Diakonat aus, die Vorbereitungen zum Weltjugendtag in Sydney, zum Paulus-Jahr und zur Weltbischofssynode über das Wort Gottes, die im Oktober im Vatikan stattfinden wird.

Darüber hinaus wurden bei der Tagung auch ökumenische Fragen thematisiert, insbesondere die Auswirkungen der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung, die im September 2007 im rumänischen Sibiu (Hermannstadt) abgehalten worden war.

„Natürlich sind wir keine christliche Gesellschaft mehr, aber es gibt immer noch eine große Chance, die christliche Vision der Wirklichkeit zu verkünden“, heiß es in Bezug auf Europa zum Schluss der Botschaft aus Covadonga, einem sagenumwobenen Ort in Spanien, der nur 70 Einwohner zählt.

„Christen haben eine Chance: Es kommt darauf an, dass sie den christlichen Glauben so bezeugen, das er einen eindeutigen Vorteil für die Menschheit bietet." Zu diesem Zweck müsse die Kirche „in ihrem eigenen inneren Leben der Versuchung der Säkularisierung zu widerstehen lernen“ und Zeugin des auferstandenen Christus werden. Nur so könne sie dem Alten Kontinent „Gott in Demut und Freiheit zurückschenken und sich in den Dienst der Begegnung zwischen den Europäern und Jesus Christus stellen“.

In Europa gebe es „einen Raum für diese gesunde Identität und den ernsthaften Vorschlag von Dialog und Glauben", wird in der Erklärung bekräftigt.

Angesichts der europäischen Völkergemeinschaft und ihrer „Verantwortung gegenüber den Menschen heute“ gehe es um eine „Vertiefung des Netzwerkes von Beziehungen und der Gemeinschaft zwischen den Bischofskonferenzen in Europa“. Nur mit Hilfe dieser Strategie könne eine „sinnvolle Antwort auf diese großen Fragen" geleistet werden.

Von Inmaculada Alvarez. Aus dem Spanischen übertragen durch Angela Reddemann und Dominik Hartig