Salus Populi Romani

Die älteste und bedeutendste Marienikone Roms

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 462 klicks

Am heutigen Fronleichnamstag wird Papst Franziskus eine Messe in Santa Maria Maggiore halten, dem Ort, an den es den Pontifex immer wieder hinzieht, um bei der dort aufbewahrten Marienikone „Salus Populi Romani“ zu beten. Die Ikone gilt als die älteste und bedeutendste Marienikone Roms, deren Entstehung im syropalästinensischen Raum des 6. Jahrhunderts oder früher vermutet wird. Die Ikone befindet sich in der Cappella Paolina der Basilika.

Die der Legende nach vom Evangelisten Lukas gemalte, in jedem Fall aber antike Marienikone, wurde vermutlich wie viele andere Ikonen im Laufe des 8. Jahrhunderts vor dem Bildersturm gerettet und nach Italien gebracht, wie der Patriarch Germanos berichtet. Nach einer Studie des Kunsthistorikers Gerhard Wolf kann das Gemälde in seiner ursprünglichen Form in die Spätantike datiert werden, der jetzige Zustand geht auf eine Übermalung im 13. Jahrhundert zurück, die auf mehreren ältere Überarbeitungen basiert. Sie wurde in der Basilika Santa Maria Maggiore aufbewahrt und von der römischen Bevölkerung als Maria la romana (Maria, die Römerin) und als Salus Populi Romani (Beschützerin des römischen Volkes) verehrt. Die Worte Salus Populi Romani gehen auf die heidnische römische Antike zurück. Die Prätoren baten die Götter um das Heil des Römischen Volkes, der Gott des Wohlergehens wurde auch als Salus Populi Romani bezeichnet.

Die Maße der auf eine Zedernholztafel gemalten Ikone betragen 117 × 79 cm. Maria trägt einen goldgesäumten dunkelblauen Mantel über einer purpurroten Tunica. Die griechischen Buchstaben oberhalb der Darstellung identifizieren sie als „Mutter Gottes“. Der Jesusknabe hält ein Buch in seiner linken und segnet mit der rechten Hand. Die zusammengelegten Hände der Maria identifizieren dieses Bild als eine frühe Ikone. Der Typus der Hodegetria entwickelte sich im 10. Jahrhundert insofern weiter, als dass Maria mit der Rechten auf Christus zeigt. Sie hält das Kind eng bei sich und bietet es weniger dem Betrachter dar als in anderen Marienbildern. Da Maria in ihrer Hand eine Mappa (oder Mappula, eine Art besticktes zeremonielles Taschentuch) hält, die als kaiserliches Symbol galt, wird ihr königlicher Status als „Regina Caeli“ betont, wenngleich sie keine Krone trägt.

Die frühe Verehrung des Bildes geht auf das 8. Jahrhundert zurück, wo bereits die Produktion von Kopien der Ikone einsetzte. Hinzu kommt ihre Rolle am Fest Mariä Himmelfahrt in Rom. Über viele Jahrhunderte befand sich die Ikone über der Tür zum Baptisterium der Basilika, später versetzte man sie in das Langhaus der Kirche, seit dem 13. Jahrhundert stand sie in einem Marmortabernakel. Seit 1613 befindet sich die Ikone an ihrem heutigen Aufstellungsort, im Altar der Cappella Paolina, der eigens für sie erbaut wurde. Bereits seit dem 15. Jahrhundert, wenn nicht gar früher, gilt die Ikone als wundertätig.

Die Ikone war – und ist – das bevorzugte Marienbild mehrerer Päpste. So ließ Papst Gregor der Große sie 593 durch Rom tragen, um für das Ende der Pest zu bitten, 1571 betete Papst Pius V. zu ihr für den Sieg in der Schlacht von Lepanto, 1837 betete Papst Gregor XVI. zu der Ikone für das Ende der Choleraepidemie. Am 3. April 1899 feierte der spätere Papst Pius XII., Eugenio Pacelli, seine erste Heilige Messe einen Tag nach seiner Priesterweihe vor der Ikone und ließ sie 1953 durch Rom tragen, um das erste marianische Jahr der Kirchengeschichte zu eröffnen, 1954 krönte Pius XII. sie bei der Einführung eines neuen Marienfestes. Johannes Paul II. übergab der Jugend der Welt eine Kopie der Ikone, die das Weltjugendtagskreuz begleitet. Papst Franziskus bat einen Tag nach seinem Amtsantritt vor der Ikone für sein Pontifikat und kehrt regelmäßig zu ihr zurück, um vor wichtigen Reisen und Terminen vor ihr zu beten.