"Sanctissimus vir cunctis virtutibus pollens Gregorius"

Gregor von Einsiedeln (?-996), Abt

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 316 klicks

Gregor von Einsiedeln gehört zu den bedeutenden Persönlichkeiten aus ottonischer Zeit. Die einzige Quelle zur Vita des Abtes bietet die Lebensbeschreibung des heiligen Wolfgang, die Othlo von Sankt Emmeram verfasste.

Gregor von Einsiedeln stammte aus England. 949 schloss er sich den Benediktinern an und wurde 964 Abt des Klosters Einsiedeln. Im Zusammenhang mit dem Kloster Einsiedeln wird Gregor auch erstmals 965 urkundlich erwähnt. Am 23. Januar 965 garantierte Kaiser Otto I. nämlich dem Kloster Wahlrecht und Immunität. Die Wertschätzung für Gregor wird in der Beschreibung des Abtes als „sanctissimus vir cunctis virtutibus pollens Gregorius“ (Gregor, ein sehr heiliger Mann, reich an allen Tugenden) in einer Quelle des 11. Jahrhunderts deutlich.

Gregor kümmerte sich nicht nur um den dank der zahlreichen Schenkungen möglichen Ausbau des Klosters Einsiedeln, er förderte auch die Errichtung weiterer Klöster. Mit Hilfe Gregors wurde das Kloster Petershausen in der Nähe von Konstanz aufgebaut. 983 war es von Bischof Gebhard II. von Konstanz gegründet worden, und die ersten dort lebenden Mönche stammten aus Einsiedeln.

Die meisten Informationen über Gregor sind legendarisch, da die Vita später weiter ausgeschmückt wurde. Bei Othlo heißt es über Gregor: „Zu jener Zeit stand den Mönchen dieses geistlichen Ortes ein Pater vor, der aus England stammte, mit Namen Gregor, der in jungen Jahren Vaterland, Eltern und auch seine Verlobte zurücklassend, zum Kloster eilte. Sein sehr religiöses Leben, das hier nicht dargestellt werden soll, lassen wir aus, damit wir nicht vom Vorhaben abkommen.“ [1]

Aus Gregor, der sicher einer sozial hochstehenden Familie entstammte, wurde in den Legenden ein englischer Königssohn, der auf der Pilgerfahrt nach Rom eine Vision hatte. Der Überlieferung zufolge soll Gregor dazu angehalten worden sein, sich zur Zelle des heiligen Meinrad nach Einsiedeln zu begeben. Dann habe er Eberhard getroffen und mit ihm gemeinsam das Kloster Einsiedeln gegründet.

Die Geschichte des Klosters Einsiedeln geht tatsächlich auf Meinrad zurück, der 835 als Einsiedler von der Insel Reichenau nach Einsiedeln gezogen war. Ihm schlossen sich mit der Zeit weitere Einsiedler an, und 934 gründeten sie das Kloster. An den Gründer des Klosters, Meinrad, erinnern auch heute noch die beiden Wappentiere des Klosterwappens. Die zwei Raben weisen auf die Ermordung Meinrads im Jahr 861 hin. Meinrad hatte die beiden Tiere gezähmt. Um den Mord zu sühnen, verfolgten die beiden Raben die Mörder Meinrads bis nach Zürich, wo sie gestellt wurden.

Gregor von Einsiedeln blieb bis zu seinem Tode am 8. November 996 im Kloster von Einsiedeln, wo auch seine Gebeine bis zum 16. Jahrhundert in einem Schrein ruhten. In der Reformation wurden sie entnommen und einige von ihnen 1609 wiedergefunden. 1798 fielen die sterblichen Überreste jedoch dem Einfall der französischen Soldaten zum Opfer.

Das Kloster Einsiedeln ist heute eines der bedeutendsten Klöster und Wallfahrtsorte in der Schweiz. Die Anlage zählt zu den wichtigsten kultur- und kunstgeschichtlichen Kulturgütern aus der Barockzeit nördlich der Alpen.

*

FUSSNOTE

[1] „In illis autem diebus coenobitis loci ipsius spiritualis praefuit pater, Anglorum gente procreatus, nomine Gregorius, qui iuvenilibus annis patriam, parentes, feminam quoque sibi desponsatam relinquens, ad monasterium convolavit. Cuius vitam religiosissimam, quia non opus est hic retexere, praetermittimus, ne a proposito deviemus.“