„Sanctorum Mater – Mutter der Heiligen“: Neue Richtlinien für Selig- und Heiligsprechungsprozesse

Ortsbischöfe werden zu größerer Achtsamkeit ermutigt

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ROM, 18. Februar 2008 (ZENIT.org).- Mehr Sorgfalt und Aufmerksamkeit seitens der Ortsbischöfe in der diözesanen Phase der Aufnahme einer Seligsprechungsprozesses, mehr Klarheit hinsichtlich der Prozeduren zur Feststellung von Wundern: Zu diesen wesentlichen Punkten äußert sich die Instruktion „Sanctorum Mater“ der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Das 86 Seiten lange Schreiben wurde heute, Montag, vom Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal José Saraiva Martins, im Rahmen einer Pressekonferenz im Vatikan vorgestellt.



Kardinal Saraiva Martins hatte den Inhalt des Dokuments bereits in einem Interview mit der vatikanischen Zeitung „Osservatore Romano“ im Januar dieses Jahres vorweggenommen (ZENIT berichtete). Zu den ersten Entscheidungen des Pontifikats Benedikts XVI. habe es gehört, so der Kardinal im Interview,  die Zeremonie der Seligsprechung in der jeweiligen Diözese feiern zu lassen, was mit einer größeren Verantwortung für die diözesanen Instanzen bei der Aufnahme eines Prozesses verbunden sei.

Die neue Instruktion handelt in erster Linie, so heißt es in der Einleitung, „von den diözesanen oder eparchalen Untersuchungen, die den heroischen Tugendgrad oder das Martyrium des Dieners Gottes betreffen. Bevor entschieden wird, dass der Prozess aufgenommen wird, muss der Bischof einige Nachforschungen anstellen, die für seine Entscheidung grundlegend sind“. Wird ein Verfahren tatsächlich eröffnet, bestehe der nächste Schritt in der Untersuchung der verschiedenen Texte. Danach müssten die Nachforschungen zu einem Abschluss geführt und die entsprechenden Akten an die Kongregation geschickt werden, die dann die römische Phase des Prozesses in Angriff nehme: „das heißt das Studium und definitive Urteil des Prozesses selbst“.

Die Instruktion ist in sechs Teile gegliedert und beschreibt detailgetreu alles, was der Diözesanbischof tun muss, um die diözesane Phase eines Seligsprechungsprozesses zu beginnen und zu ihrem Abschluss zu führen.

Der erste Teil betont die Notwendigkeit eines echten Rufes der Heiligkeit zur Aufnahme der Verfahrens. Dabei werden die Rolle und Aufgaben des Betreffenden, des Postulators und des zuständigen Bischofs näher erläutert. Der zweite Teil beschreibt die dem Prozess vorausgehenden Phasen bis zur Erlangung des „Nulla obstat“ durch die Kongregation. Der dritte Teil handelt von der Durchführung des Prozesses und der vierte über die Modalitäten, die bei der Sammlung der Beweis-Dokumentation  zu verfolgen sind. Der fünfte Abschnitt nimmt die durch „Zeugnisse“ dokumentierbaren Beweise in den Blick, und der sechste Abschnitt enthält schließlich Anweisungen über die Schlussinstanzen der diözesanen Phase.

Die neue Instruktion ist nach Worten von Kardinal Saraiva Martins deshalb notwendig geworden, da 25 Jahre nach der Promulgation der aktuell geltenden Bestimmungen durch Johannes Paul II. sichtbar geworden sei, dass einige Richtlinien in einigen Diözesen nicht immer verstanden und somit nicht immer mit der notwendigen Genauigkeit in die Praxis umgesetzt worden seien. Dadurch habe sich für die Kongregation die Notwendigkeit ergeben, Klärungen zu liefern und die diözesanen Kurien aufzufordern, Irrtümer zu korrigieren. Darüber hinaus sei festzustellen, dass eine Diözese nicht immer auf gut ausgebildete Personen mit praktischer Erfahrung in den verschiedenen Bereichen eines Kanonisierungsverfahrens zählen könne.

Kardinal José Saraiva Martins präzisierte auch ein Element, das zu Missverständnissen geführt hat. Mit dem Inkrafttreten der aktuellen Gesetzgebung der Kanonisierungsverfahren habe sich die Vorstellung verbreitet, dass die traditionelle prozessuale Methodologie durch eine historisch-kritische Untersuchung ersetzt worden sei. An der Wurzel dieser Verwirrung, so der Kardinal, stehe wahrscheinlich die Tatsache, dass der lateinische Begriff „inquisitio“, mit dem die Prozedur in der diözesanen Phase bezeichnet wird, im Italienischen mit dem Wort „Untersuchung“ („inchiesta“) übersetzt werde. Diese Übersetzung habe verschiedene Bedeutungen zugelassen. Von daher bekräftige die Instruktion nun eindeutig die prozessuale Natur der Verfahren und hebe die Normen hervor, die beachtet werden müssten, auch wenn in der italienischen Übersetzung das Wort „Untersuchung“ („inchiesta“) beibehalten werde.

Als vierten Grund für die neue Instruktion verwies der Präfekt der Kongregation darauf, dass es für einige nicht klar gewesen sei, dass eine ernsthafte und strenge Verifizierung des Rufes der Heiligkeit oder des Martyriums („fama sanctitatis vel martyrii“) eine absolut notwendige Pflicht darstelle, die in den Aufgabenbereich der Diözese falle. Dies bedeute, dass der Prozess nur eröffnet werden dürfe, wenn es unwiderlegbare Beweise dafür gebe, dass der Diener Gottes bei einer konsistenten Anzahl von Gläubigen im Ruf der Heiligkeit oder des Martyriums stehe.

Das Dokument sei im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt worden, so Kardinal Saraiva Martins, weil es „weite Verbreitung verdient“. Darüber hinaus soll auf diese Weise besonders die Aufmerksamkeit der Postulatoren auf die Instruktion gelenkt werden. Der Präfekt erwäge auch eine Studientagung, bei der gerade den Postulatoren das Dokument in seinen Details vorgestellt werden soll.

Der Kardinal betonte, dass es sich um sehr wichtige Neuerungen handle, die dazu geeignet seien, in wirksamer Weise die Theologie der Ortskirche zu betonen, wie sie vom II. Vatikanischen Konzil hervorgehoben worden sei.

Die Zahl der heute der Kongregation vorliegenden Selig- und Heiligsprechungsprozesse beläuft sich auf über 2200.