Saudi-Arabien: Vier Christen nach Gebetstreffen verhaftet

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RIAD, 20. Juni 2006 (ZENIT.org).- Am 9. Juni wurden vier afrikanische Christen in Dschidda (Saudi-Arabien) von zehn Polizisten überrascht und festgenommen, weil sie zusammen mit rund hundert weiteren Personen in einer Privatwohnung an einem christlichen Gebetstreffen teilgenommen hatten.



Die Nachricht über die Inhaftierung der Afrikaner, von denen zwei aus Äthiopien und zwei aus Eritrea stammen und die nach wie vor im Gefängnis sitzen, kommt ursprünglich von der Nachrichtenagentur "Compass Direct" und wurde von "AsiaNews" und "Radio Vatikan" weiter verbreitet.

Zeugen berichteten davon, dass die Polizisten die Wohnung betreten und dort drei Stunden lang auf das Ende des Gebetstreffens gewartet hätten, um die vier Hauptverantwortlichen festzunehmen. Freunde hätten mit den Inhaftierten telefoniert, und es gehe ihnen physisch und psychisch gut. Nähere Einzelheiten über die Haftbedingungen seien nicht zu erfahren gewesen.

In Saudi-Arabien sind der Besitz von Bibeln, Kreuzen, Gebetsbüchern und Rosenkränzen genauso verboten wie das Abhalten von Gebetstreffen in den eigenen vier Wänden, sofern die Teilnehmer nicht ausschließlich dem engsten Familienkreis angehören. Die islamische Religionspolizei führt insbesondere in der Weihnachts- und Osterzeit Razzien durch. Laut "Radio Vatikan" kommt es in Saudi-Arabien noch regelmäßig zu Kreuzverhören, Folterungen und Zwangsinhaftierung.

Unter den 22 Millionen Einwohnern Saudi-Arabiens befinden sich heute rund sechs Millionen ausländische Arbeiter. Die Regierung bemüht sich darum, diese so weit als möglich aus der islamischen Nachbarschaft zu rekrutieren, vor allem aus Pakistan, Ägypten sowie den afrikanischen Staaten der Sahelzone. Christen sind in verschiedenen beruflichen Positionen zu finden: in schlecht bezahlter Schwerarbeit, als Haushaltshilfen, aber auch in der Sparte der Fachkräfte. Sie machen rund vier Prozent der Gesamtbevölkerung aus und bilden somit die größte nicht-islamische Religionsgemeinschaft.