Sauerteig sein, heißt: mehr werden, nicht weniger

Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis 2014

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 459 klicks

In diesen Jahren sollen in Deutschland etwa siebenhundert Kirchen abgerissen oder zweckentfremdet werden. Man muss sich diese Zahl einmal auf der Zunge zergehen lassen. Allein in dem kleinen Bistum Essen ca. hundert Kirchen, im Bistum Hildesheim siebzig.

Das ist ja doch etwas anderes, als wenn man irgendwo eine Fehlplanung korrigieren muss. Für viele Menschen, besonders auch für die nicht kirchlich gebundenen, ist das eine Bankrotterklärung, aus der ein Fernstehender automatisch den Schluss ziehen muss: mit der Kirche geht es zuende, es wird auch nicht bei den siebenhundert bleiben. Und der nächste Gedankenschritt: das Christentum ist ein Auslaufmodell, die Zukunft gehört anderen Weltanschauungen. Die Muslime stehen schon bereit.

Im heutigen Sonntagsevangelium spricht Jesus in einem Gleichnis davon, dass ein Sämann seine Saat auf einen Acker ausgestreut hat, die Saat dann aufgeht, dass dann aber mit der guten Saat auch das Unkraut mitwächst. Seinen Knechten sagt der Bauer, dass man das Unkraut bis zur Ernte zusammen mit dem Weizen aufwachsen lassen soll. Das Unkraut wird zwar den Weizen stören, aber bei der Ernte wird dann alles geklärt sein.

Und Jesus erzählt ein weiteres Gleichnis, das vom Senfkorn, das das kleinste unter den Samenkörnern ist, dass aber, wenn es erst einmal ausgewachsen ist, ein großer Baum wird, in dem die Vögel des Himmels nisten können.

Und noch ein drittes Gleichnis. Eine Frau mischt einen Sauerteig unter einen großen Trog Mehl. Mit dem Ziel, dass der Teig sich ausdehnt und groß wird.

Alle drei Gleichnisse wollen ausdrücken, dass das Reich Gottes, die Kirche, sich ausbreiten und trotz vielfältiger Widerstände wachsen und reifen soll.

Dass die Kirche schrumpft oder sogar untergeht, wie vor Jahrhunderten in Nordafrika oder auf dem Balkan, ist zwar vorgekommen, aber das geschah niemals aufgrund von gescheiten Planungen und vernünftigen Rationalisierungsmaßnahmen, sondern war jeweils eine fürchterliche Katastrophe.

Dass Christen ihre Gotteshäuser freiwillig abgeben, ist für viele Gläubige, aber mehr noch für die Außenstehenden Zeichen der Selbstaufgabe.

“Die Kirche, die einmal Träger der Zivilisation, der Kultur und der gesellschaftlichen Entfaltung war, zieht sich aus der Fläche zurück… Geräumt werden jahrhundertealte Positionen, Orte, an denen einmal die Christianisierung des Landes begann, Knotenpunkte abendländischer Kultur” (Dankwart Guratzsch).

“Aber was sollen wir denn machen”, fragen die Verantwortlichen in den Bistümern, “wir haben keine Gläubigen, die die Räume füllen könnten? Und dann die Kosten für Pflege und Erhaltung ungenutzter Kirchen!” Das grenzt an Heuchelei, denn die Kirche in Deutschland ist reich.

Ein Kirchenmann, der seinen Glauben ernst nimmt, sagte neulich: “Wenn ich die Verantwortung hätte, würde ich jede Kirche, die nicht benutzt wird, sorgfältig verschließen und schützen, anfallende Reparaturen durchführen und - auf bessere Zeiten warten. Dann wird sie wieder geöffnet”.

Der Grundfehler, der gemacht wird, ist der, dass man davon ausgeht, dass die Situation kontinuierlich schlechter wird. So ähnlich wie seinerzeit Malthus das Bevölkerungswachstum der Menschheit ins Unermessliche projizierte, nur weil es eine Zeitlang einen ungewöhnlichen Zuwachs gegeben hatte.

In der Geschichte der Kirche hat es immer wieder Zeiten des Niedergangs gegeben, die aber regelmäßig von Perioden der Erneuerung und des Wachstums abgelöst wurden.

Der Herr spricht in den drei Gleichnissen vom Wachstum. Da er nun mal der Herr der Kirche ist, und jeder seelsorgliche Erfolg von seiner Gnade abhängt, müssen wir uns darauf verlassen, dass es auch wieder bergauf geht.

Unser Anteil ist nicht in erster Linie planen und rechnen, sondern glauben und vertrauen.

Wer ein übriges tun will, kann sich das Fatima-Ereignis von 1917 anschauen (man ist bekanntlich nicht verpflichtet, an solche Phänomene zu glauben, auch wenn die Kirche sie anerkannt hat, aber manchmal lohnt es sich). Dort hat die Gottesmutter prophetisch geredet, und das ist belegbar: so hat sie im Juli 1917 vorausgesagt, dass “Russland seine Irrtümer auf der ganzen Welt verbreiten wird”. Was im Anschluss an die Oktoberrevolution 1917 tatsächlich geschah.

Ferner sagte sie, neben einigen anderen nicht genügend beachteten Voraussagen, dass “am Ende”, also dann wenn alle Irrungen und Wirrungen unserer Epoche vorbei sind, “ihr Unbeflecktes Herz triumphieren” würde und der “Welt eine Zeit des Friedens geschenkt werden würde”.

Mit anderen Worten: es geht mit der Kirche nicht immerzu bergab. Sie wird im Gegenteil einen ungeahnten Aufschwung erleben.

Dann werden wir den verkauften und vernichteten Kirchen nachtrauern.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).