SBK veröffentlicht erste Umfrageergebnisse

Klare Tendenzen ablesbar

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 243 klicks

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) veröffentlichte erste Ergebnisse der Umfrage, die sie im letzten Dezember zur Familien-, Ehe- und Partnerschaftspastoral durchgeführt hatte.

An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 25.000 Personen, von denen 92 Prozent der katholischen Kirche angehören und 95 Prozent in der Schweiz leben. Durchschnittlich haben die Teilnehmer ein Alter von 54 Jahren. 47 Prozent der Befragten sind Männer, 53 Prozent Frauen, und zwei Drittel von ihnen haben Kinder.

Die Tatsache, dass viele der Teilnehmer Fragebögen aus den kirchlichen Medien verwendeten, lässt darauf schließen, dass es sich um kirchennahe Teilnehmer handelt. Dafür spricht auch, dass ein Großteil die kirchliche Heirat und die christliche Erziehung der Kinder befürwortet.

Auch wenn noch nicht alle Bögen ausgewertet werden konnten, lassen sich bereits erste Tendenzen und Ergebnisse ablesen.

80 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für eine kirchliche Eheschließung und die Einbeziehung des Glaubens in das Leben aus. 97 Prozent wünschen eine christliche Erziehung der Kinder. „Der Glaube spielt im Bereich der Familie und in der Kindererziehung eine große Rolle, auch wenn die Eltern dies nicht immer ausdrücklich formulieren (können). Ein kirchenstatistischer Beleg für die hohe Bedeutung des Glaubens im Bereich der Familie ist die Taufe, die in der Schweiz immer noch eine sehr hohe Zustimmung findet“, so die SBK.

Klare Kritik der Teilnehmer hingegen wird deutlich im Bereich der kirchlichen Lehre über die Familie, die Ehe und die Sexualität.

Fast 90 Prozent der Befragten befürworten die kirchliche Anerkennung und Segnung der Partnerschaften geschiedener Wiederverheirateter. „Prioritäres Anliegen der Bischöfe und der Kirche in der Schweiz ist der Wunsch nach Überwindung der ausschließenden und als unbarmherzig und unchristlich verstandenen Praxis im Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten. Diese wird von den Befragten aus religiösen Gründen und mit ausdrücklichem Bezug auf christliche Kernaussagen zurückgewiesen.“

Rund 60 Prozent der Teilnehmer befürworten eine kirchliche Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Im Gegensatz zum Thema der geschiedenen Wiederverheirateten lässt sich in diesem Punkt kein Konsens feststellen, sondern den Befürwortern steht eine Gruppe entgegen, die die kirchliche Anerkennung klar ablehnt. „Für die Kirche und für die Kirchenleitung stellt sich hier die schwierige Aufgabe, eine Lösung zu finden, die dieser Differenz der Auffassungen gerecht wird und den seelsorglichen Bedürfnissen der lesbischen und schwulen Paare, denen die religiöse Gestaltung und Anerkennung ihrer Paarbeziehung ein wichtiges Anliegen ist, entgegen kommt.“

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Thema der Verhütung. Die Umfrage ergab: „Das lehramtliche Verbot der künstlichen Methoden der Schwangerschaftsverhütung steht fernab zur Praxis und zu den Auffassungen der allermeisten Katholikinnen und Katholiken.“ Sehr deutlich zeigen sich Vorbehalte gegenüber der kirchlichen Lehre zur Familie. „Setzt man diese kirchenkritischen Ergebnisse mit dem grundsätzlichen Wunsch zu einer auch kirchlich-religiös geprägten Partnerschaft, Ehe und Familie ins Verhältnis, zeigt sich die dringende Notwendigkeit, den Status der kirchlichen Lehre über die Familie in Kirche und Seelsorge neu zu bewerten. … Nicht zuletzt sollte das Wissen um das Missverhältnis zwischen der Offenheit vieler Gläubiger für eine religiöse Prägung von Partnerschaft, Ehe und Familie einerseits und ihrer Ablehnung und ihrem Unverständnis gegenüber weiten Teilen der Lehre andererseits bei der Entwicklung pastoraler Angebote berücksichtigt werden.“ Der Ehevorbereitung wird kein gutes Zeugnis ausgestellt. Auch bei Krisen in Ehe und Familie scheint die Kirche kaum als hilfreicher Ansprechpartner wahrgenommen zu werden.

Die bisherige Auswertung brachte ein weiteres erstaunliches Ergebnis zutage. Die Beteiligten stimmen in ihren Aussagen trotz der Unterschiedlichkeit der Gruppen, – Männer und Frauen, junge und alte Menschen, drei Sprachräume –, überein. „In keiner Frage öffnet sich ein Generationenkonflikt, es gibt keinen Kampf der Geschlechter, keinen Röstigraben, keine bedeutsame ökumenische Differenz zwischen den christlichen Konfessionen und auch keine relevante Unterschiedlichkeit der Antworten aus der Schweiz und aus dem Ausland.“

Die weitere Analyse der Ergebnisse wird das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) vornehmen. Möglich wäre beispielsweise eine zielgruppenspezifische Auswertung.