Scheidung und Kinder: Neue Studie bestätigt unwiderruflichen Schaden

Trennungen als Schwächung der fünf Grundsäulen der Gesellschaft angesehen

| 2213 klicks

Von Pater John Flynn LC

ROM, 13. Februar 2012 (ZENIT.org). - Jedes Jahr sind in den Vereinigten Staaten über eine Million Kinder die unschuldig Betroffenen der Scheidung ihrer Eltern. Eine Scheidung verursache zwar immer auch Leid für die Eltern, doch seien es die Kinder, die besonders stark darunter litten, so das Ergebnis neuester Untersuchungen.

Die Erkenntnisse stammen aus der Studie „Auswirkungen einer Scheidung auf Kinder" von Patrick F. Fagan und Aaron Churchill, die im Januar vom "Marriage and Religion Research Institute" veröffentlicht wurde.

Gestützt auf eine Vielzahl von bereits publizierten Untersuchungen zu den Folgen von Scheidungen nimmt diese Studie mehrere Bereiche unter die Lupe, wo die Scheidung den Kindern Schaden zufügt. Zunächst wird die Eltern-Kind-Beziehung betrachtet. Wie zu erwarten, beeinträchtigt eine Scheidung die Fähigkeit der Eltern, mit ihren Kindern eine Beziehung aufrecht zu erhalten.

Eine Studie ergab, dass der durch Scheidung ausgelöste Stress in mehr als 40 Prozent der Fälle die Mutter-Kind-Beziehung beschädigt. Bei Kindern, die noch in die Schule gehen oder studieren, sei dieses Defizit besonders deutlich.

In der Praxis bedeutet dies, dass Kinder nach der Scheidung weniger emotionalen Beistand, finanzielle Unterstützung und Hilfe von Seiten ihren Eltern erhalten. Ferner sei ein Rückgang in Bezug auf Ansporn zu akademischen Leistungen, Stolz, Zuneigung und Förderung der sozialen Reife zu verzeichnen. Weniger Spielzeug und eine Zunahme an körperlicher Züchtigung seien weitere Folgen für Kinder von geschiedenen Eltern.

Die meisten Kinder, rund 90 Prozent, blieben nach der Scheidung bei ihren Müttern. Für die Väter sei es folglich zunehmend schwierig, eine enge Bindung zu ihren Kindern aufrecht zu erhalten, berichtet die Studie. In einer Befragung antwortete nahezu jedes zweite Kind, es habe den eigenen Vater im vergangenen Jahr nicht gesehen.

Religion

Ein weiterer Aspekt, der von Fagan und Churchill untersucht wurde, ist die Auswirkung einer Scheidung auf die Religionsausübung der Kinder. Laut Ergebnissen der Studie nehme mit der Scheidung die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Kinder ihre Glaubensausübung beenden.

Der Verlust der Religionsausübung führe dazu, dass Kinder einen Mangel an der heilsamen Wirkung von Religion in ganz unterschiedlichen Bereichen erlitten, beispielsweise hinsichtlich Ehestabilität, Bildung, Einkommen sowie physischer und psychischer Gesundheit.

In einem Teil der Studie wurde ermittelt, was mit den schulischen und akademischen Ergebnissen der Kinder geschieht, wenn sich ihre Eltern scheiden lassen. Auf Grundschulebene sei ein unmittelbarer Rückgang der schulischen Leistungen zu verzeichnen.

Auf der Ebene der weiterführenden Schulen erzielen Kinder aus intakten Familien deutlich bessere Testergebnisse als Kinder von geschiedenen Eltern. Ein Beispiel der Untersuchung zeigte, dass im Alter von 13 Jahren zwischen Scheidungskindern und Kindern aus intakten Familien in Bezug auf die Lesefähigkeit durchschnittlich ein Unterschied von einem halben Jahr vorliege.

Unter den zitierten Forschungsarbeiten ist auch eine Studie, die zum Ergebnis kommt, dass Kinder aus geschiedenen Familien im Vergleich zu Kindern aus intakten Familien mit einer um 26 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit die Schule abbrechen. Zudem könne auch eine erneute Heirat eines geschiedenen Elternteils die negativen Auswirkungen der Scheidung auf die schulischen Leistungen nicht aufheben.

Die Nachteile aus der Scheidung ziehen sich bis zur Hochschule fort. Fagan und Churchill erwähnen eine Untersuchung, die ergab, dass 33 Prozent der Schüler aus geschiedenen Familien die Universität besuchten, während es bei Kindern aus intakten Familien 40 Prozent seien.

Angesichts der Auswirkungen auf die Bildung verfügten die von der Scheidung ihrer Eltern Betroffenen nicht unerwartet auch über ein geringeres Einkommen und weniger Vermögensgegenstände und erlägen mit höherer Wahrscheinlichkeit einer wirtschaftlichen Notlage.

Ferner analysierten Fagan und Churchill die sozialen Auswirkungen der Scheidung. Eine Scheidung verursache Kosten nicht nur für die Familien, sondern auch für den Staat und die Gesellschaft. Kinder aus geschiedenen Familien würden deutlich häufiger straffällig; so seien sie zum Beispiel in Schlägereien verwickelt, an Raubüberfällen beteiligt oder machten von Drogen Gebrauch.

Stabilität

„Eine Scheidung hat verheerende Auswirkungen auf die psychische Stabilität vieler Kinder", besagt die Studie mit Verweis auf durchgeführte Befragungen unter Schülern der siebten und achten Klasse, die zum Ergebnis kommen, dass die Scheidung der Eltern auf einer Liste von 125 Lebensereignissen an dritter Stelle der einschneidendsten Erlebnissen stand. Nur der Tod eines Elternteils oder eines nahen Familienangehörigen wurden als noch belastender genannt.

Zudem gehe diese psychologische Folge nicht vorbei. Wer als Kind eine Scheidung miterlebt habe, sei auch als Erwachsener eher von emotionalen und psychischen Problemen betroffen.

Zunehmende Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung seien weitere Konsequenzen der Scheidung. Eine Studie aus Brasilien ergab, dass Kinder in Stieffamilien mit Stiefvätern 2,7 Mal häufiger missbraucht werden als Kinder in intakten Familien.

Die Studie kommt zum Schluss, dass Kinder noch lange nach der Scheidung leiden, während die geschiedenen Eltern oftmals nach der Trennung Erleichterung finden. In der Tat sind die Auswirkungen noch Jahrzehnte lang, in einigen Fällen bis zu 30 Jahren nach der Scheidung, spürbar.

„Eine Scheidung hat tiefgreifende schwächende Auswirkungen auf Kinder und auf die fünf Grundsäulen der Gesellschaft: Familie, Kirche, Schule, Arbeitsmarkt und Regierung“, schlussfolgerten Fagan und Churchill.

Aufgrund der hohen Scheidungsraten der heutigen Zeit werden sich die negativen Konsequenzen über die kommenden Jahre hinweg fortsetzen. Kein beruhigender Gedanke angesichts der Tatsache, dass die westliche Gesellschaft wiederholt Zeuge wird von Angriffen auf das Familienleben sowie von Versuchen, die Ehe neu zu definieren.

[Übersetzung des englischen Originals von Sabrina Toto]