Schimpfwörter in einer Predigt?

Man sollte immer eine positive Botschaft mitteilen

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 355 klicks

Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Wortwahl bei der Predigt.

Frage: Ich nahm vor kurzer Zeit an einer Messfeier teil. Während der Predigt (bei der es um unseren Glauben als katholische Christen ging) benutzte der Priester nicht nur einmal, sondern zweimal Schimpfwörter („Zum Teufel mit...!“, aus einem Zitat von Flannery O'Connor und dann eine etwas persönlichere Ermahnung: „Wir sind verdammte Idioten!“). Ich muss sagen, dass ich mich für den Rest der Messfeier sehr unwohl gefühlt habe und dass es so demotivierend war, dass ich mich noch spät abends beim Gebet der Komplet darüber ärgerte. Ich arbeite sehr hart an mir, um keine Schimpfwörter zu benutzen – was in der Gesellschaft, in der wir leben, wo wir solchen Dingen kaum entrinnen können, immer schwieriger wird. Gibt es Umstände, die den Gebrauch von Schimpfwörtern akzeptabel machen? -- D.B., Pittsburgh, Pennsylvania

P. Edward McNamara: In diesem Fall befinden wir uns eher im Bereich persönlicher Meinungen als strikter Regeln.

Zunächst muss man einräumen, dass das, was man unter Schimpfwörtern versteht – wenigstens teilweise –, von lokalen Gepflogenheiten abhängt. Bestimmte Worte, die unter gewissen Umständen als vulgär gelten, könnten unter anderen Umständen einfach als nachdrückliche Betonung verstanden werden.

Deswegen sollte ein Priester aufmerksam darauf achten, wofür man vor Ort sensibel ist, und es vermeiden, Worte und selbst Zitate zu verwenden, die einen Teil der Zuhörer in Aufregung versetzen könnten. Sollte andererseits ein Priester, der auf Besuch ist, ein Wort benutzen, das Stirnrunzeln oder entgleiste Mienen hervorruft, sollte man dies wenigstens zu seinen Gunsten auslegen und annehmen, dass er sich gewisser sprachlicher Feinheiten nicht bewusst ist.

Das gilt noch mehr, wenn man im gleichsprachigen Ausland ist oder die Sprache wechseln muss. Mehr als einmal habe ich es miterlebt, wie Kleriker auf Besuch, ohne es zu wollen, aufgrund von unglücklich gewählten, zweideutigen Ausdrücken, die in ihren Herkunftsländern vollkommen harmlos waren, alles Mögliche – von Schockreaktionen bis hin zu einem Gekicher – hervorgerufen haben.

Anders verhält es sich, wenn ein Prediger in seiner Homilie absichtlich ein Schimpfwort verwendet. Das sollte meiner Meinung nach vermieden werden, selbst wenn man damit eine Idee unterstreichen wollte. Obwohl ich nicht glaube, dass dies ein allgemein verbreitetes Problem ist (wohl eher nicht), werde ich versuchen, die Gründe kurz darzulegen.

In erster Linie vertritt ein Priester während der Opferfeier auch beim Predigen Christus und sollte daher Ausdrücke, die des Herrn nicht würdig sind, vermeiden. Es ist allerdings auch wahr, dass der Herr manchmal Menschen, die sich seiner Botschaft widersetzten, mit anschaulichen und kräftigen Ausdrücken beschimpft hat, um sie in ihrer Selbstgefälligkeit zu erschüttern. Doch würde man im Evangelium vergeblich nach geschmacklosen oder unangemessenen Worten suchen.

Zweitens: Der Zweck der Predigt besteht darin, Christi Botschaft den Gläubigen zu vermitteln. Deswegen sollte der Priester sich darum bemühen, das, was er mitteilt, auf die bestmögliche Weise mitzuteilen und daher alles vermeiden, was den Gläubigen die Annahme der Botschaft und deren Aufnahme in ihr Leben erschweren könnte.

Endlich besteht die Pfarrgemeinde aus Gläubigen aller Altersstufen – und Priester sollten ein Beispiel für alle sein. Es wäre schade, wenn Eltern, die ihre Kinder dem Film „Elterliche Anleitung“ (Parental Guidance) nicht aussetzen, die gleichen Worte bei der Messfeier vorfänden.

Papst Franziskus geht in seinem apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ auf dieses spezifische Thema nicht ein. Ich glaube aber, dass die Richtlinien, die er in Bezug auf die Predigt erwähnt, zeigen, dass man immer eine positive Botschaft mitteilen und bewusst all das weglassen sollte, was ein Teil der Gläubigen an einer Predigt als befremdlich empfinden könnte.

Er sagt zum Beispiel:

„135. […] Die Homilie ist der Prüfstein, um die Nähe und die Kontaktfähigkeit eines Hirten zu seinem Volk zu beurteilen. In der Tat wissen wir, dass die Gläubigen ihr große Bedeutung beimessen; und sie, wie die geweihten Amtsträger selbst, leiden oft, die einen beim Zuhören, die anderen beim Predigen. Es ist traurig, dass das so ist. Dabei kann die Homilie wirklich eine intensive und glückliche Erfahrung des Heiligen Geistes sein, eine stärkende Begegnung mit dem Wort Gottes, eine ständige Quelle der Erneuerung und des Wachstums.“

„137. […] Es gibt eine besondere Wertschätzung für die Homilie, die aus ihrem eucharistischen Zusammenhang herrührt und sie jede Katechese überragen lässt, da sie den Höhepunkt des Gesprächs zwischen Gott und seinem Volk vor der sakramentalen Kommunion darstellt. Die Homilie nimmt den Dialog auf, der zwischen dem Herrn und seinem Volk bereits eröffnet wurde. Wer predigt, muss das Herz seiner Gemeinde kennen, um zu suchen, wo die Sehnsucht nach Gott lebendig und brennend ist und auch wo dieser ursprünglich liebevolle Dialog erstickt worden ist oder keine Frucht bringen konnte.“

„139. Wir haben gesagt, dass das Volk Gottes durch das ständige Wirken des Geistes in ihm fortwährend sich selber evangelisiert. Was bringt diese Überzeugung für den Prediger mit sich? Sie erinnert uns daran, dass die Kirche Mutter ist und zum Volk so predigt wie eine Mutter, die zu ihrem Kind spricht im Bewusstsein, dass das Kind darauf vertraut, dass alles, was sie es lehrt, zu seinem Besten ist, denn es weiß sich geliebt. Außerdem weiß die gute Mutter alles anzuerkennen, was Gott in ihr Kind hineingelegt hat, hört seine Sorgen an und lernt von ihm. Der Geist der Liebe, der in einer Familie herrscht, leitet die Mutter ebenso wie das Kind in ihren Gesprächen, wo gelehrt und gelernt wird, wo man korrigiert und das Gute würdigt; und so geschieht es auch in der Homilie. Der Heilige Geist, der die Evangelien inspiriert hat und der im Volk Gottes wirkt, inspiriert auch die rechte Art, wie man auf den Glauben des Volkes hören muss und wie man in jeder Eucharistie predigen muss. Die christliche Predigt findet daher im Herzen der Kultur des Volkes eine Quelle lebendigen Wassers, sei es, um zu wissen, was sie sagen soll, sei es, um die angemessene Weise zu finden, es zu sagen. Wie es uns allen gefällt, wenn man in unserer Muttersprache mit uns spricht, so ist es auch im Glauben: Es gefällt uns, wenn man im Schlüssel der „mütterlichen Kultur“, im Dialekt der Mutter zu uns spricht (vgl. 2 Makk 7,21.27), und das Herz macht sich bereit, besser zuzuhören. Diese Sprache ist eine Tonart, die Mut, Ruhe, Kraft und Impuls vermittelt.“

„140. Dieser mütterlich-kirchliche Bereich, in dem sich der Dialog des Herrn mit seinem Volk abspielt, muss durch die herzliche Nähe des Predigers, die Wärme des Tons seiner Stimme, die Milde des Stils seiner Sätze und die Freude seiner Gesten gefördert und gepflegt werden. Auch in den Fällen, wo die Predigt sich als etwas langweilig herausstellt, wird sie, wenn dieser mütterlich-kirchliche Geist gegeben ist, immer fruchtbar sein, so wie die langweiligen Ratschläge einer Mutter mit der Zeit im Herzen der Kinder Frucht bringen.“

Etwas weiter voran im Text gibt er Priestern praktische Ratschläge, um ihnen bei der Vorbereitung der Predigt zu helfen und in diesem Zusammenhang weist er auch darauf hin, dass man dem Gebet, der Reflexion und dem Studium die notwendige Zeit widmen muss (Nr. 145). Weiterhin muss man beim Versuch, den Text in seiner Bedeutung zu verstehen, die nötige Ehrfurcht vor der Wahrheit mitbringen (Nr. 146-148).

Schließlich erinnert er an Folgendes: „Der Prediger muss auch ein Ohr beim Volk haben, um herauszufinden, was für die Gläubigen zu hören notwendig ist. Ein Prediger ist ein Kontemplativer, der seine Betrachtung auf das Wort Gottes und auch auf das Volk richtet.“ (Nr. 154).

Wenn wir Priester die Botschaft des Heiligen Vaters uns zu Herzen nehmen, wird das sicher die Qualität unseres Predigtdiensts verbessern und die Freude des Evangeliums verbreiten. 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel http://www.zenit.org/en/articles/profanity-in-a-homily