Schlüssel zu einer gelungenen Kommunikation der Kirche

Kardinal Burke: Kommunikationsarbeit ist Ausdruck der Lebendigkeit des Glaubens

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ROM, 19. April 2012 (ZENIT.org). – Glaubensberichte und authentische Zeugnisse sind der Schlüssel zu einer gelungenen Kommunikation in der Kirche, ebenso wie die Figur des „Social Media Managers“ als einem „neuen Berufsbild“ im Rahmen der Verwaltungstätigkeit in den kirchlichen Institutionen denkbar sei. Diesen  Punkt thematisierte heute der spanische Kardinal Gustave Entrala, Gründer und Direktor der Werbeagentur 101 anlässlich des letzten Workshops im Rahmen des VIII. Fachseminars zu den Kommunikationsstellen der Kirche an der Päpstlichen Universität „Santa Croce".

Den letzten Redebeitrag leistete Kardinal Raymond Burke, Präfekt des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur, mit einer Rede zu folgendem Thema: „Comunicazione e giustizia: quando i casi legali diventano notizia“ (Kommunikation und Recht: wenn Gerichtsfälle in die Schlagzeilen kommen).

In einer vollkommen säkularisierten Gesellschaft werde „die Tatsache, dass die Kirche Inhalte verkündet, die sie für wahr hält, beispielsweise in Zusammenhang mit dem Gesetz der Moral, als dem Wohl der Gesellschaft abträglich empfunden oder als Ursache für die Unterdrückung anderer betrachtet“. Eine der wichtigsten Herausforderungen für die Kommunikationsbeauftragten in Institutionen sei es, „im Glauben das Wesen jener Kirche hinterfragen zu können, die seit ihrer Gründung den Willen des Vaters in Ergebenheit befolgt, wie es sie Jesus, ihr Gründer, gelehrt hat“, erläuterte der Kardinal.

Dir Kirche „ist dazu aufgerufen, ein Spiegel der Gerechtigkeit in der Welt zu sein“, damit der Bereich Kirche, inklusive der kanonischen Abläufe, „nicht nur kein Hindernis in der Kommunikation des katholischen Glaubens darstellt“, sondern vielmehr „ein adäquater Ausdruck ihrer Vitalität“.

Der Sekretär des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, Bischof Juan Ignacio Arrieta., führte aus, die Rechtssprache „soll auf Begriffe der Wahrheit reduziert werden, die kommunizierbar sind“, und dasselbe gelte für die Führungsentscheidungen in der Kirche. Demnach müsse „im Einklang mit der jahrhundertelangen kanonischen Tradition die Vernunft zu einem der charakteristischen Merkmale einer Entscheidung auf höchster Ebene werden“,  In seinem Beitrag schilderte er die bei der Entscheidungsfindung in den Organen der Kirche angewandte Praxis und ging dabei vor allem auf die normativen Dokumente und auf seine praktischen Erfahrungen bei der Leitung ein.

Im Anschluss an die Rede von Bischof Arrieta zur Eröffnung  des Programms am zweiten Tag (Dienstag, dem 17. April) fand ein Workshop über die Bedeutung der audiovisuellen Sprache bei der institutionellen Kommunikation in der Kirche statt. Darüber sprachen der Präsident der Catholic Radio Association in den Vereinigten Staaten, Stephan Gajdosik, und der deutsche Filmemacher Marcus Vetter.

Stephen Gajdosik betonte, dass die „Synergie der katholischen Medien“ einen positiven Nutzen bringen, aber ebenso als Rezept „für eine gelungene Kommunikation“ zu sehen seien. In diesem Zusammenhang spiele das Radio „eine entscheidende Rolle, das ebenso wie das Fernsehen eine sehr starke Wirkung auf die Menschen hat.“

Marcus Vetter ortete den Schlüssel „zur Überwindung von Vorteilen und zur Kommunikation der Wahrheit“ in der persönlichen Begegnung. Es sei wichtig, „dem anderen im Geiste der Brüderlichkeit und mit Offenheit zu begegnen“, und auf diese Weise „mit realitätsfernen Vorurteilen und Stereotypen brechen.“

Als ein weiteres umfassendes Kommunikationsprojekt wurde im Rahmen des Seminars das Projekt Vatican Insider vorgestellt, und zwar von dessen Erfinder höchstpersönlich: Mario Calabresi, dem Direktor der italienischen Tageszeitung La Stampa. Die Initiative entsprang „der Idee, dank der Zusammenarbeit der kundigsten Kirchenexperten ein seriöses und vorurteilsfreies Informationsmedium zu schaffen, eine glaubwürdige Informationsquelle mit weltweiter Verbreitung.“

Den Abschluss des zweiten Tages bildete ein runder Tisch mit den Direktoren der Kommunikationsbüros der Tschechischen Bischofskonferenz, der Erzdiözesen von Wien und Lyon und der Diözese Chur. Diese berichteten über ihrer Erfahrungen bei den „Berichten über die Kirche anhand von Gesichtern und Bildern“.

„Wir brauchen ein neues Projekt, das gelebte Glaubenserfahrungen weitergibt. Interesse kann nur dann geweckt werden und die Herzen können nur dann berührt werden, wenn der Schlüssel dazu qualifizierte Personen sind, die sprechen, überzeugen und sich einem Publikum präsentieren können“, erklärte Michael Prüller von der Erzdiözese Wien.

Monika Vyvodova von der Tschechischen Republik präsentierte das Projekt Jsem Katolik (Ich bin katholisch), das darauf abzielt, mit Hilfe von authentischen Zeugen eine Verbreitung des Glaubens in einem eher agnostischen Land zu bewirken; einem Land, das durch ein geringes Vertrauen in die Institutionen gekennzeichnet ist und dessen Anteil an Katholiken nur eine Million (10 Prozent der Bevölkerung) beträgt. 

„Was der kirchlichen Kommunikation heute fehlt, ist Reaktionsfähigkeit; die Fähigkeit, einem Problem oder einer herausfordernden Frage auf kommunikative Weise zu begegnen, d.h. sein Glaubenszeugnis auf vorbereitete Weise abzugeben“, ergänzte Giuseppe Grazia von der Diözese Chur.

Spiegel-Journalist Matthias Matussek lieferte einige Betrachtungen zur letzten Papstreise nach Deutschland. Juan Martín Ezratty, der Direktor des Digito Identidad Visual (Argentinien), zeigte abschließend ein Video mit dem Titel „Zehn Fragen an einen Priester“, einen Dokumentarfilm über die pastoralen Erfahrung einiger argentinischer Priester.

Das dreitätige Seminar umfasste etwa 30 Vorträge. Sie kreisten alle um fünf große Themenbereiche: die Reaktion auf Streitigkeiten (der Konflikt zwischen Israel und Palästina, der apostolische Zölibat, Sexualmoral), Kommunikationsideen und –projekte, Erfahrungen im Bereich „Mediatraining“, Strategien zur Verbesserung der Websites, Kirche und „Social Media“.

Die Teilnehmer wohnten außerdem der Generalaudienz am Petersplatz mit Benedikt XVI. bei und trafen mit dem Direktor des vatikanischen Pressebüros, Pater Federico Lombardi, zusammen, der ihnen von einigen „Gesichtern, Personen und Geschichten“ auf den Papstreisen berichtete.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]