Schmerz, Einsamkeit und Vertrauen auf Gott

Zitate aus Ijob während der Exerzitien der Römischen Kurie

Rom, (ZENIT.org) | 1336 klicks

Der Glaube, das Leiden, die Einsamkeit: dies waren einige der Themen, die Kardinal Gianfranco Ravasi während der Meditationen am Mittwoch und Donnerstag in den Geistlichen Exerzitien für den Heiligen Vater und die Römische Kurie erwähnt hatte.

Während sich der Präsident des Päpstlichen Kulturrates in den ersten Tagen vor allem auf die Offenbarung Gottes konzentriert hatte, sprach er am Mittwoch besonders über die Antwort des Menschen auf den Ruf Gottes, der besonders in der Freiheit bestehe „sich von ihm umarmen zu lassen oder sich von ihm zu entfernen.“

Psalm 131 drücke diese Haltung des Gläubigen besonders aus und habe mit der „Spiritualität der Kindlichkeit“ zu tun, erklärte Ravasi. Dieser Psalm bezeuge, dass „die authentische Treue zu Gott nicht blinder Gehorsam ist“, sondern freie „vollständige Hingabe“.

Emblematisch sei in diesem Zusammenhang die Erfahrung Abrahams, der im Namen „des reinen ganzen Glaubens“ seinen Sohn Isaak opfern wollte, der sich später zum „Sohn der Verheißung entpuppte.“

Der Glaube an die Kindlichkeit, sei kein „Kindisch-Sein“, sondern bedeute, den Lehren Jesu zu folgen, der „uns dazu einlädt, klein wie die Kinder zu werden, um in das Himmelreich einzugehen.“

Die Natur des Kindes sei auch sein spontanes Vertrauen zum Erwachsenen, zu den Eltern. Das Kind könne mit einer „symbolischen“ und nicht „analytischen“ Sicht der Wirklichkeit die Wahrheit spüren, die es auf die „wesentlichen Dinge“ konzentriert, immer im „hingebenden Vertrauen“. Wie auch Georges Bernanos festgehalten habe, könne man die Kindheit nur mit der Heiligkeit wiederherstellen.

In diesem Sinne seien die Gebete zweier großer Konvertiten von Bedeutung, die in den letzten zwei Jahrhunderten gelebt haben. Die hl. Teresa Benedicta vom Kreuz (ihr jüdischer Name war Edith Stein) erfuhr dies so: „Nach einer langen Nacht brach das Morgengrauen an, das Reich Gottes, Freude, die aus dem Leiden kam.“

John Henry Newman seinerseits schrieb während einer Schiffüberfahrt die Gebetsverse: „Leite mich, geliebtes Licht, inmitten der Schatten leite Du mich. Die Nacht ist dunkel, und mein Heim ist fern: leite mich.“

In der folgenden Meditation stellte sich Ravasi dem Thema des Schmerzens des Menschen im Angesicht Gottes. Das Leiden, so unterstrich der Biblist, habe nicht nur eine „physiologische Wirklichkeit“ sondern auch eine „existentielle“, „bewusste“, „philosophische“, „psychologische“ und „theologische“. Die Erfahrung des Leidens ist „radikal und grundlegend.“

Der Psalm 38 spreche von der Eitelkeit, nicht im ästhetischen Sinne des Kohelet, sondern im entleerten Sinn. Der Psalmist spreche von der Zerbrechlichkeit des Menschen, die mit einem „Hauch“ vergleichbar sei. Seine Zunge verkünde: „Herr, tu mir mein Ende kund und die Zahl meiner Tage! Lass mich erkennen, wie sehr ich vergänglich bin!“ (Ps 38). Es sei eine Erfahrung, die die Verzweiflung Jobs aufzeige (vgl. Job 10).

Es gebe enorme Provokationen in unserer zeitgenössischen Gesellschaft, die einen Blickwinkel der Vergänglichkeit habe, eine Tendenz „nur das zu präsentieren, das aufstrebt und perfekt ist.“

Das Fernsehen beispielsweise informiere uns über viele Dinge, könne uns aber nicht die Vergänglichkeit zeigen, wenn sich das Leben sich als zerbrechlich und leidvoll herausstelle, erklärte Ravasi.

In seiner Meditation am Donnerstag ging Ravasi dann auf die Einsamkeit, die Abwesenheit Gottes, das Nichts ein. Dieses Nichts generiere einen „praktischen Atheismus“. Abwesenheit und Nichts seien aber keine Synonyme, vielmehr vermittelten die Abwesenheit eine „Nostalgie nach Gott“, das Nichts sei aber eine Leere, die „unsere zeitgenössische Gesellschaft kennzeichnet.“

Dies komme auch durch den Unterschied von Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit zum Ausdruck. Wenn es etwas gebe, was nicht da sei, aber vorher da war, dann entstehe eine gewisse Nostalgie; nur wenn von vorneherein nichts da gewesen sei, dann sei es wirklich ein Nichts.

Der Psalm 22 antworte gerade auf die Hoffnung, die in einer Nostalgie glimme: „Du wirst mir antworten“. Diese Bitte sei ein Bitten um Gnade. „Unsere Gebete fallen nie ins Nichts“, betonte Ravasi.