Schon vor der Erschaffung der Welt hatte Gott seinen Plan mit uns, kannte uns und wollte uns

Jeder einzelne von uns hat die Bestimmung, sein Kind zu werden

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 20. Juni 2012 (ZENIT.org). – Die beiden großen Hymnen des hl. Paulus am Beginn des Epheserbriefes und am Ende des Briefes an die Römer standen heute im Zentrum der Katechese bei der Generalaudienz mit über 8.000 Pilgern in der Halle Pauls VI., bei der Papst Benedikt XVI. seine Katechesenreihe über das Gebet in der Apostelgeschichte fortsetzte. Nachdem er sich in den vergangenen Katechesen mit dem Bittgebet beschäftigt habe, gehe er jetzt zum Gebet als Lobpreis und Dank über, erklärte der Papst.

Der große Hymnus zu Beginn des Epheserbriefes sei ein Loblied auf den Heilsplan des Dreifaltigen Gottes, der nichts Verborgenes oder gar Unheimliches sei. Bereits vor der Erschaffung der Welt seien wir von ihm erwählt worden, wie es auch der Prophet Jeremias sagt, und es sei unsere Bestimmung, Kinder Gottes zu werden. Davon sei niemand ausgeschlossen. Auch unsere Berufung zur Heiligkeit sei in diesem Plan enthalten. Heilig sei, wer den Glauben lebe, und es gelte, Gottes „Spur zu sehen in der Gestalt der Heiligen – nicht nur derer, die auf Altären abgebildet sind, sondern die leise und unerkannt unter uns leben“. Die Menschen seien geschaffen worden, damit die göttliche Liebe sich in uns entfalte und wir sie dadurch in die Welt tragen könnten. Im Gebet gelte es, „wach zu werden -nicht nur für unsere Nöte und Bedürfnisse, nicht nur für die äußeren, materiellen Dinge, sondern wach zu werden für den lebendigen Gott; seine Spur zu sehen in der Schönheit der Schöpfung.“

„Die Betrachtung des Heilwirkens Gottes im Gebet erleuchtet unser Leben und lässt uns in der Liebe zum Herrn und zu unseren Mitmenschen wachsen. So können wir Licht in das Dunkel der Welt bringen“, so der Papst.

Gott habe uns das Geheimnis seines Willens in Jesus Christus kundgetan, der unsere menschliche Befindlichkeit angenommen, das Mensch-Sein „verkostet“ habe bis zu seinem Kreuzesopfer für unsere Erlösung.

Das Kreuzesopfer sei ein einmaliges Geschehen, das nicht wiederholt werde, womit die Sünde „abgewaschen“ wurde, damit wir „Eigentum Gottes“ werden. In Jesu Opfer habe Gottes Liebe zu uns seinen Höhepunkt gefunden. Diese Erlösung habe sich in der Welt immer wieder erneuert.

Durch den Vater seien wir auserwählt, durch den Sohn erlöst. Der Heilige Geist sei der Anteil dieses Erbes der Erlösung, das Siegel, das „Gottes Plan bleibende Gültigkeit in der Geschichte verleiht.“

„Die Menschwerdung und das Kreuzesopfer Jesu zeigen uns, wie groß und einzigartig die Liebe Gottes zu uns ist. Durch das Blut Jesu Christi haben wir die Erlösung und die Vergebung der Sünden. Der Heilige Geist ist schließlich der erste Anteil dieses Erbes, der Erlösung, durch die wir Gottes Eigentum werden und an seiner Herrlichkeit Anteil erhalten.“

Im täglichen Gebet lernten wir, immer an der Quelle alles Guten zu bleiben. Trotz unserer Untreue sei Gottes Treue zu uns immer eine Ermutigung. Das Gebet mache uns auch frei von allem Egoismus, von Besitz- und Machtgier und wecke den Wunsch, Gott zu lieben und ihm zu dienen.

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung der Katechese:]

Unter den Gebeten des Apostels Paulus, die ich in diesen Wochen etwas auszulegen versuche, möchte ich heute den Hymnus aus dem ersten Kapitel des Epheserbriefes herausgreifen. Es ist ein Loblied auf den göttlichen Heilsplan, auf das Wirken des Dreifaltigen Gottes. Paulus preist Gott dafür, dass er uns in seinem Sohn „das Geheimnis seines Willens“ kundgetan hat (V. 9), dass der Wille Gottes für uns nicht mehr etwas Verborgenes – Unheimliches vielleicht – ist. Wir kennen ihn, weil er ihn gezeigt hat. Und dieses Geheimnis seines Willens lautet: Er hat „uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott“ (V. 4). Das heißt, immer schon sind wir im Plan, in den Gedanken Gottes. Noch bevor die Welt geschaffen ist, kennt er uns und will er uns. Und die Berufung zur Heiligkeit geht alle an. Keiner ist von dieser universalen Berufung ausgeschlossen. Und mehr noch, Gott hat uns aus Liebe dazu bestimmt, seine Kinder zu werden durch Jesus Christus (vgl. V. 5). Die Menschwerdung und das Kreuzesopfer Jesu Christi zeigen uns, wie groß die Liebe Gottes zu uns ist, so dass er selbst gleichsam das Menschsein erproben und durchstehen und durchleiden wollte bis in den Tod hinein. Er ist nicht fremd, fern in ewiger Herrlichkeit. – Er hat das Menschsein verkostet und bleibt Mensch. Der Heilige Geist schließlich ist der erste Anteil dieses Erbes, der Erlösung, durch das Christus bei uns bleibt (vgl. V. 14). Noch sind wir alle unterwegs zur endgültigen Erlösung. Aber der Heilige Geist ist das Siegel, das Gottes Plan bleibende Gültigkeit verleiht. So lädt uns dieses Gebet ein, wach zu werden – nicht nur für unsere Nöte und Bedürfnisse, nicht nur für die äußeren, materiellen Dinge, sondern wach zu werden für den lebendigen Gott; seine Spur zu sehen in der Schönheit der Schöpfung, seine Spur zu sehen in der Gestalt der Heiligen – nicht nur derer, die auf Altären abgebildet sind, sondern die leise und unerkannt unter uns leben; wach zu werden dafür, dass er uns mag, dass er uns bei sich will, dass wir den Willen Gottes erkennen, der uns angenommen hat und annimmt, und das wir mit ihm mitgehen auf dem Weg der Erlösung, der sich dadurch ereignet, dass wir ihm näher werden und ihm nahe sind und so lebendige Teile seiner Familie.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Gerne grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Die Betrachtung des Heilswirkens Gottes im Gebet erleuchtet unser Leben und lässt uns in unserem Menschsein, in der Liebe zu Gott und so auch zu den Mitmenschen wachsen, weil wir dann in jedem Menschen das vielleicht verborgene, aber doch nie zerstörte Bild Gottes sehen. So können wir Licht in das Dunkel der Welt bringen. Ihnen allen wünsche ich von Herzen eine gesegnete Zeit in Rom und schöne Ferien.

[© 2012 - Libreria Editrice Vaticana]