Schönheit der Tugend: Impuls zum 25. Sonntag im Jahreskreis

Zumutung für den kritisch denkenden Zeitgenossen?

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 28. September 2012 (ZENIT.org). - Das Evangelium des heutigen 26. Sonntags i.J. stellt uns auf eine Probe: Werden wir die Inhalte der Rede und des Handelns Jesu relativieren oder werden wir das alles ernst nehmen? Mit anderen Worten, können wir uns und dem kritisch denkenden Zeitgenossen zumuten, dass er das alles für bare Münze nimmt:

- Dämonen austreiben,

- Wunder tun,

- eher mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen werden, als zum Bösen zu     verführen,

- besser die Hand abhacken und

- das Auge ausreißen, wenn es einen zum Bösen verführt, und schließlich die Rede von der

 -Hölle, wo ihr Wurm nicht stirbt, und das Feuer nicht erlischt?

Starker Tobak, nicht wahr?

Wir sind es vom Herrn gewohnt, dass er zu den Sündern und den Schwachen äußerst gütig und nachsichtig  ist, dass er dagegen die Pharisäer und Schriftgelehrten meist sehr hart herannimmt. Ja, oft beschimpft er sie (“Natterngezücht, Schlangenbrut, Heuchler” etc.). Er verhält sich ihnen gegenüber nicht deswegen so, weil er sie hasst oder verachtet. Nein, er liebt sie wie er alle Menschen liebt. Er will nun mal, dass alle gerettet werden, auch die Pharisäer. Aber er weiß, dass er sie mit Milde nicht erreichen kann. Sie würden ihn nicht verstehen und seine Botschaft nicht ernst nehmen. Um ihre Herzen befindet sich ein dicker Panzer von Eigenliebe und Stolz, der sie unempfindlich macht für das Gute.

Das wird der Grund dafür sein, dass Jesus auch in diesem Zusammenhang, wo es um die Unschuld der Kinder und die Tugend der Reinheit geht, nicht zimperlich ist, weil er weiß, wie leicht wir Menschen dieses Thema nicht beiseite tun. Und da das in jedem Jahrhundert so ist, sind seine für alle Zeiten aufgezeichneten Worte eben bewusst schockierend, damit wir sie ernst nehmen.

Was die Verführung von Kindern und Jugendlichen betrifft, haben wir in jüngster Zeit schreckliche Erfahrungen machen müssen, leider auch im Raum der Kirche. Aber wieder einmal haben wir nicht dazu gelernt. Man hat die Täter in puncto sexueller Missbrauch gesucht und bestraft, weil die Not der Opfer zu offenkundig war. Aber von der Sache her hat man das Problem nicht angepackt.. Wenn man Jahre vor den Missbrauchsfällen Sex mit Minderjährigen nicht nur verharmlost, sondern sogar als etwas Positives gefordert hatte, lag darin genau die Haltung, die Jesus geißelt. Und wer sagt uns, dass solche lockeren Forderungen in einigen Jahren, wenn die Sache vergessen ist, nicht wieder aufgestellt werden?

Und das Wort vom Auge, das einen zum Bösen verführt, wird zumindest von der Pornoindustrie nach wie vor nicht so eng gesehen. Wir sind von einem Extrem ins andere gefallen: früher war viel zu viel verboten, heute ist viel zu viel erlaubt.

Wenn in den Schulen der Lehrer im Biologie-Unterricht mit einem sog. Aufklärungskoffer der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) bewaffnet den Kindern die Sexualität erklärt, so ist in den meisten Fällen (löbliche Ausnahmen hängen von der Person des Lehrers ab) eben nicht die Rede von dem Geheimnis des Lebens und der Würde der menschlichen Sexualität. Vielmehr – so beklagen es seit Jahrzehnten viele Eltern, wenngleich ohne jeden Erfolg – geschieht sehr häufig eine “Verführung der Kleinen”, weil ihnen die Scham genommen wird und ihnen der Eindruck vermittelt wird, Sexualität sei in erster Linie ein Spaß, auf jeden Fall aber eine Notwendigkeit.

Natürlich haben wir die Altlasten von dreihundert Jahren glaubensfreier Aufklärung im Weltanschaulichen mit zu schleppen.

Da war nicht nur Gutes.

Es ist tatsächlich ein Mangel, wenn über Sexualität völlig wertfrei gesprochen wird. Dann fällt es den Menschen auch schwer zu erkennen, dass, wenn im Geschlechtlichen keine Grenzen gesetzt werden, auch das Leben selbst angegriffen wird, und oft nur der Ausweg bleibt, das ungewollt entstandene Menschenleben zu vernichten.

Jesus möchte keineswegs hart und unnachgiebig sein. Immer wieder weist er, wenn er böses Tun tadelt, auf die Schönheit der Tugenden hin, die dem Bösen entgegen gesetzt sind. Könnten wir doch immer wieder erkennen, dass es nicht in erster Linie darum geht, das Laster zu bekämpfen, sondern dass es vielmehr im Sinne des Herrn ist, wenn die entsprechende Tugend herausgestellt und zum Leuchten gebracht wird. Es geht nicht darum, immer wieder die Unreinheit zu thematisieren, sondern den Menschen, gerade den Jugendlichen vor Augen zu führen, wie schön die Tugend der Reinheit ist, und wie sie den Menschen erhebt und ihm eine Würde verleiht, die er – oft ohne es zu merken – verspielt, wenn er den Lockrufen der Verführer nachgibt.

Der Herr spricht im heutigen Evangelium von Dämonen, die ausgetrieben werden sollen. Natürlich ist der Feind des Menschengeschlechts ständig im Kampf gegen all das Edle, das der Schöpfer in den Menschen hineingelegt hat, so auch gegen die Tugend der Reinheit. Da brauchen wir – da wir tatsächlich schwache Menschen sind – Hilfe von oben. Sie kommt uns durch enorm starke Persönlichkeiten, die sich auf der gleichen Seinsebene wie die Dämonen befinden: die heiligen Engel.

Am Samstag feiert die Kirche das Fest der drei heiligen Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Sie sind mehr als bereit uns in diesem geistigen Kampf zu helfen. Wir müssen sie nur bitten.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe „Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen.