Schönheit und Kunst als wirksame Instrumente der Pastoral

Instrumentum laboris der Bischofssynode zur Familie

Rom, (ZENIT.org) Rodolfo Papa | 282 klicks

Um zur Schönheit zu erziehen ist es vonnöten, das Verständnis der Wahrheit zum Ziel zu haben. Die Erziehung der Familie erfordert einen Rückgriff auf starke Gründungsprinzipien. Wie Papst Franziskus stets betont, können das Wahre, das Gute und das Schöne nicht voneinander getrennt auftreten. Daher muss das vereinte Wirken aller Aspekte – Bildung, Erziehung und Katechese - von pastoraler Seite her gefördert werden. Im ersten Kapitel des zweiten Teils (Nr. 50-60) des „Instrumentum laboris“ (26. Juni 2014) der bevorstehenden Synode zur Familienpastoral wird ein interessanter Ablauf erkennbar. Ausgehend von der Verantwortung der Hirten und den charismatischen Geschenken wird ein Vergleich zwischen den aus den verschiedenen Kontinenten stammenden Ergebnissen zur Ehevorbereitung, zur Volksfrömmigkeit und zur Familienspiritualität gezogen (vgl. insbesondere Nr. 52 und 53).

Dabei zeichnet sich ein interessanter pastoraler Weg ab: „Ungeachtet dessen, dass Familien auseinanderfallen, haben die Marienverehrung, die Feste der Gemeinschaft, der Heiligen des Ortes als Gelegenheiten, welche die Familie zusammenführen, ihre Bedeutung. Neben dem Gebet des Rosenkranzes ist in einigen Gegenden auch der Angelus üblich; eine gewisse Bedeutung hat die peregrinatio Mariae, das Weitergeben einer Ikone oder Statue der Madonna von einer Familie zur anderen, von einem Haus zum anderen“ (Nr. 57).

Diese Analyse erhellt die Bedeutung eines glaubhaften Zeugnisses hervor: „Manche merken an, dass die Gemeinden vor Ort, die Bewegungen, und die religiösen Vereine zu selbstreferenziell sind und in der Gefahr stehen, in den Dynamiken der Pfarrei oder des Vereins stecken zu bleiben. Daher ist es wichtig, dass diese Realitäten den ganzen kirchlichen Horizont in missionarischer Perspektive im Blick behalten, um der Gefahr der Selbstbezüglichkeit zu entgehen. Die Familien, die zu diesen Gemeinschaften gehören, verrichten ein lebendiges Apostolat und haben viele andere Familien evangelisiert. Ihre Mitglieder haben ein glaubwürdiges Zeugnis für ein treues Eheleben, gegenseitige Wertschätzung und Einheit, Offenheit für das Leben abgelegt“ (Nr. 58).

Der Bereich des Zeugnisses gestaltet sich als via pulchritudinis: „Eine Schlüsselpunkt für eine authentische und wirksame Familienpastoral scheint schließlich das Zeugnis des Paares zu sein. Dieser Beitrag wurde in allen Antworten erwähnt. Wesentlich erscheint hier nicht nur ein mit den Prinzipien der christlichen Familie in Einklang stehendes Zeugnis, sondern auch ein Zeugnis der Schönheit und der Freude, die denjenigen geschenkt wird, die in Ehe und Familie die Verkündigung des Evangeliums annehmen. Auch in der Familienpastoral besteht das Bedürfnis, die via pulchritudinis zu gehen, d.h. den Weg den Zeugnisses, das voll ist von der Anziehungskraft einer im Licht des Evangeliums und in beständiger Einheit mit Gott gelebten Familie. Es geht darum, auch im Familienleben zu zeigen, dass „an ihn glauben und ihm nachfolgen nicht nur etwas Wahres und Gerechtes, sondern etwas Schönes ist, das sogar inmitten von Prüfungen das Leben mit neuem Glanz und tiefem Glück erfüllen kann“ (EG 167)“ (Nr. 59).

Diese Ausführungen offenbaren einen integrierten Pastoralvorschlag unter dem Einsatz der Methode der via pulchritudinis.

Zur Umsetzung dieser Pastoral müssen Priester, Geweihte und Laien zur Schönheit erzogen werden und mit den zur Betrachtung und Erkennung wahrer Schönheit hilfreichen philosophischen, theologischen und künstlerischen Werkzeugen ausgestattet werden.

Vor diesem Hintergrund muss in den Ausbildungsstätten des Klerus wie Seminaren, theologischen Fakultäten und päpstlichen Universitäten zugleich die Förderung von Erziehungsmaßnahme stattfinden, womit umgesetzt wird, was in der Konstitution über die heilige Liturgie des 2. Vatikanischen Konzils „Sacrosanctum Concilium“ vorgeschlagen wurde: „Die Kleriker sollen während ihrer philosophischen und theologischen Studienzeit auch über Geschichte und Entwicklung der sakralen Kunst unterrichtet werden, wie auch über die gesunden Grundsätze, auf die sich die Werke der sakralen Kunst stützen müssen. So sollen sie die ehrwürdigen Denkmäler der Kirche schätzen und bewahren lernen und den Künstlern bei der Schaffung ihrer Werke passende Ratschläge erteilen können“ (Nr. 129).  Diese einfache Empfehlung kann eine Hin-Öffnung auf das umfangreiche Thema der Schönheit als Mittel zur Erschließung und Abbild der Wahrheit bewirken – Aspekte, die in der Frage der sakralen Kunst enthalten sind.

Die Notwendigkeit einer Neuerziehung zur Schönheit, die von allen Päpsten im Laufe des 20. und nunmehr 21. Jahrhunderts thematisiert wurde, ist vor allem im gegenwärtigen postmodernen Zeitalter, in dem die Säkularisierung und die den Massenkonsumgesellschaften eigene Paganisierung zur Dehumanisierung des menschlichen Lebens und insbesondere der Ehe beigetragen haben, ein wesentliches Element in der Heranbildung zum Guten und zur Wahrheit.

Die Erziehung zur Schönheit impliziert vor allem eine philosophische Ausarbeitung hinsichtlich der Entwicklung eines Diskurses über die Kenntnis und Abbildung der mit der Schönheit verbundenen Wahrheit und des Guten. Der Zusammenhalt des Wahren, Guten und Schönen ist eine grundlegende Maßnahme für das menschliche Leben, für die Erfassung des den Dingen inhärenten Sinnes sowie deren Finalität.

Die Erziehung zur Schönheit, d.h. zur Anerkennung der Gegenwart, der Integrität, der Ordnung und der Finalität dient sowohl dem Genuss der Schönheit der Kunstwerke als auch dem Genuss und der Wertschätzung des moralischen Lebens des Menschen, der Schönheit der menschlichen Beziehungen, der Spiritualität des Inneren und daher des Ehelebens.

Als von großem Nutzen erweist sich die Gestaltung gesamter Malzyklen in Kirchen – Oratorien und den Versammlungsräumlichkeiten für die Laien der verschiedenen Gemeinden – in denen mit dem Ziel der Förderung einer pastoralen und karitativen Aktion spiritueller, katechetischer und moralischer Prägung vom Leben der Heiligen und von beispielhaften Lebenswegen aus allen Epochen und Kontinenten inspirierte Bilder des Ehelebens gezeigt werden: „In der gleichen Linie wird das besondere Zeugnis der Eheleute anerkannt, die ungeachtet der Probleme und Schwierigkeiten bei ihrem Partner bleiben“ (Nr. 60).

Aus diesem Grund muss ein Übergang von einer philosophischen und theologischen Erziehung zur Schönheit zu einer unmittelbar künstlerischen Erziehung stattfinden, damit auf sozialer und politischer Ebene eine bildende und vorbildhafte Vision entsteht, sodass die Schönheit der Dehumanisierung der oft von der Säkularisierung und dem Konsum hervorgebrachten Entstellungen entgegenwirken kann.

Schönheit braucht es gerade dort, wo man sie nicht für notwendig erachten würde; vor allem auf der sozial-politischen Ebene der gegenwärtigen Gemeinschaft.

Rodolfo Papa ist Dozent für Geschichte der Ästhetik an der päpstlichen Universität Urbaniana, Künstler und päpstlicher akademischer Ordinarius. Er zählte zu den Experten der 13. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode.

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