Schulbildung statt Armut

Im Nordosten Indiens investiert die Kirche in Schulen, um Abwanderung einzudämmen

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MÜNCHEN, 22. August 2012 (ZENIT.org/KIN). - Bettiah ist die Hauptstadt von West-Champaran, einem Distrikt im Bundesstaat Bihar im Nordosten Indiens. Die Region grenzt an Nepal. Bettiah ist Sitz einer katholischen Diözese, die Bischof Victor Henry Thakur seit 14 Jahren leitet.

Stolz verweist der 58-Jährige im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ auf die mehr als zweihundertjährige christliche Tradition seiner Heimat. Im Bundesstaat Bihar gelten die „Bettiah Christen“ als erste Gläubige der Region. 1745 hatte der italienische Kapuziner Joseph Maria Bernini hier eine erste Missionsstation gegründet. Später führten Jesuiten die Arbeit Berninis fort.

Nach den Worten von Bischof Thakur leben im Bistum Bettiah heute nur noch 8000 von ursprünglich rund 70 000 Katholiken. Die meisten Gläubigen hätten die Region auf der Suche nach Arbeit verlassen. Viele seien in andere Landesteile, nach Großbritannien oder in die USA gegangen. Wegen der für die Region typischen starken Regenfälle und monatelangen Überschwemmungen falle es vielen Einheimischen schwer, ihr Auskommen zu sichern.

Bischof Thakur zufolge sind die meisten Christen abhängige Landarbeiter und suchen deshalb ihr Glück in der Emigration. Für den Bischof liegt die Lösung auf der Hand: eine möglichst gute Schulbildung für die Kinder und eine Pastoral, die Familien, Frauen, Kinder und Jugendliche stärkt.

„Wir versuchen, den Eltern deutlich zu machen, dass ihre Kinder durch eine gute Schulbildung der Armut entkommen können“, betont Bischof Thakur. In der Diözese Bettiah betreiben das Bistum und verschiedene Ordensgemeinschaften 16 Grund- und neun weiterführende Schulen.

Deren Unterhalt aufzubringen, ist nach den Worten von Bischof Thakur schwieriger geworden, weil der Staat eine freie Ausbildung garantiert, von den Schulträgern zugleich aber immer höhere bauliche Standards fordert. „Das geht an der Realität vorbei und unterläuft unsere Arbeit, obwohl unsere Schulen auf dem Land ganz maßgeblich für Entwicklung sorgen“, so der Bischof.

Weite Teile der Infrastruktur in West-Champaran, wo Mahatma Gandhi 1917 eine seiner gewaltlosen Kampagnen gegen die britische Okkupation startete, sind bis heute äußerst dürftig. Die Stromversorgung sei mangelhalft, es fehle an befestigten Straßen, betont Bischof Thakur.

Große Sorge bereiten ihm zudem die steigende Kriminalität und der Menschenhandel. Beides werde durch die verbreitete Armut und die Nähe zu der sehr durchlässigen nepalesischen Grenze begünstigt. Die Kirche weise auf die Gefahren durch Schlepperbanden hin.

Nach den Worten von Bischof Thakur kommen die Gläubigen der verschiedenen Religionen in West-Champaran – Hindus, Muslime und Buddhisten sowie der christlichen Konfessionen – in der Regel gut miteinander aus.

„Kirche in Not“ unterstützt die Diözese Bettiah seit Jahren, unter anderem mit Existenzhilfen und Zuschüssen für die Reparatur von Kirchen und Schulen sowie zum Erwerb von Transportmitteln.