„Schule des Lebens“: Ansprache Benedikts XVI. beim Empfang der neuen Rekruten der Schweizergarde

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ROM, 5. Mai 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. heute, Montag, beim Empfang der Päpstlichen Schweizergarde gehalten hat.

Vor den Rekruten, die morgen angelobt werden, und ihren Angehörigen ging der Heilige Vater auf die wichtigsten Eigenschaften seiner Leibgarde ein. „Eure historischen Uniformen sprechen zu Pilgern und Touristen aus allen Teilen der Welt über etwas, das sich trotz allem nicht ändert, nämlich über euren Einsatz, Gott zu dienen, indem ihr dem Diener seiner Diener dient.“

 

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Herr Kommandant,
liebe Schweizergardisten,
liebe Familienangehörigen!

Anlässlich der jährlichen Zeremonie der Vereidigung, die morgen stattfinden wird, freut es mich, euch allen zusammen begegnen zu können, um den neuen Rekruten meine besten Wünsche auszusprechen und dem ganzen Korps der Päpstlichen Schweizergarde erneut meine Zuneigung und Dankbarkeit zu bekunden. Im Besonderen grüße ich den Kommandanten und den Kaplan, wobei ich ihnen mein Gebet für ihren anspruchsvollen Dienst zusichere; und ich schließe mit Freude in mein Angedenken die Obrigkeiten der Schweiz und die zahlreichen Familienangehörigen ein, die in diesen Tagen, liebe Gardisten, mit ihrer Gegenwart euer kleines Quartier im Vatikan mit Freude erfüllen. Es freut mich besonders, die vielen Kinder zu empfangen, die die schönsten Blumen eurer Familien sind und uns die besondere Liebe in Erinnerung rufen, die Jesus für die Kleinen hegte.

[Auf Deutsch fuhr der Heilige Vater fort:]

Vor zwei Jahren, im Jahr 2006, wurde mit festlichen Veranstaltungen die Fünfhundertjahrfeier der Gründung eurer Truppe begangen. Dies war eine gute Gelegenheit, einen Blick auf eure Geschichte zu werfen und dabei die großen Veränderungen des gesellschaftlichen Umfelds zu erfassen, in dem die Jahrhunderte hindurch der Heilige Stuhl gemäß dem Auftrag, den Christus dem Apostel Petrus anvertraut hat, lebt und wirkt. Gerade vor dem Hintergrund dieser eindrucksvollen Entwicklung tritt das noch mehr hervor, was sich nicht ändert – so auch die Identität eurer kleinen, aber qualifizierten Truppe, die dazu ausersehen ist, über die Sicherheit der Person des Papstes und seines Wohnsitzes zu wachen. Nach fünf Jahrhunderten ist der Geist unverändert, der junge Schweizer dazu bringt, ihr schönes Land zu verlassen, um für den Heiligen Vater im Vatikan Dienst zu leisten. Mit derselben Liebe legt ihr für die Katholische Kirche Zeugnis ab, und zwar mehr als mit Worten mit eurer Person, die dank der typischen Uniform an den Eingängen zum Vatikan und bei den Papstaudienzen gut erkenntlich ist. Eure historischen Uniformen sprechen zu Pilgern und Touristen aus allen Teilen der Welt über etwas, das sich trotz allem nicht ändert, nämlich über euren Einsatz, Gott zu dienen, indem ihr dem „Diener seiner Diener“ dient.

[Auf Französich sagte Papst Benedikt:]


Ich wende mich besonders an euch, liebe neue Hellebardiere. Versteht es vor allem, den christlichen und kirchlichen Geist aufzunehmen, der die Grundlage und der Antrieb eurer gesamten Tätigkeit ist. Entfalte euer Gebet und euer geistliches Leben immer mehr, indem ihr die wertvolle Gegenwart eures Kaplans nutzt. Seid offen, einfach und aufrichtig. Versteht es auch, die Unterschiede in Charakter und Persönlichkeit zu schätzen, die unter euch bestehen, weil unter der Uniform ein jeder eine einzigartige Person ist, die Gott dazu berufen hat, seinem Reich der Liebe und des Friedens zu dienen. Wie ihr wisst, ist die Schweizer Garde auch eine Schule des Lebens, und während der Erfahrung im Vatikan konnten viele eurer Vorgänger ihre Berufung entdecken: zur christlichen Ehe, zum Priestertum, zum Ordensleben. Dies ist ein Grund, um Gott zu loben, aber auch, um euer Korps hoch zu schätzen.

[Zum Abschluss sprach der Heilige Vater erneut Italienisch:]

Liebe Freunde, ich danke euch allen für die Großherzigkeit und Hingabe, mit der ihr im Dienst des Papstes tätig seid. Der Herr vergelte es euch und erfülle euch mit reicher himmlischer Gnade. Ich vertraue euch dem mütterlichen Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria an, die wir in diesem Monat Mai mit besonderer Hingabe verehren. Einem jeden von euch, den Obrigkeiten, den hier anwesenden Persönlichkeiten, euren Angehörigen, euch, und lieben Menschen spende ich von Herzen meinen Apostolischen Segen.

[ZENIT-Übersetzung der italienischen und französischen Passagen; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]