Schule muss ganzheitliche Ergänzung zum Elternhaus werden

Beitrag von Erzbischof Silavano Tomasi vor der UNESCO

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GENF, 5. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Die wahre Ausbildung beschränke sich nicht auf die reine Vermittlung von Wissen, sondern trage auch der emotionalen sowie geistigen Dimension des Kindes Rechnung, forderte der Vatikan vor der UNESCO in Genf.

Das verlange wiederum von der Schule, gerade diese ergänzende Rolle in ihr Selbstverständnis zu aufzunehmen, erklärte Erzbischof Silvano M. Tomasi, Beobachter der Heiligen Stuhls bei der Niederlassung der Vereinten Nationen in Genf, anlässlich der 48. Internationalen Bildungskonferenz, die vom 25. bis zum 28. November stattfand.

In seinem Beitrag unterstrich er die Bedeutung einer „ganzheitlichen“ Ausbildung, die nicht nur auf „Effizienz“ Wert lege, sondern auch auf „den Respekt vor der Würde eines jeden Menschen“.

Daher „müssen sich die Erzieher bewusst werden, dass ihr Dienst stets eine Zusammenarbeit mit den Eltern beinhalten muss, die die erste ‚Erziehungsanstalt’ darstellen, und das Erstrecht sowie die Pflicht haben, die eigenen Kinder zu erziehen“, was auf dem Subsidiaritätsprinzip gründe.

Anschließend erklärte er, die Ausbildung „muss stets die Bedürfnisse des Einzelnen im Auge behalten, besonders jene der Armen und Schwachen, der Behinderten, der Jugendlichen aus ländlichen Gebieten sowie der ausgegrenzten Stadtviertel, ohne jegliche Diskriminierung“.

Die Bildung müsse die „allumfassende Entwicklung der Person fördern“, und dürfe keine „Nebenrolle in Bezug auf die Wirtschaft einnehmen“, sondern solle „den Menschen für alle Neigungen des Herzens öffnen“, so Monsignore Tomasi.

Eine ganzheitliche Erziehung „muss alle Kinder und Jugendlichen in ihrem besonderen Kontext beachten, sowie alle Personen, die an deren Ausbildung beteiligt sind. Es handelt sich um einen Prozess des Verstehens, der Wissensvermittlung und Persönlichkeitsentwicklung miteinander in Einklang bringt“.

Außerdem „beziehen sich die fundamentalen Fragen, die sich jeder Mensch stellt, auf die Suche nach dem Sinn im Leben und in der Geschichte, auf die Veränderung und die Vergänglichkeit, auf die Liebe und die Transzendenz“.

Daher müsse die Erziehung „dem Menschen die nötigen Mittel zur Verfügung stellen, damit sich dieser konstruktiv in die Gesellschaft einbringen, über die wichtigen Fragen nachdenken und angebracht antworten kann, damit er mit seinem Nächsten leben sowie seine eigene Natur und die darin enthaltene Würde des ‚geistigen Wesens’ entdecken kann“.

Abschließend erinnerte Monsignore Tomasi an die Worte des Papstes: „Ein Kind verspürt das große Verlangen zu wissen und zu verstehen, das es in seinen unzähligen Fragen und der Suche nach Erklärungen ausdrückt. Die Erziehung würde also ihrer selbst nicht gerecht, würde sie sich auf die reine Informationsvermittlung beschränken, und die wichtige Frage nach der Wahrheit vernachlässigen, vor allem nach jener Wahrheit, die unser Leben leiten kann“.

Von Imma Álvarez. Aus dem Italienischen übersetzt von Katharina Marschall.