Schüler der Salesianer-Schule bei den Angriffen in Ägypten getötet

Abanob Karam war 18 Jahre alt

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ROM, Mittwoch, 18. Mai 2011 (ZENIT.org).- Unter den Opfern der Angriffe, die letzten Samstag gegen zwei Kirchen in Ägypten ausgeführt wurden (ZENIT berichtete), ist auch Abanob Karam, ein Junge von 18 Jahren, Schüler des Technischen Instituts der Salesianer in Kairo. Dies schilderte Pater Pier Giorgio Gianazza, salesianischer Missionar in Bethlehem, gegenüber ZENIT, der damit eine Nachricht von Pater Renzo Leonarduzzi, dem Leiter der Salesianergemeinschaft in der ägyptischen Hauptstadt, wiedergab.

Am Samstag, dem 7. Mai, sei Abanob Karam „wie gewöhnlich nach der Schule nach Hause zurückgekehrt. Seine Wohnung befindet sich in Munira - Imbaba", schrieb Pater Gianazza.

„Als er nach Hause kam, hörte er, dass es bei der nahen Kirche der heiligen Mina Probleme gab, er legte also seine Schultasche nieder und verließ erneut das Haus, um sich aufzumachen, seine Kirche zu verteidigen, obwohl seine Mutter darauf beharrte, zu Hause zu bleiben, da es zu gefährlich sei".

Mit dem Jungen zusammen seien auch einige andere Schulkameraden gewesen, die in derselben Gegend wohnen.

„Die Angreifer der Kirche war eine Gruppe von Salafiten, die die Christen unter dem Vorwand anklagten, sie würden in der Kirche ein Mädchen verstecken, welches zum Islam übergetreten sei", fuhr der salesianische Missionar aus Bethlehem fort.

„Gegen halb acht Uhr, während Abanob sich außerhalb der Kirche befand, traf ihn ein Schuss aus einer Feuerwaffe am Kopf. Seine Kameraden versuchten vergeblich, ihm zu Hilfe zu eilen".

Die Salesianer-Schule wird von 700 Schülern besucht, von denen ungefähr 450 Christen und 250 Moslems sind. Das Klima „war immer gelassen, ohne besondere Spannungen, im Gegenteil, es gab zwischen den Jungen immer echte Freundschaften".

Da die Schüler wegen des Vorfalls sehr erschüttert waren, seien am Montag alle im multimedialen Saal zu einer Versammlung zusammengerufen worden, um ihre Gefühle ausdrücken zu können. Auch die Professoren hätten sich zu Wort gemeldet, eingeschlossen derer, die Arabisch und den Koran unterrichten.

„Alle bestanden darauf, dass beide Religionen die Gewalt ablehnen und sich auf die Liebe, das Erbarmen und den Frieden gründen, und dass ein jeder, der sich solche Taten gestattet, sich weder Christ noch Moslem nennen kann", lautete die Botschaft der Verantwortlichen der Schule.

Am darauffolgenden Donnerstag wurde in Anwesenheit aller Schüler eine Heilige Messe für Abanob gelesen.

„Die Situation hier an der Schule scheint unter Kontrolle zu sein, aber die Lage im Land ist sehr gespannt, und es ist sehr schwierig, ‚optimistische' Voraussagen zu machen", gestand Pater Renzo Leonarduzzi.

„Die Christen sind dauernd unter Druck und werden drangsaliert und leider, wie es bereits früher geschah, kommen die zuständigen Behörden immer erst, wenn das Spiel schon vorbei ist, sie verhaften dann gerne die Christen und zwingen sie, sich mit der anderen Seite zu ‚befrieden' und verhindern so jeden Anspruch auf Schadenersatz und Gerechtigkeit".

Abanob Karam war Schüler des dritten Jahres am Professionalen Institut für Industrie und Handwerk und bereitete sich gerade auf die Prüfung zum Elektrofachmann vor.

Er wurde am 6. Oktober 1992 geboren. Letztes Jahr hatte er den Vater verloren und seine Ausbildung begonnen, um der Mutter und den Brüdern helfen zu können.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]