Schutzengel: Kitsch, Aberglaube, Esotherik?

Schutzengelfest am 2. Oktober

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ROM, 2. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ Je mehr der Glaube an Gott in Europa abnimmt, desto mehr scheint der Glaube an Engel zu boomen. Überall in den Kaufhäusern und Geschäften begegnen sie uns, neckische, kleine rundliche Wesen zumeist, die inzwischen auf allen Alltagsgegenständen prangen. Der Glaube an die Existenz von Engeln setzt allerdings den Glauben an eine immaterielle Welt voraus. Diese wiederum eröffnet den Horizont der Geistwesen, die, wenn sie keine materielle Ursache haben, eine geistige Ursache haben müssen. Zu Ende gedacht, endet man damit bei einem reinen Geistwesen: Gott. Somit bleibt festzustellen, dass der Glaube an Engel von der Logik her nicht von einem Glauben an Gott zu trennen ist. In seiner geschichtlichen Entstehung ist der Gedanke des Engels entstanden als ein Bote Gottes und damit zwangsläufig an Gott gebunden.

Ein Schutzengelamulett an der Supermarktkasse, getrennt von dem Glauben an Gott, ist ein rein heidnischer Talismann und damit Ausdruck eines magischen Verständnisses der Welt, wo der Mensch die übernatürlichen Kräfte beherrschen will.

Was lehrt die Kirche dazu?

„Einem jeden der Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen“ (Basilius, Eun. 3,1). „Schon auf dieser Erde hat das christliche Leben im Glauben an der glückseligen Gemeinschaft der in Gott vereinten Engel und Menschen teil“, heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK, 336).

Von seinem Beginn bis zum Tod umgeben die Engel mit ihrer Hut und Fürbitte das Leben des Menschen. Dass es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich „Engel" genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit.

„Ich werde einen Engel senden, der dir vorausgeht. Er soll dich beschützen auf deinen Wegen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe“ verheißt Gott dem Volk Israel. Das Volk soll „auf seine Stimme hören und alles tun, was Gott sagt.“

Der persönliche Engel wurde von Jesus offenbart: „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters (Mt 18, 10).“

Die Kirche verehrt die Engel, die der Kirche auf ihrem irdischen Pilgerweg beistehen und jeden Menschen beschützen. (vgl. 352)

Wer sind sie nun, diese Engel? Der KKK lehrt:

Die Engel sind geistige Geschöpfe, die Gott unablässig verherrlichen und seinem Heilsplan für die anderen Geschöpfe dienen: Thomas von Aquin sagt: „Bei allen unseren guten Werken wirken die Engel mit.“ (350)

Der hl. Augustinus sagt: „Engel‘ bezeichnet das Amt, nicht die Natur. Fragst du nach seiner Natur, so ist er ein Geist; fragst du nach dem Amt, so ist er ein Engel: seinem Wesen nach ist er ein Geist, seinem Handeln nach ein Engel" (Psal. 103,1,15). Ihrem ganzen Sein nach sind die Engel Diener und Boten Gottes. Weil sie ,,beständig das Antlitz meines Vaters sehen, der im Himmel ist“ (Mt 18,10), sind sie ,,Vollstrecker seiner Befehle, seinen Worten gehorsam (Ps 103,20).“ (329).

Als rein geistige Geschöpfe haben sie Verstand und Wille; sie sind personale und unsterbliche Wesen. Sie überragen alle sichtbaren Geschöpfe an Vollkommenheit. (330)

Christus „mit all seinen Engeln"

Christus ist das Zentrum der Engelwelt. Von der Menschwerdung bis zur Himmelfahrt ist das Leben des fleischgewordenen Wortes von der Anbetung und dem Dienst der Engel umgeben. Als Gott „den Erstgeborenen in die Welt einführt, sagt er: ‚Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen‘“. Ihr Lobgesang bei der Geburt Christi „Ehre sei Gott in der Höhe“ (Lk 2,14) klingt im Lobpreis der Kirche weiter. (333)

Die Engel umgeben Christus, ihren Herrn. Sie dienen ihm insbesondere bei der Erfüllung seiner Heilssendung für die Menschen. (351) Sie beschützen Jesus im Kindesalter, dienen ihm in der Wüste, stärken ihn in der Todesangst und sie hätten ihn auch — wie einst Israel, — aus der Hand der Feinde retten können.

Die Engel sind es auch, die „evangelisieren“, indem sie die frohe Botschaft der Menschwerdung und der Auferstehung Christi verkünden. Bei der Wiederkunft Christi, die sie ankündigen, werden sie ihn begleiten und ihm bei seinem Gericht dienen.

Im Jahr 1670 legte Papst Clemens X. das Schutzengelfest für die gesamte katholische Kirche für den 2. Oktober fest.

Engel in der katholischen Welt

„Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“: Diese achtstimmige berühmte Motette (Psalm 91, 11) von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), nach wie vor im Repertoire auch der weltbesten Chöre, ist nur eines der unzähligen größten Kunstwerke der Menschheit, zu denen die biblisch offenbarten Engel zum Schutz jedes einzelnen Menschen Komponisten und Künstler jeder Art inspiriert haben.

In der darstellenden Kunst hatte das Schutzengelmotiv seinen Ursprung bei den Nazarenern, eine Stilrichtung zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ausgehend von Wien und Rom. Das Ziel der Nazarener, zu denen zahlreiche Konvertiten gehörten, lag in der Erneuerung der Kunst im Geiste des katholischen Christentums, wobei alte italienische und deutsche Meister als Vorbilder dienten. Sie beeinflussten die Kunst der gesamten Romantik.

Seither begann das Schutzengelmotiv auch seinen Siegeszug in die Häuser der Gläubigen, auf Andachts-und Gebetsbildern und zahlreichen weiteren Darstellungen.

Einige mögen künstlerisch wertvoller als andere sein, sie drücken auf jeden Fall in kindlicher Gläubigkeit das tiefe Vertrauen aus, sich der „Obhut des Vaters anzuvertrauen“ (Gotteslob 291), denn, wie es im Kirchenlied weiter heißt: „Er weiß, dass Gottes Hand ihn hält, wo immer ihn Gefahr umstellt, kein Unheil, das im Finstern schleicht, kein nächtlich Gauen ihn erreicht. Denn seinen Engeln Gott befahl, zu hüten seine Wege all, dass nicht sein Fuß an einen Stein, anstoße und verletzt mög sein.“

Das Schutzengelgebet gehört zum persönlichen Gebet und in jede Kinderstube.

Psalm 91 ist fester Bestandteil des Stundengebets (Komplet) der Kirche in der zweiten Sonntagsvesper.